Rezension zu „Hinter Türen“ von Anja Ollmert
Ein Blick hinter verschlossene Türen
Die Autorin Anja Ollmert alias „webmaus“ ist schon eine geraume Weile auf BookRix angemeldet und hat uns bereits mit einigen interessanten Geschichten verwöhnt. Nun hat sie unter dem Titel „Hinter Türen“ einen Sammelband erstellt, der schließlich auch den Weg in diese Rezensionsreihe gefunden hat.
Das Werk enthält insgesamt 23 Kurzgeschichten, wovon eine als „Bonus“ ausgewiesen ist. Die einzelnen Texte sind allesamt recht aussagekräftig und stimmen oft sehr nachdenklich, da sie oftmals menschliche Tragödien beschreiben und auch eine gewisse sozialkritische Note an sich haben. Eine explizite thematische Festlegung gibt es allerdings nicht, wodurch das Buch abwechslungsreich ausfällt. Mal steht eine Person im Mittelpunkt, mal eine Beziehung, die sich durch einen wichtigen Umstand verändert, wobei es sich bisweilen um ein Mordkomplott handeln kann. Besonders hervorheben möchte ich „Moona“ und „Rosemaries Flucht“. „Moona“ schildert das Leid einer jugendlichen Heimbewohnerin, die ihre Eltern in einer Vollmondnacht durch einen Verkehrsunfall verloren hat. Nun fürchtet sie sich vor dem Vollmond und empfindet jedes Mal quälende Angst, wenn er erneut am Firmament erscheint. Stets zieht sie sich dann in ihre Gedankenwelt zurück. Was sie jedoch nicht weiß, ist, dass es nicht der Mond ist, vor dem sie sich fürchten sollte. „Rosemaries Flucht“ behandelt das Thema Armut. Wir lernen eine Protagonistin kennen, in deren Budget jeder Euro fest verplant ist. Sie kann sich nur eine ziemlich einseitige Ernährung leisten. Durch die immer gleichen Rituale ist ihr Dasein trostlos geworden und teilweise sogar zu zwanghaften Handlungsabläufen erstarrt, aus denen sie nicht mehr ausbrechen kann. Erst als etwas geschieht, das ihre Existenz bedroht, kann sie fliehen. Auch die übrigen Texte wissen zu gefallen.
Die Geschichten sind zumeist sehr gut ausgearbeitet. Es kommt zwar ab und an zu Flüchtigkeitsversehen, aber im Großen und Ganzen sind sie erfreulich arm an Fehlern. Auch stilistisch gibt es so gut wie nichts auszusetzen. Anja Ollmert schreibt äußerst flüssig und stimmungsvoll.
Der Preis von 3,99€ für das komplette Buch ist angesichts des qualitativ sehr guten Inhalts und der soliden Ausarbeitung angemessen. Dafür bekommt man eine Sammlung mitreißender Kurzgeschichten, die einen auch noch lange nach dem Lesen beschäftigen. Wer also anspruchsvolle Lektüre mag, ist hier an der richtigen Adresse.
„Lieber schlaflos leben, als schlafend sterben!“
„Lieber schlaflos leben, als schlafend sterben!“
Heute wird es im Blog mal wieder etwas düsterer, denn das Buch „Verloren“ von Jo W. Gärtner steht nun im Fokus. Es befindet sich seit ein paar Tagen in der offiziellen Empfehlungsliste von BookRix, was nicht zu unrecht der Fall ist, denn es hat wirklich was zu bieten.
„Verloren“ enthält sechs kurze Prosatexte, die sich alle mit dem gleichen Thema befassen, nämlich der Ausweglosigkeit, der Gewissheit, nicht mehr entrinnen zu können. Leichte Kost ist gewiss keine von ihnen. Immer geht es um eine Form des Leides, das die jeweilige Hauptfigur erdulden muss. Die Versuche, daraus zu entrinnen, scheitern meist kläglich.
