Rezensionen

Rezension zum Selfpublishing-eBook „Aschenputtel“ von Silvia Götschi

Konfetti, Guggenmusik und eine Leiche …

Vor einer Weile habe ich hier im Blog den Liebesroman „Sonnensturm“ der Indie-Autorin Silvia Götschi vorgestellt, der mich durch seine Mischung aus Romantik, Poesie und Philosophie auf ganzer Linie überzeugt hat. Nun hat Silvia noch mehr Bücher auf der Selfpublishing-Plattform BookRix veröffentlicht, was mich sehr freut. Deshalb habe ich mir ihren Krimiroman „Aschenputtel“ für eine Rezension vorgeknöpft.

Buchcover Silvia Götschi "Aschenputtel"Das eBook enthält insgesamt elf Kapitel plus Pro- und Epilog, sowie Informationen zur Autorin. Die elf Kapitel schildern jeweils die Ereignisse eines Arbeitstages von Kommissar Thomas Kramer. Sein Revier ist Luzern. Dort kommt es einmal im Jahr zum Ausnahmezustand, nämlich dann, wenn am „Schmotzige Donnschtig“ die Fasnet losbricht. Doch diesmal ist der Startschuss zum närrischen Treiben gleichzeitig das Ende eines Menschenlebens. Ein Maler aus dem Tessin wird im Trubel der Feiernden von hinten erschossen. Thomas Kramer und sein Kollege Armando Bartolini nehmen die Ermittlungen auf. Da das Opfer aus Ascona am Lago Maggiore stammt, begeben sich die beiden ebenfalls in die Südschweiz. Dort ticken die Uhren zwar etwas anders, aber die Fasnet mit ihrer Guggenmusik ist auch dort im Gange. So gelingt es den Polizisten nur mit Mühe, das Verbrechen zu untersuchen. Dabei gerät vor allem Thomas Kramer mitten hinein in die Wirrungen, die mit dem Fall zusammenhängen.

Wie schon beim vormals besprochenen Roman „Sonnensturm“ angemerkt, ist auch „Aschenputtel“ ein Meisterstück. Silvia Götschis Schreibkünste hinterlassen einen professionellen Eindruck, der das Lesen zu einem Vergnügen macht. Außer ein paar Flüchtigkeitsfehlern bei Zeichensetzung und Zusammenschreibung, die unbemerkt durch das akribische Lektorat geschlüpft sind, ist absolut nichts zu monieren. Die Detailbeschreibungen der Szenen, die akkurate Darstellung der verschiedenen Charaktere und die Verstrickungen der Handlung wirken wohldurchdacht und zudem auch sehr feinsinnig ausgestaltet. Auch die Konzeption des Tatherganges ist plausibel, was für einen Kriminalroman essenziell ist. Spannung ist reichlich vorhanden und wird bis ganz zum Schluss aufrechterhalten.

Aschenputtel“ ist für 7,99€ zu haben. Das mag im ersten Moment für eBook-Verhältnisse vergleichsweise hoch erscheinen. Man sollte jedoch bedenken, dass der Roman stilistisch wie inhaltlich aufwändig und gewissenhaft ausgearbeitet ist. Man bekommt also ein wertvolles Stück Literatur, das sich für Krimifans sicher als Schmankerl herausstellen wird. Generell wird hieran aber jeder Gefallen finden, der spannende und formvollendete Unterhaltung lieben. Außerdem hat „Aschenputtel“ einen beträchtlichen Seitenumfang. Das ist bei eBooks durchaus von Vorteil, da sich längere Bücher erfahrungsgemäß besser verkaufen als kurze.

Rezension zum Selfpublishing-eBook „Rock me, Baby“ von C. Griethe

Romeo und … Noah!

Heute wenden wir uns der Gay-Romance zu, ein Genre, das bekanntlich reichlich Gefühl zu bieten hat. So ist „Rock me, Baby“ der Indie-Autorin C. Griethe denn auch ein Roman, der eine gleichgeschlechtliche Beziehung zum Thema hat, die sich in Musikerkreisen abspielt.

