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Marketing ist nicht gleich Marketing.

Das musste John Asht lernen, als er sich der Blogger-Gemeinde entgegenstellte. Myriel vom Blog „Bücherzeit“ rezensiert schon eine ganze Weile jedes Buch, das sie liest und hat somit viele Leser und Freunde in der Blogger-Szene gesammelt. Als sie das Buch von John Asht in ihrem Blog bespricht und zugibt, dass sie aufgrund des (für sie schlechten) Schreibstils nur ca. 90 Seiten lesen konnte, ist der Autor empört: Er droht mit einer Klage, da die Bloggerin angeblich gegen Bezahlung sein Werk zerrissen habe.
Die 23-Jährige ist sich keiner Schuld bewusst – So sehen das auch die anderen Blogger, die zu ihrer „Kollegin“ halten. Während der Autor weiterhin beanstandet, dass Myriel keine Literaturkritikerin ist, geht ein Aufschrei durch die Literaturszene:
Wer, wenn nicht der „Otto-Normal-Leser“ soll John Ashts Buch lesen? Myriel selbst fasst sich keineswegs als DIE Literaturkritikerin schlechthin auf. Im Gegenteil: Sie hat sich einfach nur zur Aufgabe gemacht, jedes gelesene Buch zu rezensieren – Auch die weniger Guten.
Dass ein Autor wenig begeistert ist, wenn sein Werk nicht überall in den Himmel gelobt wird, ist verständlich.  Doch die Drohung mit dem Anwalt ist eine nicht übliche Reaktion. Vielleicht war diese Provokation auch nur eine gezielte Marketing-Strategie des Autors, was wohl gewaltig daneben ging. Unter Myriels Blogbeitrag finden sich viele Kommentatoren ein, die meinten, sie hätten trotz oder gerade wegen Myriels schlechter Rezension das Buch gekauft, um sich eine eigene Meinung bilden zu können, die Reaktion des Autors habe ihn und seine Werke aber auf die „Auf-keinen-Fall-kaufen“-Liste befördert.
Der Autor unterschätzte offensichtlich die „Macht des Lesers“. In der Zeit des Internets kann nun einmal jeder seine Meinung offen kundtun – Blogs, Foren, Homepages und Communities geben hierfür genug Raum. Auch wenn somit quasi ein Informations-Tsunami entsteht, sollte die Macht des Einzelnen nicht unterschätzt werden. Blogger verknüpfen sich untereinander, tauschen sich aus und unterstützen sich gegenseitig. Kein Wunder also, dass John Ashts Verhalten nun in vielen Blogs zerrissen wird (Was er im Übrigen als eine “Rezensenten-Mafia für geistig Arme” empfindet). Der heutige Leser ist ein mündiger Leser, der seine Meinung klar äußert und ins Netz stellt, damit jeder, der will, sie lesen kann.
Andere Autoren sollten nicht den gleichen Fehler wie John Asht begehen, indem sie sagen, dass diese Leser keine Literaturkritiker seien und somit keine Ahnung hätten – Denn für wen schreibt ein Autor, wenn nicht für den Leser, der sich in Internetforen und auf Blogs herumtreibt?
Ein „Vorteil“ ergab sich für John Asht dank dieser Aktion tatsächlich: Fast jeder kennt nun seinen Namen. Die Nachteile verschweigen wir lieber an dieser Stelle, da unsere Leser schlau genug sind, um sie selber zu finden und wir nicht noch eine Klage am Hals haben wollen ;)