Am ausdrucksstärksten ist dabei „Sie wollen mir Flügel geben“. Bei dieser Episode erschließt sich der Bezug des Titels zum Inhalt erst ganz am Schluss. Dann allerdings erkennt man die verstörende Wahrheit hinter dem Text, die betroffen macht. Dennoch ist „Auflösen“ mein Favorit. Hier wird nämlich sehr eindrucksvoll in einer Metapher abstrahiert, was der Protagonist empfindet. Er denkt, er wäre ein „Nichts“, ein völlig unwichtiges Individuum, worauf er dann der Meinung ist, er würde sich tatsächlich in Luft auflösen und niemand könnte ihn mehr sehen.
Tatsächlich haben aber alle sechs Episoden eine sehr tiefsinnige Aussage, die auf verblüffend bildhafte und sehr eindringliche Weise dargestellt wird und dadurch erschreckend nahegeht. Oberflächlichkeit ist in „Verloren“ ein Fremdwort. Einerseits werden hier zwischenmenschliche Probleme durchleuchtet und Verhaltensweisen und Dogmen hinterfragt, andererseits finden diese Betrachtungen auf eine literarisch und philosophisch anspruchsvolle Weise statt, die den Geschichten jedoch nichts von ihrer Spannung und Dramatik nimmt.
Stilistisch gibt es bis auf ganz vereinzelte Wortwiederholungen überhaupt nichts auszusetzen. Die Texte verfügen über einen sehr vielseitigen und gepflegten Ausdruck, der generell unverbraucht wirkt, häufig sogar erfrischend kreativ. Auch Orthographie und Grammatik sind fehlerfrei.
„Verloren“ ist für 0,99 € zu haben, meiner Meinung nach viel zu günstig, denn es bietet aussagekräftige Texte, knisternde Spannung und hochwertiges Schreibhandwerk. Für die schnelle Lektüre zwischendurch ist das Buch sicher nicht geeignet, da es zu nachdenklich stimmt und in Ruhe nachklingen möchte. Es ist anspruchsvolle Literatur, die Aufmerksamkeit verdient hat.
Rezension zu „Das Dunkle“ von Rita Bittner
Kurzgeschichten „von zart bis hart“
Die Autorin Rita Bittner ist auf BookRix als „Mondkatz“ bekannt. Sie hat nun 13 ihrer Kurzgeschichten zu einem Sammelband namens „Das Dunkle“ vereint. Thematisch dreht sich dieser um die Konfrontation mit dem Bösen, weshalb er unter Stichworten wie „Horror“ und „Grusel“ läuft. Ich habe ihn mir also einmal zu Gemüte geführt.
Das Buch besteht aus 13 Geschichten zuzüglich eines Vor- und eines Nachwortes. Die einzelnen Texte sind voneinander unabhängig, sodass sie in beliebiger Reihenfolge gelesen werden können. Sie alle sind auf ihre Art ungewöhnlich. In „Nachtschatten“ zum Beispiel macht die Protagonistin Mirjam in einer verlassenen Hütte in Norwegens Süden eine sonderbare Entdeckung. In eine ähnliche Richtung geht „Das verwunschene Haus“. Mein Favorit ist aber eindeutig „Die Wahrsagerin“. Hier begegnen wir Silke, einer erfolgreichen Frau im besten Alter, unabhängig und wohlhabend, aber auch ein wenig überheblich. Eines Tages bekommt sie von ihrer besten Freundin einen Gutschein für eine Sitzung bei der Wahrsagerin Madame Sylvia. Obwohl Silke dies für esoterischen Hokuspokus hält, löst sie das Geschenk doch ein. Dazu muss sie allerdings in ein anderes Viertel ihrer Stadt fahren, wo diejenigen wohnen, die weniger Glück im Leben haben als sie. Der Aufenthalt in dieser Gegend ist ihr sofort unangenehm, noch schlimmer wird es im Hochhaus und dem Appartement der hellsichtigen Dame. Silke kann ihre Abscheu nur mit Mühe verbergen. Nach der Sitzung kehrt sie wieder nach Hause zurück. Doch am nächsten Morgen ist nichts mehr so, wie es bisher gewesen ist. Zwar ist sie immer noch Silke, aber ihr Leben ist ein völlig anderes. Sie muss nun am eigenen Leibe erfahren, wie es ist, vom Schicksal gebeutelt zu sein. „Die Wahrsagerin“ beeindruckt dabei vor allem durch die äußerst gelungene Kombination aus Gruselgeschichte und Gesellschaftskritik, eine nicht ganz alltägliche, erfreulich kreative Mischung. Überhaupt bewegen sich die Texte auf einem angenehmen Niveau und sind frei von den üblichen Klischees aus dem Bereich der Horrorliteratur.