Buchcover C. Griethe "Rock me, Baby"Noah Mills ist der Sänger einer erst kürzlich entdeckten Band. Zusammen mit seinen drei Kollegen, von denen der eine, Jason, sein Stiefbruder ist, steht er am Anfang einer Bilderbuchkarriere in der Welt der Musik. Der äußere Schein ist also blendend, doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Von einer Internetseite hat Noah nämlich erfahren, dass er vor Kurzem eine Affäre mit einem weiblichen Fan gehabt hat. Selber weiß er davon allerdings nichts. Obwohl die Story also offenkundig frei erfunden ist, distanziert sich Jason merklich von ihm, was ihm schwer zu schaffen macht, da sein Stiefbruder ihm stets Halt gegeben hat. In einer Art Kurzschlussreaktion möchte sich Noah mit einem Callboy ablenken. Er kann nicht ahnen, welche ausufernden Verwicklungen er damit auslöst.

Außer ein paar Flüchtigkeitsversehen gibt es nichts Gravierendes festzustellen. Nur die Kommasetzung ist gelegentlich nicht ganz stimmig, da öfters mal keine Trennung zwischen Haupt- und Nebensatz erfolgt. Davon abgesehen, ist der Text stilistisch recht gut ausgefallen. Der Ausdruck ist eine gelungene Mischung aus angenehmer Schrift- und eher salopper, aber nie niveauloser Umgangssprache, was man sich durchaus für Unterhaltungen zwischen Bandmitgliedern vorstellen kann. Die Nutzung des Präsens’ in der gesamten Geschichte lässt die Handlung aufgelockert dahinschwirren. Man muss allerdings sagen, dass diese gelegentlich etwas vorhersehbar erscheint, weshalb sich die Spannung ein wenig in Grenzen hält. Romantisch ist sie allerdings trotzdem.

Der Preis für den kompletten Download beträgt 3,99€. Da der Text stilistisch in Ordnung ist und der sprachliche Ausdruck perfekt zum Setting passt, ist das angemessen. „Rock me, Baby“ ist gute Unterhaltung für sinnliche Momente, weniger ist es für Leser geeignet, die sehr Tiefsinniges oder Philosophisches erwarten. Stattdessen spricht es in erster Linie das Herz an und das tut es recht sympathisch.

Rezension zum Selfpublishing-eBook „Zarin der Vampire: Böse Spiele“ von Tatana Fedorovna

„Soldatin der Rache, Anwältin der Drangsalierten, Zarin der Vampire“

Vor einer Weile habe ich hier im Blog den Horror-Roman „Zarin der Vampire: Blut der Sünde“ vorgestellt, der mich durch seine ungewöhnliche Mischung aus Gruselelementen und historischen Ereignissen sehr beeindruckt hat. Auch der philosophische Aspekt um das Prinzip von Ursache und Wirkung, der im Hintergrund immer wieder dezent auftaucht, übt einen gewissen Reiz aus. Mittlerweile hat die Selfpublishing-Autorin Tatana Fedorovna eine Fortsetzung geschrieben, die nahtlos an die Ereignisse im ersten Teil anknüpft und ebenso blutrünstig und mysteriös ist. Da kann ich einfach nicht widerstehen.

Buchcover Tatana Fedorovna "Zarin der Vampire: Böse Spiele"Zur Erinnerung: Die Hauptfigur des mehrteiligen Romans ist Olga Nikolajewna Romanowa, Tochter des letzten russischen Zaren, die gemeinsam mit ihrer ganzen Familie im Juli 1918 auf grausame Weise ermordet worden ist. Doch kurz zuvor hat sie von ihrer Mutter in weiser Voraussicht ein Fläschchen Vampirblut erhalten und im Angesicht des drohenden Todes auch zu sich genommen. Dieses macht sie unsterblich, aber auch zu einer untoten Blutsaugerin, die sich fortan von menschlichem Lebenssaft ernähren muss. Ihre neue Existenz hat sie der Rache verschrieben. Sie muss zwar töten, aber sie will dies nur bei solchen Opfern tun, die selbst beträchtliche Schuld auf sich geladen haben.

Im Laufe der Zeit hat sich Olga Berlin als Wahlheimat ausgesucht. Sie arbeitet dort für eine Detektei. Diese wird von höchster Stelle für die Aufklärung eines brisanten Falles engagiert und soll mit der Kriminalpolizei kooperieren. So geschieht es, dass Olga mit dem Kommissar Gordon von Mirbach zusammenarbeiten muss. Dieser ist ein Nachfahre des Grafen von Mirbach-Harff, der wiederum mit dem letzten Zaren befreundet gewesen ist. Olga hält diese merkwürdige Fügung keineswegs für einen Zufall.

