Rezension zum Selfpublishing-eBook „Der Mord ist das Ziel“ von Daniel Hellstern
„Die dunkle Gestalt stand am Heck und hielt die Ruderpinne, die an den Griff einer Sense erinnerte.“
Und wieder wird es kriminell im Blog. Das eBook „Der Mord ist das Ziel“ von Indie-Autor Daniel Hellstern gibt schon mal die Richtung vor. Da ich Krimis mag, bin ich ihr gleich gefolgt und kann sagen, dass hier weit mehr geboten wird als gewöhnlicher Mord und Totschlag.
Der Sammelband umfasst 17 Kurzgeschichten, in denen stets irgendjemand umkommt. Die Frage ist dann immer, wie genau das vor sich geht oder gegangen ist. Die thematische Bandbreite der Texte ist erstaunlich hoch. Mal befindet man sich in einem verwirrenden Agententhriller, mal geht es eher makaber und humoristisch zu.
Mein Favorit ist „Gnadenlos rosarot“. Der schon etwas betagte Privatdetektiv Gladstone wird eines schönen Tages von der attraktiven Vivian angeheuert, die Affären ihres Ehegatten Mirco aufzudecken. Dieser gibt Esoterikseminare und so kommt Gladstone auf die Idee, selbst an einem solchen teilzunehmen. Doch während des Kurses geschieht das Unfassbare: Der Detektiv macht die Bekanntschaft einer Toten. Zuerst erscheint sie ihm nur im Geiste, aber wenig später stellt sie ihn auf der Toilette zur Rede. Sie will ihn nämlich ebenfalls anheuern, damit er ihre Mörderin dingfest machen kann. Es entwickeln sich ganz amüsante Unterhaltung zwischen den beiden und am Ende wird der Mord auch aufgeklärt, nur nicht so, wie es die Tote eigentlich gewollt hat. Der schwarze Humor, der in dieser Geschichte steckt, ist schwer zu überbieten.
„Rache aus dem Jenseits“ geht in eine ähnliche Richtung, nur dass es hier keinen Detektiv gibt. Stattdessen muss der Leser selbst einspringen. Mehr möchte ich jetzt aber nicht verraten!
Der Schreibstil der Geschichten wirkt eigenständig, satirisch und frech einerseits, zum Anderen aber ebenso präzise und ausgefeilt. Der Autor hat offenkundig ein ausgeprägtes Talent für kesse Sprüche. Immer wieder stößt man auch auf völlig ungewöhnliche Formulierungen, die deutlich werden lassen, wie schöpferisch man mit Sprache umgehen kann. Was Rechtschreibung und Grammatik angeht, ist außer sporadischen Flüchtigkeitsversehen alles in Ordnung.
Mit einem Preis von 4,99€ ist das vollständige eBook wirklich ein Schnäppchen. Wo sonst bekommt man 17 so unterschiedliche Geschichten, die sich auf solch einem hohen sprachlichen Niveau bewegen? Das Buch verspricht abwechslungsreichen Lesespaß der besonderen Art, mal gruselig, mal skurril. Was will man mehr? Und für die Liebhaber schwarzen Humors ist es das Sahnhäubchen!
Rezension zu „Hinter Türen“ von Anja Ollmert
Ein Blick hinter verschlossene Türen
Die Autorin Anja Ollmert alias „webmaus“ ist schon eine geraume Weile auf BookRix angemeldet und hat uns bereits mit einigen interessanten Geschichten verwöhnt. Nun hat sie unter dem Titel „Hinter Türen“ einen Sammelband erstellt, der schließlich auch den Weg in diese Rezensionsreihe gefunden hat.
Das Werk enthält insgesamt 23 Kurzgeschichten, wovon eine als „Bonus“ ausgewiesen ist. Die einzelnen Texte sind allesamt recht aussagekräftig und stimmen oft sehr nachdenklich, da sie oftmals menschliche Tragödien beschreiben und auch eine gewisse sozialkritische Note an sich haben. Eine explizite thematische Festlegung gibt es allerdings nicht, wodurch das Buch abwechslungsreich ausfällt. Mal steht eine Person im Mittelpunkt, mal eine Beziehung, die sich durch einen wichtigen Umstand verändert, wobei es sich bisweilen um ein Mordkomplott handeln kann. Besonders hervorheben möchte ich „Moona“ und „Rosemaries Flucht“. „Moona“ schildert das Leid einer jugendlichen Heimbewohnerin, die ihre Eltern in einer Vollmondnacht durch einen Verkehrsunfall verloren hat. Nun fürchtet sie sich vor dem Vollmond und empfindet jedes Mal quälende Angst, wenn er erneut am Firmament erscheint. Stets zieht sie sich dann in ihre Gedankenwelt zurück. Was sie jedoch nicht weiß, ist, dass es nicht der Mond ist, vor dem sie sich fürchten sollte. „Rosemaries Flucht“ behandelt das Thema Armut. Wir lernen eine Protagonistin kennen, in deren Budget jeder Euro fest verplant ist. Sie kann sich nur eine ziemlich einseitige Ernährung leisten. Durch die immer gleichen Rituale ist ihr Dasein trostlos geworden und teilweise sogar zu zwanghaften Handlungsabläufen erstarrt, aus denen sie nicht mehr ausbrechen kann. Erst als etwas geschieht, das ihre Existenz bedroht, kann sie fliehen. Auch die übrigen Texte wissen zu gefallen.