Stilistisch und orthographisch gesehen, ist das Buch weitestgehend in Ordnung. Ein paar Wortwiederholungen hier, sonstige Flüchtigkeitsfehler da, jedoch nichts, was den Lesefluss behindern würde. Im Nachwort entschuldigt sich die Autorin obendrein für die vorhandenen Versehen, was mich zum Schmunzeln gebracht hat.
Für 2,99€ bekommt man 254 BX-Seiten geboten, was ein ausgewogenes Preisleistungsverhältnis ergibt. Die 13 Geschichten sind allesamt flüssig und spannend geschrieben, sodass „Das Dunkle“ ein heißer Tipp für alle diejenigen ist, die dringend Lesestoff zum Gruseln suchen, dabei aber auch nicht unterfordert werden wollen. Die thematische Vielfalt der Texte spricht ebenfalls für das Buch. Man kann hier also kaum etwas falsch machen.
ISBN: 978-3-7309-0868-6
Rezension zu „Aufgesogen!“ von Johannes Peter
„Satire für Herz und Geist“
Heute wird es im Blog mal wieder heiter: „Aufgesogen!“ heißt nämlich eine Sammlung satirischer Texte des Schweizer Autors Johannes Peter, die alle im letzten Jahr entstanden sind und nun gemeinsam in einem Band bestaunt werden können. Da sie „für Herz und Geist“ gedacht sind, habe ich sie mir gleich mal angeschaut.
Das Buch enthält neun Kurzgeschichten plus ein Vorwort. Diese sind sowohl in Aufbau wie auch Ausrichtung recht unterschiedlich. Besonders gefallen hat mir „Alter Vampir“, das die Zahnprobleme eines greisen Blutsaugers schildert. Glücklicherweise kann ihm ein Zahntechniker eine passende Brücke anfertigen. In eine ganz andere, eher kritische Richtung geht der Text „Ich bin frei!“. Dieser behandelt die Thematik des Schwimmens mit dem Strom und die damit verbundene Illusion von Freiheit, denn letztere geht ja verloren, sobald man im Strom abtaucht. Der Autor hat diesen Widerspruch wunderbar umgesetzt. Ebenso gelungen, wie auch mit ähnlicher Aussage gibt sich „Drei Mal Rosie“ zum Schönheitswahn.
Die Ausarbeitung der Texte ist sehr gut. Es gibt außer vereinzelten Flüchtigkeitsfehlern nichts auszusetzen. Die thematische Variation der Sammlung ist zufriedenstellend. Dazu gesellen sich noch ein paar Fotos, die zu den Geschichten passen. Gelegentlich blitzt die Schweizer Mundart ein wenig zwischen dem gepflegten Schriftdeutsch hervor, was sehr sympathisch wirkt. Ein bisschen mehr davon hätte mir gefallen.
Für den Download werden 2,49€ veranschlagt. Dafür erhält man 64 BookRix-Seiten mit geistreichen Geschichten, die sowohl heiter wie auch nachdenklich stimmen. Für Leser, die nach anspruchsvollem Humor suchen, ist dieser Sammelband auf jeden Fall einen Blick wert.
ISBN: 978-3-7309-0821-1
Rezension zu „Mörderische Geschichten“ von Petra Ewering
„Kurzkrimis skurril und spannend!“
Die Autorin Petra Ewering ist auf BookRix keine Unbekannte. Zahlreiche Bücher hat sie bereits unter ihrem Nutzernamen „Szirra“ verfasst und hochgeladen. Nun ist ein Sammelband aus ihrer Feder erschienen, der den Titel „Mörderische Geschichten“ trägt und insgesamt 15 Kurzkrimis enthält.