Blut der Sünde“ endet schließlich mit einer Rückblende zur Mordnacht des Jahres 1918. Wir erfahren auf diese Weise, wie Olgas Verwandlung in einen Vampir vor sich gegangen ist.

Böse Spiele“, Teil 2 der Reihe, setzt die Handlung genau an dieser Stelle fort. Olga kämpft sich verzweifelt und völlig durcheinander aus der umkämpften Stadt Jekaterinburg und versteckt sich im Wald. Doch dort wird sie von einer zwielichtigen Bande entdeckt und gefangen genommen. Die Burschen führen selber nichts Gutes im Schilde, was Olga bald am eigenen Leibe spüren muss.

Auch die Geschehnisse in der Gegenwart werden weitererzählt. Olga und Gordon sind immer noch mit der Aufklärung der Vermisstensache beschäftigt. Konkrete Anhaltspunkte hat der Kommissar nicht, denn er kann ja nicht ahnen, wer da an seiner Seite arbeitet. Doch nach und nach stößt das ungleiche Ermittlerpaar auf vielversprechende Hinweise.

Wie schon bei „Blut der Sünde“ angemerkt, ist auch die Fortsetzung stilistisch äußerst ansprechend ausgefallen. Der sprachliche Ausdruck bewegt sich auf einem sehr hohen, gepflegten Niveau. Durch das sorgfältige Lektorat macht auch die Orthographie einen sehr erfreulichen Eindruck. Ein paar vereinzelte Flüchtigkeitsfehler sind alles, was man bemängeln kann. Inhaltlich zeigt sich „Böse Spiele“ durch das parallel geschilderte Geschehen in Vergangenheit und Gegenwart wiederum sehr abwechslungsreich. Gelegentlich finde ich zwar die Glorifizierung des Adels durch Olga ein wenig zu eindringlich, aber letztlich ist diese Haltung aus dem ihr zugefügten Leid zu erklären und deshalb verständlich. Ein äußerst lobenswerter Umstand ist schließlich noch zu nennen: Das Buch enthält einige farbige Illustrationen der Zeichnerin Anja Uhren, die die Handlung auf ansprechende und einzigartige Weise unterstützen.

Für 2,99€ bekommt man ein Werk, das sich inhaltlich deutlich von anderen Vampirgeschichten abhebt, indem es die beliebten Blutsauger mit historischen Begebenheiten in Verbindung bringt. Da die Geschehnisse rund um den Zarenmord aber teilweise im Verborgenen liegen oder Gegenstand kontroverser wissenschaftlicher Diskussion sind, bedient es auch die Mystery-Schiene mit. Spannung ist somit beinahe im Überfluss vorhanden. Allerdings muss man klar sagen, dass das Buch nicht für eher zartbesaitete Leser geeignet ist, da einige Szenen wirklich blutig oder sogar noch schlimmer enden. Ansonsten kann es empfohlen werden.

Nachtrag: Zum ersten Teil der Reihe, „Zarin der Vampire: Blut der Sünde“ gibt es gegenwärtig eine Verlosung.

Rezension zum kostenlosen eBook „Angst“ von Katja Rübsaat

„Sie hat mich angelächelt, dachte er.“

Heute geht es in dieser Rezensionsreihe mal wieder um eine Kurzgeschichte. Sie stammt von der Indie-Autorin Katja Rübsaat und heißt „Angst“.

Buchcover Katja Rübsaat "Angst"Der Text beschreibt eine Verfolgungsjagd. Ein Schüler flüchtet vor drei Klassenkameraden, die hinter ihm her sind. Während er nach einem geeigneten Versteck Ausschau hält, lässt er die Vorgeschichte, die zu diesem Ereignis geführt hat, noch einmal im Geiste Revue passieren: Alles hatte damit angefangen, dass er dem Rädelsführer Klaus kein Geld leihen wollte. Jetzt wünscht er sich, er hätte es einfach getan, denn die gnadenlosen Verfolger rücken unaufhaltsam näher.

Katja Rübsaat besitzt die Fähigkeit, die Emotion und ihre Auswirkungen nachfühlbar in Worte zu fassen. Die Angst wird mit all ihren unangenehmen Facetten lebendig und greifbar. Man leidet mit dem Gejagten und erlebt wie er die kurzen Momente der aufflackernden Hoffnung, die sich immer wieder in die bedrückende Gewissheit einschleichen, dass er wohl nicht wird entkommen können. Sowohl der sprachliche Ausdruck wie auch Grammatik und Rechtschreibung zeigen sich in hervorragender Form und machen somit neugierig, was die Autorin noch alles in ihrem Fundus hat.