Die Geschichten sind zumeist sehr gut ausgearbeitet. Es kommt zwar ab und an zu Flüchtigkeitsversehen, aber im Großen und Ganzen sind sie erfreulich arm an Fehlern. Auch stilistisch gibt es so gut wie nichts auszusetzen. Anja Ollmert schreibt äußerst flüssig und stimmungsvoll.
Der Preis von 3,99€ für das komplette Buch ist angesichts des qualitativ sehr guten Inhalts und der soliden Ausarbeitung angemessen. Dafür bekommt man eine Sammlung mitreißender Kurzgeschichten, die einen auch noch lange nach dem Lesen beschäftigen. Wer also anspruchsvolle Lektüre mag, ist hier an der richtigen Adresse.
„Lieber schlaflos leben, als schlafend sterben!“
„Lieber schlaflos leben, als schlafend sterben!“
Heute wird es im Blog mal wieder etwas düsterer, denn das Buch „Verloren“ von Jo W. Gärtner steht nun im Fokus. Es befindet sich seit ein paar Tagen in der offiziellen Empfehlungsliste von BookRix, was nicht zu unrecht der Fall ist, denn es hat wirklich was zu bieten.
„Verloren“ enthält sechs kurze Prosatexte, die sich alle mit dem gleichen Thema befassen, nämlich der Ausweglosigkeit, der Gewissheit, nicht mehr entrinnen zu können. Leichte Kost ist gewiss keine von ihnen. Immer geht es um eine Form des Leides, das die jeweilige Hauptfigur erdulden muss. Die Versuche, daraus zu entrinnen, scheitern meist kläglich.
Am ausdrucksstärksten ist dabei „Sie wollen mir Flügel geben“. Bei dieser Episode erschließt sich der Bezug des Titels zum Inhalt erst ganz am Schluss. Dann allerdings erkennt man die verstörende Wahrheit hinter dem Text, die betroffen macht. Dennoch ist „Auflösen“ mein Favorit. Hier wird nämlich sehr eindrucksvoll in einer Metapher abstrahiert, was der Protagonist empfindet. Er denkt, er wäre ein „Nichts“, ein völlig unwichtiges Individuum, worauf er dann der Meinung ist, er würde sich tatsächlich in Luft auflösen und niemand könnte ihn mehr sehen.
Tatsächlich haben aber alle sechs Episoden eine sehr tiefsinnige Aussage, die auf verblüffend bildhafte und sehr eindringliche Weise dargestellt wird und dadurch erschreckend nahegeht. Oberflächlichkeit ist in „Verloren“ ein Fremdwort. Einerseits werden hier zwischenmenschliche Probleme durchleuchtet und Verhaltensweisen und Dogmen hinterfragt, andererseits finden diese Betrachtungen auf eine literarisch und philosophisch anspruchsvolle Weise statt, die den Geschichten jedoch nichts von ihrer Spannung und Dramatik nimmt.
Stilistisch gibt es bis auf ganz vereinzelte Wortwiederholungen überhaupt nichts auszusetzen. Die Texte verfügen über einen sehr vielseitigen und gepflegten Ausdruck, der generell unverbraucht wirkt, häufig sogar erfrischend kreativ. Auch Orthographie und Grammatik sind fehlerfrei.
„Verloren“ ist für 0,99 € zu haben, meiner Meinung nach viel zu günstig, denn es bietet aussagekräftige Texte, knisternde Spannung und hochwertiges Schreibhandwerk. Für die schnelle Lektüre zwischendurch ist das Buch sicher nicht geeignet, da es zu nachdenklich stimmt und in Ruhe nachklingen möchte. Es ist anspruchsvolle Literatur, die Aufmerksamkeit verdient hat.
Rezension zu „Das Dunkle“ von Rita Bittner
Kurzgeschichten „von zart bis hart“
Die Autorin Rita Bittner ist auf BookRix als „Mondkatz“ bekannt. Sie hat nun 13 ihrer Kurzgeschichten zu einem Sammelband namens „Das Dunkle“ vereint. Thematisch dreht sich dieser um die Konfrontation mit dem Bösen, weshalb er unter Stichworten wie „Horror“ und „Grusel“ läuft. Ich habe ihn mir also einmal zu Gemüte geführt.