Die Autorin stellt hier ihre Vielseitigkeit unter Beweis. Manche Episode ist recht bedrückend, so etwa „Denen einen Stunde fehlt“, dann wieder erheitert ein geschildertes Delikt beim Lesen und sorgt für vergnügtes Schmunzeln. So geht es bei „Der Höschendieb“ tatsächlich um ein entwendetes Kleidungsstück, das Jahre später zu Zerwürfnissen führt. Mal erleben wir die Geschehnisse aus der Sicht des Täters, dann wieder aus der des Opfers, oder wir werden Zeuge eines Verbrechens. Manchmal steht die eigentliche Straftat auch gar nicht im Mittelpunkt, sondern bildet lediglich den Rahmen für die Handlung, die sich dann in eine ganz andere Richtung entwickelt. Für Abwechslung ist also gesorgt. Ziemlich makaber und deshalb auch mein Favorit ist „Tödliche Buchstaben“. Darin verabreden sich zwei Eheleute in einem Londoner Hotel. Sie müssen berufsbedingt zu unterschiedlichen Zeiten in die britische Hauptstadt fliegen. Der Mann, als erster am Zielort, schickt seiner Gattin eine Mail. Doch leider wird diese durch eigenartige Umstände fehlgeleitet und das hat bei der neuen Empfängerin ganz fatale Auswirkungen. Ebenso gelungen, aber wesentlich mysteriöser gibt sich „Die weiße Frau“, auf jeden Fall ein Lesetipp.
Die Wortwahl ist durchweg einfalls- und variantenreich. Bei Rechtschreibung und Grammatik haben sich ein paar Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen. In der stets reichlich vorhandenen Spannung gehen diese jedoch unter und stören daher nicht sonderlich. Am meisten überzeugen die Geschichten durch ihre Handlung. Die Plots sind originell und kurzweilig konzipiert. Sie wirken frisch und kess, aber niemals altbacken. Petra Ewering hat den Dreh raus, wie eine erfolgreiche Mischung aus Krimi und heiterem bis makaberem Humor herzustellen ist.
Bei 122 Seiten im BookRix-Format ist ein Preis von 2,99€ für den Download durchaus angemessen. Als Sammlung eigenständiger Kurzgeschichten bietet sich das Buch geradezu an, wenn man unterhaltsamen, spannenden Lesespaß sucht. Es ist daher und vor allem auch wegen der erfreulichen thematischen und konzeptionellen Vielfalt der einzelnen Texte nicht nur für Krimi-Fans interessant, sondern spricht ein breites Publikum an. Das sei ihm gegönnt!
ISBN: 978-3-7309-0775-7
Rezension zu „Geschichten aus dem Meer“ von Rüdiger Kaufmann
„Von Kindern für Kinder“
Der Autor Rüdiger Kaufmann ist vor ungefähr einem Jahr unserer Bookunity beigetreten. Nun hat er ein neues Kinderbuch namens „Geschichten aus dem Meer“ geschrieben, das aber nicht einfach nur zum Selbstzweck gedacht ist, denn der Erlös aus dem Verkauf soll der Sendung „Hörer helfen Kindern“ von FFN gespendet werden, um deren Projekte zu unterstützen.
Das Buch enthält insgesamt fünf kurze Texte, sowie eine Reihe von Kinderzeichnungen, die von Rüdiger Kaufmanns sechsjährigem Sohn gemalt worden sind. Die ersten drei Geschichten handeln von Hugo und Lotta, einem Zwillingspärchen von Fischkindern, die eine Reihe von Abenteuern bestehen. So helfen sie beispielsweise einem kleinen Walbaby, seine Mutter wiederzufinden. Der vierte Text dreht sich um eine besondere Spinne, die einem Mädchen aus Dankbarkeit drei Wünsche erfüllt. Der fünfte schließlich spielt an Weihnachten. Ein kleiner Junge nimmt einen Elfen bei sich auf, der glaubt, durch ein Versehen die Geschenkmaschine des Weihnachtsmannes außer Funktion gesetzt zu haben. Das verspricht gute Unterhaltung!