Mein abschließendes Fazit fällt also umfassend positiv aus. „Angst“ ist ein ansprechender und überzeugender Text, den ich gerne gelesen habe. Der Text ist kostenlos zu haben.

Rezension zum Selfpublishing-eBook „Der Mord ist das Ziel“ von Daniel Hellstern

„Die dunkle Gestalt stand am Heck und hielt die Ruderpinne, die an den Griff einer Sense erinnerte.“

Und wieder wird es kriminell im Blog. Das eBook „Der Mord ist das Ziel“ von Indie-Autor Daniel Hellstern gibt schon mal die Richtung vor. Da ich Krimis mag, bin ich ihr gleich gefolgt und kann sagen, dass hier weit mehr geboten wird als gewöhnlicher Mord und Totschlag.

Buchcover Daniel Hellstern "Der Mord ist das Ziel"Der Sammelband umfasst 17 Kurzgeschichten, in denen stets irgendjemand umkommt. Die Frage ist dann immer, wie genau das vor sich geht oder gegangen ist. Die thematische Bandbreite der Texte ist erstaunlich hoch. Mal befindet man sich in einem verwirrenden Agententhriller, mal geht es eher makaber und humoristisch zu.

Mein Favorit ist „Gnadenlos rosarot“. Der schon etwas betagte Privatdetektiv Gladstone wird eines schönen Tages von der attraktiven Vivian angeheuert, die Affären ihres Ehegatten Mirco aufzudecken. Dieser gibt Esoterikseminare und so kommt Gladstone auf die Idee, selbst an einem solchen teilzunehmen. Doch während des Kurses geschieht das Unfassbare: Der Detektiv macht die Bekanntschaft einer Toten. Zuerst erscheint sie ihm nur im Geiste, aber wenig später stellt sie ihn auf der Toilette zur Rede. Sie will ihn nämlich ebenfalls anheuern, damit er ihre Mörderin dingfest machen kann. Es entwickeln sich ganz amüsante Unterhaltung zwischen den beiden und am Ende wird der Mord auch aufgeklärt, nur nicht so, wie es die Tote eigentlich gewollt hat. Der schwarze Humor, der in dieser Geschichte steckt, ist schwer zu überbieten.

Rache aus dem Jenseits“ geht in eine ähnliche Richtung, nur dass es hier keinen Detektiv gibt. Stattdessen muss der Leser selbst einspringen. Mehr möchte ich jetzt aber nicht verraten!

Der Schreibstil der Geschichten wirkt eigenständig, satirisch und frech einerseits, zum Anderen aber ebenso präzise und ausgefeilt. Der Autor hat offenkundig ein ausgeprägtes Talent für kesse Sprüche. Immer wieder stößt man auch auf völlig ungewöhnliche Formulierungen, die deutlich werden lassen, wie schöpferisch man mit Sprache umgehen kann. Was Rechtschreibung und Grammatik angeht, ist außer sporadischen Flüchtigkeitsversehen alles in Ordnung.

Mit einem Preis von 4,99€ ist das vollständige eBook wirklich ein Schnäppchen. Wo sonst bekommt man 17 so unterschiedliche Geschichten, die sich auf solch einem hohen sprachlichen Niveau bewegen? Das Buch verspricht abwechslungsreichen Lesespaß der besonderen Art, mal gruselig, mal skurril. Was will man mehr? Und für die Liebhaber schwarzen Humors ist es das Sahnhäubchen!

Rezension zum Selfpublishing-eBook „Der schwarze Engel“ von Bina Sparks

„Irgendwie hatte man es geschafft, sie zu blenden.“

Und wieder einmal ist Crime Time im Blog. „Der schwarze Engel“ ist ein Kriminalroman der Indie-Autorin Bina Sparks, den ich mir nun auch endlich vorgenommen und in einem Rutsch verschlungen habe. Das eBook ist als Thriller eingestuft und wird diesem Anspruch auch gerecht.

Buchcover Bina Sparks "Der schwarze Enel"FBI-Agentin Sharon Ang bekommt den Fall einer Wasserleiche übertragen. Genauer gesagt, gibt es sogar zwei Tote, beides junge Frauen, die einen Engelsanhänger um den Hals getragen haben. Außer diesem unscheinbaren Schmuckstück hat Sharon keine Spur, die sie verfolgen könnte. Daher nimmt sie zunächst das soziale Umfeld der Toten in Augenschein und lernt dabei sehr markante Persönlichkeiten kennen. Was sie jedoch nicht ahnt, ist die Tatsache, dass dieser Fall zu einem Verwirrspiel wird, in dem sich Wahrheit und Trug nur noch schwer voneinander trennen lassen.

Die Handlung fliegt wie ein Film vor dem geistigen Auge dahin. Die detaillierten Szenenbeschreibungen und ausführlichen Charakterdarstellungen sorgen dafür, dass das Geschehen gut nachempfunden werden kann. Ebenso ist das Erzähltempo ideal. Was Grammatik und Orthographie betrifft, wird einzig die Zusammenschreibung von Verbalkomposita oftmals nicht beachtet. Ansonsten kommen noch sporadische Flüchtigkeitsfehler vor, diese vor allem bei der Satzstellung und bei den Relativpronomen. Der Ausdruck gibt sich erfreulich vielseitig, zielsicher und lebendig. Der Gesamteindruck ist also ein sehr guter.

Mit einem Preis von 3,99€ für den Download des kompletten eBooks ist „Der schwarze Engel“ vielleicht nicht ganz billig, aber der gute Schreibstil und die durchwegs reichlich vorhandene Spannung sprechen für sich. Zu empfehlen ist es natürlich in erster Linie allen Liebhabern von Krimis. Aber auch wer Nervenkitzel beim Lesen braucht, sollte hier zögern und gleich zugreifen.

Rezension zum Selfpublishing-eBook „Eine ewige Narbe“ von Mirco Motzkus

Der goldene Vulkan …

Heute befassen wir uns mit einer Kurzgeschichte von Indie-Autor Mirco Motzkus, der als „nachtelf“ schon seit Längerem auf der Selfpublishing-Plattform BookRix unterwegs ist. Der Text heißt „Eine ewige Narbe“ und ist dem Fantasy-Genre zugeordnet, geht aber inhaltlich weit darüber hinaus, weshalb er (mindestBuchcover Mirco Motzkus "Eine ewige Narbe"ens) einen genaueren Blick wert ist.

Ein kleiner Junge, der durch ein verheerendes Feuer alles verloren hat, Familie, Unterkunft, Vermögen, ist gezwungen, sich alleine durchzuschlagen. Er begegnet verschiedenen Menschen und haust in einem verlassenen Fuchsbau, doch im Laufe der Zeit übermannt ihn die Gier nach Gold so sehr, dass er dafür sogar sein Leben aufs Spiel setzt.

Stilistisch ist der Text ausgezeichnet. Vom Erzähltempo bis hin zur Rechtschreibung passt alles. Einzig zusammengesetzte Verbformen werden des Öfteren in zwei Wörtern geschrieben. Ansonsten erleben wir hier eine äußerst spannende Handlung, die sich in einer düsteren Atmosphäre abspielt. Diese drückende, lähmende Hitze des Feuers, welches den Jungen gezeichnet hat, ist stets zu erfühlen, was die Geschichte zu einem geradezu brodelnden Lesegenuss macht.

Das komplette eBook ist für 0,99€ zu haben. Der Preis stimmt, wenn man die sehr gute Ausarbeitung berücksichtigt. Nicht nur Fantasy-Fans werden es gerne lesen, sondern auch diejenigen, die Texte mit unerwartetem Ausgang mögen. Empfehlen kann man es auf jeden Fall.

Rezension zu „Das Siegel des Olymps“ von Romana R. K.

Gewitterstürme, Feuerrosse und das Schicksal einer Einzelnen

Die heutige Buchbesprechung führt uns in die Vergangenheit, genauer gesagt, in das antike Griechenland, wo die Götterwelt des Altertums noch allgegenwärtig ist. „Das Siegel des Olymps“ heißt ein Abenteuerroman der Autorin Romana R. K., der die Mythen um Zeus und Athene wieder zu neuem Leben erweckt.