Da es sich hierbei ausgewiesenermaßen um ein Kinderbuch handelt, darf man natürlich keine stilistischen Wunderdinge erwarten. Auch vampirverliebte Teenager sind hier an der falschen Adresse. Stattdessen finden sich sympathische Texte, die sich gut zum Vorlesen für kleine Kinder im Vorschulalter eignen. Dann und wann ist die Zeichensetzung nicht ganz korrekt und bei „Die Wunschspinne“ wird kurioserweise die Figur „Susanne“ im Laufe der Geschichte vorübergehend in „Sabine“ umgetauft. Die netten Kinderzeichnungen, die die Titelhelden der Geschichten zeigen, runden das Buch liebevoll ab.
Vor allem für Eltern, die Stoff zum Vorlesen suchen, sind die „Geschichten aus dem Meer“ ein lohnender Tipp. Dass man durch den Kauf für 1,99€ einen guten Zweck unterstützt, macht diesen Sammelband noch wertvoller.
Rezension zu „Ikea – Wie es wirklich war!?“ von Alfred Franz Dworak
Möbelhäuser und Erinnerungen
Der Sammelband „Ikea – Wie es wirklich war!?“ aus der Feder von Alfred Franz Dworak – Nutzername alfred.dworak – enthält neun Kurzgeschichten verschiedener Genres, weshalb sich das Buch recht abwechslungsreich präsentiert. Dieser Umstand hat mit dazu beigetragen, dass es sich jetzt in diesem Blog befindet und vorgestellt wird.
Die titelgebende Satire über das schwedische Möbelhaus ist knapp und originell geschrieben. Noch erheiternder gibt sich die folgende Geschichte „Ikea-Dreaming“, die sich thematisch an den ersten Text anfügt. Sie beschreibt einen Besuch in einer der Filialen durch einen Gast, der sonst eher gediegenere Läden bevorzugt, sich nun aber ans Eingemachte wagt und die diversen Abteilungen des Ikea-Marktes besichtigt. In den dort wallenden Menschenmassen kommt es allerdings zu einer folgenschweren Kollision, die den Besuch zu einer unvergesslichen Angelegenheit werden lässt.
Etwas ernster werden die Geschichten im hinteren Teil des Buches. So beinhaltet beispielsweise „Die Pfingstrose“ eine sentimentale Reise eines Protagonisten in den Garten seiner verstorbenen Großmutter, wo ihn die Erinnerungen an seine Herkunft übermannen.
Am besten gefallen hat mir aber „Kais Dienstreise“. Hier geht es ebenfalls um die tatsächliche Herkunft von Biggi, die eine eineiige Zwillingsschwester hat, aber getrennt von dieser bei Adoptiveltern aufgewachsen ist. Obwohl sie sich dieser Tatsache lange nicht bewusst gewesen ist, hat ihr Unterbewusstsein sie auf subtilem Wege daran erinnert, indem es ihr vorgegaukelt hat, ihr eigenes Spiegelbild würde sich bewegen, und zwar unabhängig von ihren eigenen Bewegungen. Kai, Biggis Mann, versucht in der Folge einer Ehekrise, ihre wahre Familie auszusuchen. Doch seine Reise endet nicht wie vorgesehen.
Man merkt deutlich, dass Alfred Franz Dworak sein Handwerk versteht. Die Texte sind stilistisch gelungen und erzeugen je nach Genre mal fröhliche Heiterkeit oder machen betroffen. Die Vielseitigkeit, mit der der Autor hier aufwartet, beeindruckt und überzeugt. Flüchtigkeitsfehler finden sich nur ganz selten. Ansonsten kann man sich hier an gepflegter Sprachkultur erfreuen.
Das gesamte Buch ist zum Preis von 1,49 € herunterladbar, was ich angesichts der exzellenten Ausarbeitung für absolut gerechtfertigt halte.
ISBN: 978-3-95500-052-3
Rezension zu „Kurzweil“ von Edith Müller
„Liebe, Hass, Mord und Fehleinschätzungen aller Art“
„Kurzweil“ heißt eine Sammlung von Kurzgeschichten aus der Feder von Edith Müller, die sich auf BookRix „bedolina“ nennt. Ihre Texte hat sie in einem kaufbaren eBook zusammengefasst.
„Kurzweil“ enthält insgesamt 13 Geschichten, die sich laut Autorin um „Liebe, Hass und Mord“, sowie „Fehleinschätzungen aller Art“ drehen. Die ersten beiden, die auch in der Leseprobe enthalten sind, nennen sich „Michelle“ und „Nadelspitzen“ und haben es schon gewaltig in sich.
Bei „Michelle“ geht es um den Tod eines Babys und den Verlust eines Lebens. Das kleine Töchterchen eines namenlosen Protagonisten hört plötzlich auf zu atmen. Er versucht verzweifelt, den Säugling wiederzubeleben, doch dies schlägt fehl. Er wird verdächtigt, das Kind getötet zu haben. Zwar kann vor Gericht geklärt werden, dass er kein Mörder ist, doch seine Frau hat ihn da bereits verlassen. Sein gesamtes Leben ist aus den Fugen geraten, ein Umstand, den er nicht ertragen kann.
„Nadelspitzen“ berichtet sehr eindringlich, wie eine Mutter, Grit, das Vertrauen in ihren Sohn verliert. Nachdem sie zufällig Spritzen in einer Schublade seines Schreibtisches vorfindet, ist sie zunächst entsetzt. Ihre Emotionen schlagen dann in Wut um; sie betrauert den Verlust, den sie hat erdulden müssen, um ihren Sohn großzuziehen. Einst war sie eine Konzertpianistin, doch die Musik hat sie aufgegeben, um mehr Zeit für ihn zu haben. Ihre Wut führt schließlich zur Katastrophe, die sie in der Geschichte einer Psychiaterin erzählt.
Edith Müller verfügt über einen guten Schreibstil. Die Texte wirken ausgearbeitet und solide. Dann und wann stolpert man zwar über einen Flüchtigkeitsfehler, aber den Gesamteindruck kann dies nicht trüben. Zu mitreißend, zu einfühlsam werden hier Schicksale geschildert, die unter die Haut gehen. Die Darstellung der Figuren ist jedes Mal eindrucksvoll und nachvollziehbar, sodass man sich gut in ihre Lage hineinversetzen kann.
„Kurzweil“ kostet 1,49€ und ist damit erstaunlich billig für ein eBook mit mehr als hundert Seiten, denn neben „Michelle“ und „Nadelspitzen“ warten ja noch elf weitere Geschichten darauf, bestaunt zu werden. Die literarische Qualität überzeugt und somit ist dieser Sammelband sein Geld mehr als wert.
ISBN: 978-3-86479-538-1
16 Länder sollt ihr sein – ein EM Spiel
Fußball ist unser Leben…
Der “König Fußball” ist derzeit durch die Europameisterschaft ja in aller Munde und auch heute Abend werden viele von euch sicher wieder mit der deutschen Nationalmannschaft mitfiebern. Passend dazu gibt es in unserer Kurzgeschichten-Gruppe derzeit einen spaßigen Wettbewerb mit dem Namen “16 Länder sollt ihr sein – ein EM-Spiel”. 16 User haben sich angemeldet, um am Spiel teilzunehmen und jedem von ihnen wurde ein Land zugelost. Fällt eine Mannschaft aus der EM heraus, muss sein BookRix-Pate „zur Strafe“ eine Geschichte schreiben, die etwas mit seinem Land zu tun hat. Wir im BookRix-Büro starten eine große La-Ola-Welle und einen lauten Fangesang und bedanken uns auf diese Art und Weise für diese tolle Idee und die Umsetzung auf BookRix. Ihr seid die Besten
Und hier seht ihr die Länder, die an der EM teilnehmen sowie den jeweiligen Paten.