Romana R. K. "Das Siegel des Olymps"Zunächst befinden wir uns in Athen und erfahren, dass die Stadt seit einer ganzen Weile schon von einem Dieb unsicher gemacht wird. Dieser bestielt Händler und wohlhabende Bürger und schafft es, danach stets im Gewühl eines Marktes abzutauchen. Die Wachen versuchen vergeblich, ihn dingfest zu machen. Tatsächlich heißt dieser Dieb Serena und ist eine junge Frau, die ihre Beute mit den Ärmsten der Stadt teilt, für die sie sich verantwortlich fühlt.

Eine gewisse Zeit geht das Versteckspiel gut, doch eines Tages ist die Übermacht der Wachen zu groß, Serena wird umzingelt und stürzt auf ihrer Flucht von einem Dach. Doch dieser Unfall ist nicht ihr unabwendbares Ende, sondern vielmehr der Anfang eines neuen Lebensabschnittes. Was sie nämlich nicht weiß, ist, dass ein bestimmter Bewohner des Olymps ein berechtigtes Interesse daran hat, dass es Serena gut geht. Diese Ereignisse bilden jedoch lediglich den Anfang für ein ganz besonderes Abenteuer, das sie nun bestehen muss. Im Olymp ist nämlich auch nicht alles Gold, was glänzt.

Rechtschreibung und Grammatik sind größtenteils in Ordnung. Ab und an kommt es jedoch zu auffälligen Flüchtigkeitsfehlern. Der Ausdruck kann, von vereinzelten Wortwiederholungen abgesehen, gelobt werden, zeigt er sich doch abwechslungsreich und angenehm flüssig. Allerdings kommen vereinzelt Vokabeln vor, die, weil zu modern, nicht so recht in das alte Griechenland passen wollen, so etwa „Neandertaler“ oder „Adrenalinkick“. Insgesamt überwiegt aber ein sehr positiver Eindruck. Vor allem das Erzähltempo ist gut umgesetzt. Die einzelnen Szenen werden ausführlich geschildert, ohne langatmig zu wirken. Stets herrscht eine gewisse Spannung vor und man möchte unbedingt wissen, was als Nächstes geschieht.

Der Preis für den Download des kompletten Buches beträgt 3,99€. Das ist durchaus angemessen, allein schon wegen der bloßen Menge spannenden Lesestoffes, der sich hier bietet. Von den bereits erwähnten Flüchtigkeitsfehlern abgesehen, überzeugt „Das Siegel des Olymps“ durch guten Stil und mitreißende Handlung. Für Fantasy-Fans ist es genau richtig, aber auch die Freunde anspruchsvollerer Lektüre werden sich daran erfreuen. Und wer ein Faible für Zeus und Athene hat, sollte sofort zuschlagen.

Rezension zu „Hinter Türen“ von Anja Ollmert

Ein Blick hinter verschlossene Türen

Die Autorin Anja Ollmert alias „webmaus“ ist schon eine geraume Weile auf BookRix angemeldet und hat uns bereits mit einigen interessanten Geschichten verwöhnt. Nun hat sie unter dem Titel „Hinter Türen“ einen Sammelband erstellt, der schließlich auch den Weg in diese Rezensionsreihe gefunden hat.

Buchcover Anja Ollmert "Hinter Türen"Das Werk enthält insgesamt 23 Kurzgeschichten, wovon eine als „Bonus“ ausgewiesen ist. Die einzelnen Texte sind allesamt recht aussagekräftig und stimmen oft sehr nachdenklich, da sie oftmals menschliche Tragödien beschreiben und auch eine gewisse sozialkritische Note an sich haben. Eine explizite thematische Festlegung gibt es allerdings nicht, wodurch das Buch abwechslungsreich ausfällt. Mal steht eine Person im Mittelpunkt, mal eine Beziehung, die sich durch einen wichtigen Umstand verändert, wobei es sich bisweilen um ein Mordkomplott handeln kann. Besonders hervorheben möchte ich „Moona“ und „Rosemaries Flucht“. „Moona“ schildert das Leid einer jugendlichen Heimbewohnerin, die ihre Eltern in einer Vollmondnacht durch einen Verkehrsunfall verloren hat. Nun fürchtet sie sich vor dem Vollmond und empfindet jedes Mal quälende Angst, wenn er erneut am Firmament erscheint. Stets zieht sie sich dann in ihre Gedankenwelt zurück. Was sie jedoch nicht weiß, ist, dass es nicht der Mond ist, vor dem sie sich fürchten sollte. „Rosemaries Flucht“ behandelt das Thema Armut. Wir lernen eine Protagonistin kennen, in deren Budget jeder Euro fest verplant ist. Sie kann sich nur eine ziemlich einseitige Ernährung leisten. Durch die immer gleichen Rituale ist ihr Dasein trostlos geworden und teilweise sogar zu zwanghaften Handlungsabläufen erstarrt, aus denen sie nicht mehr ausbrechen kann. Erst als etwas geschieht, das ihre Existenz bedroht, kann sie fliehen. Auch die übrigen Texte wissen zu gefallen.