Gruppe A:
Polen – gittarina
Griechenland – darkandcheesy
Russland – katerlisator
Tschechien – philhumor
Gruppe B:
Niederlande – susymah
Dänemark – philochen
Deutschland – vielleser9
Portugal – laemmchen
Gruppe C:
Spanien – monirapunzel
Italien – achtsamkeit
Irland – rudi.ratlos
Kroatien – gamefreak
Gruppe D:
Ukraine – toll.er
Schweden – gaschu
Frankreich – moonlook
England – melpomene
Rezension zu „Glashausmenschen“ von Eva Russ
Phantastische Geschichten
Mal wieder wird es Zeit, in dieser Rezensionsreihe ein kaufbares eBook vorzustellen. Dieses heißt „Glashausmenschen“ und stammt aus der Feder von Eva Russ, Benutzername eva.haring.kappel. Da der Klappentext „Spannung und schräge Unterhaltung“ verspricht, bin ich neugierig geworden und habe mal reingeschaut.
Das Buch beinhaltet insgesamt zehn Kurzgeschichten. Von der ersten hat es seinen Titel bekommen. Hier wird eine höchst merkwürdige Begebenheit geschildert. In einem kleinen Ort entsteht auf einer Wiese ein Haus, das ganz und gar aus Glas besteht und daher durchsichtig ist. Gleich nach seiner Fertigstellung erscheinen auch seine Bewohner. Ein Ehepaar zieht ein, das seinen Nachbarn alsbald ein atemberaubendes Schauspiel liefert. Der Mann schlägt nämlich regelmäßig die Frau. Manchmal greift er sogar nach Hilfsmitteln, um ihre Qualen noch zu vergrößern. Draußen bilden sich derweil große Menschenaufläufe, die still und gebannt die Ereignisse beobachten. Findige Unternehmer entdecken die Möglichkeiten dieses Glashauses. Der Platz davor wird sogar überdacht, damit keine Regentropfen dich Sicht trüben können.
Schließlich kommt das grausige Ende. Eines Tages stirbt die Frau durch die Schläge des Mannes, der dann kurz darauf selbst den Tod findet. Wie dies geschieht, möchte ich aber nicht vorwegnehmen.
„Glashausmenschen“ ist eine Geschichte, die im wahrsten Sinne des Wortes hinter die Fassaden blicken lässt. Hier wird in einer knallharten Art und Weise vorgeführt, welche Abgründe sich in unserer scheinbar so modernen und zivilisierten Gesellschaft immer noch auftun. Die Gier nach der Sensation ist hier ebenso im Fokus wie auch mangelnde Hilfsbereitschaft. Und am Ende zeigt sich dann das ganze Ausmaß der Verlogenheit, das solche Geschehnisse überhaupt möglich macht. „Glashausmenschen“ rüttelt wach, ohne dass die darin verborgene Botschaft explizit ausformuliert wird.
Etwas origineller gibt sich die Geschichte „Zornröschen“, die eine moderne Form des bekannten Märchens darstellt. Es geht um Rosa Zorn, Tochter eines Textilfabrikanten, die an ihrem ersten Geburtstag von einer bösen Näherin verflucht wird. Die Geschehnisse aus „Dornröschen“ werden hier auf amüsante Weise in die Gegenwart und ihre Gegebenheiten verpflanzt, was einen sehr heiteren Text ergibt.
Dies sind zwei Kurzgeschichten der Sammlung, die insgesamt gut ausgearbeitet ist. Sprachlicher Ausdruck, Handlung und Aussage sind stets stimmig und kreativ ausgefallen. Nur selten findet sich mal ein Flüchtigkeitsfehler, der aber den positiven Eindruck nicht trügen kann. „Glashausmenschen“ gibt sich abwechslungsreich und gehaltvoll, vermeidet dabei ausgetretene Pfade. Die Sammlung ist also in jedem Fall empfehlenswert. Der Preis von 2,99 € ist daher keinesfalls unangebracht.
ISBN: 978-3-86479-703-3