Die Geschichten sind zumeist sehr gut ausgearbeitet. Es kommt zwar ab und an zu Flüchtigkeitsversehen, aber im Großen und Ganzen sind sie erfreulich arm an Fehlern. Auch stilistisch gibt es so gut wie nichts auszusetzen. Anja Ollmert schreibt äußerst flüssig und stimmungsvoll.

Der Preis von 3,99€ für das komplette Buch ist angesichts des qualitativ sehr guten Inhalts und der soliden Ausarbeitung angemessen. Dafür bekommt man eine Sammlung mitreißender Kurzgeschichten, die einen auch noch lange nach dem Lesen beschäftigen. Wer also anspruchsvolle Lektüre mag, ist hier an der richtigen Adresse.

„Lieber schlaflos leben, als schlafend sterben!“

„Lieber schlaflos leben, als schlafend sterben!“

Heute wird es im Blog mal wieder etwas düsterer, denn das Buch „Verloren“ von Jo W. Gärtner steht nun im Fokus. Es befindet sich seit ein paar Tagen in der offiziellen Empfehlungsliste von BookRix, was nicht zu unrecht der Fall ist, denn es hat wirklich was zu bieten.

Buchcover Jo W. Gärtner "Verloren"Verloren“ enthält sechs kurze Prosatexte, die sich alle mit dem gleichen Thema befassen, nämlich der Ausweglosigkeit, der Gewissheit, nicht mehr entrinnen zu können. Leichte Kost ist gewiss keine von ihnen. Immer geht es um eine Form des Leides, das die jeweilige Hauptfigur erdulden muss. Die Versuche, daraus zu entrinnen, scheitern meist kläglich.

Am ausdrucksstärksten ist dabei „Sie wollen mir Flügel geben“. Bei dieser Episode erschließt sich der Bezug des Titels zum Inhalt erst ganz am Schluss. Dann allerdings erkennt man die verstörende Wahrheit hinter dem Text, die betroffen macht. Dennoch ist „Auflösen“ mein Favorit. Hier wird nämlich sehr eindrucksvoll in einer Metapher abstrahiert, was der Protagonist empfindet. Er denkt, er wäre ein „Nichts“, ein völlig unwichtiges Individuum, worauf er dann der Meinung ist, er würde sich tatsächlich in Luft auflösen und niemand könnte ihn mehr sehen.

Tatsächlich haben aber alle sechs Episoden eine sehr tiefsinnige Aussage, die auf verblüffend bildhafte und sehr eindringliche Weise dargestellt wird und dadurch erschreckend nahegeht. Oberflächlichkeit ist in „Verloren“ ein Fremdwort. Einerseits werden hier zwischenmenschliche Probleme durchleuchtet und Verhaltensweisen und Dogmen hinterfragt, andererseits finden diese Betrachtungen auf eine literarisch und philosophisch anspruchsvolle Weise statt, die den Geschichten jedoch nichts von ihrer Spannung und Dramatik nimmt.

Stilistisch gibt es bis auf ganz vereinzelte Wortwiederholungen überhaupt nichts auszusetzen. Die Texte verfügen über einen sehr vielseitigen und gepflegten Ausdruck, der generell unverbraucht wirkt, häufig sogar erfrischend kreativ. Auch Orthographie und Grammatik sind fehlerfrei.

Verloren“ ist für 0,99 € zu haben, meiner Meinung nach viel zu günstig, denn es bietet aussagekräftige Texte, knisternde Spannung und hochwertiges Schreibhandwerk. Für die schnelle Lektüre zwischendurch ist das Buch sicher nicht geeignet, da es zu nachdenklich stimmt und in Ruhe nachklingen möchte. Es ist anspruchsvolle Literatur, die Aufmerksamkeit verdient hat.

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