Das Buch besteht aus 13 Geschichten zuzüglich eines Vor- und eines Nachwortes. Die einzelnen Texte sind voneinander unabhängig, sodass sie in beliebiger Reihenfolge gelesen werden können. Sie alle sind auf ihre Art ungewöhnlich. In „Nachtschatten“ zum Beispiel macht die Protagonistin Mirjam in einer verlassenen Hütte in Norwegens Süden eine sonderbare Entdeckung. In eine ähnliche Richtung geht „Das verwunschene Haus“. Mein Favorit ist aber eindeutig „Die Wahrsagerin“. Hier begegnen wir Silke, einer erfolgreichen Frau im besten Alter, unabhängig und wohlhabend, aber auch ein wenig überheblich. Eines Tages bekommt sie von ihrer besten Freundin einen Gutschein für eine Sitzung bei der Wahrsagerin Madame Sylvia. Obwohl Silke dies für esoterischen Hokuspokus hält, löst sie das Geschenk doch ein. Dazu muss sie allerdings in ein anderes Viertel ihrer Stadt fahren, wo diejenigen wohnen, die weniger Glück im Leben haben als sie. Der Aufenthalt in dieser Gegend ist ihr sofort unangenehm, noch schlimmer wird es im Hochhaus und dem Appartement der hellsichtigen Dame. Silke kann ihre Abscheu nur mit Mühe verbergen. Nach der Sitzung kehrt sie wieder nach Hause zurück. Doch am nächsten Morgen ist nichts mehr so, wie es bisher gewesen ist. Zwar ist sie immer noch Silke, aber ihr Leben ist ein völlig anderes. Sie muss nun am eigenen Leibe erfahren, wie es ist, vom Schicksal gebeutelt zu sein. „Die Wahrsagerin“ beeindruckt dabei vor allem durch die äußerst gelungene Kombination aus Gruselgeschichte und Gesellschaftskritik, eine nicht ganz alltägliche, erfreulich kreative Mischung. Überhaupt bewegen sich die Texte auf einem angenehmen Niveau und sind frei von den üblichen Klischees aus dem Bereich der Horrorliteratur.
Stilistisch und orthographisch gesehen, ist das Buch weitestgehend in Ordnung. Ein paar Wortwiederholungen hier, sonstige Flüchtigkeitsfehler da, jedoch nichts, was den Lesefluss behindern würde. Im Nachwort entschuldigt sich die Autorin obendrein für die vorhandenen Versehen, was mich zum Schmunzeln gebracht hat.
Für 2,99€ bekommt man 254 BX-Seiten geboten, was ein ausgewogenes Preisleistungsverhältnis ergibt. Die 13 Geschichten sind allesamt flüssig und spannend geschrieben, sodass „Das Dunkle“ ein heißer Tipp für alle diejenigen ist, die dringend Lesestoff zum Gruseln suchen, dabei aber auch nicht unterfordert werden wollen. Die thematische Vielfalt der Texte spricht ebenfalls für das Buch. Man kann hier also kaum etwas falsch machen.
ISBN: 978-3-7309-0868-6
Rezension zu „Aufgesogen!“ von Johannes Peter
„Satire für Herz und Geist“
Heute wird es im Blog mal wieder heiter: „Aufgesogen!“ heißt nämlich eine Sammlung satirischer Texte des Schweizer Autors Johannes Peter, die alle im letzten Jahr entstanden sind und nun gemeinsam in einem Band bestaunt werden können. Da sie „für Herz und Geist“ gedacht sind, habe ich sie mir gleich mal angeschaut.
Das Buch enthält neun Kurzgeschichten plus ein Vorwort. Diese sind sowohl in Aufbau wie auch Ausrichtung recht unterschiedlich. Besonders gefallen hat mir „Alter Vampir“, das die Zahnprobleme eines greisen Blutsaugers schildert. Glücklicherweise kann ihm ein Zahntechniker eine passende Brücke anfertigen. In eine ganz andere, eher kritische Richtung geht der Text „Ich bin frei!“. Dieser behandelt die Thematik des Schwimmens mit dem Strom und die damit verbundene Illusion von Freiheit, denn letztere geht ja verloren, sobald man im Strom abtaucht. Der Autor hat diesen Widerspruch wunderbar umgesetzt. Ebenso gelungen, wie auch mit ähnlicher Aussage gibt sich „Drei Mal Rosie“ zum Schönheitswahn.
Die Ausarbeitung der Texte ist sehr gut. Es gibt außer vereinzelten Flüchtigkeitsfehlern nichts auszusetzen. Die thematische Variation der Sammlung ist zufriedenstellend. Dazu gesellen sich noch ein paar Fotos, die zu den Geschichten passen. Gelegentlich blitzt die Schweizer Mundart ein wenig zwischen dem gepflegten Schriftdeutsch hervor, was sehr sympathisch wirkt. Ein bisschen mehr davon hätte mir gefallen.
Für den Download werden 2,49€ veranschlagt. Dafür erhält man 64 BookRix-Seiten mit geistreichen Geschichten, die sowohl heiter wie auch nachdenklich stimmen. Für Leser, die nach anspruchsvollem Humor suchen, ist dieser Sammelband auf jeden Fall einen Blick wert.
ISBN: 978-3-7309-0821-1
Rezension zu „Mörderische Geschichten“ von Petra Ewering
„Kurzkrimis skurril und spannend!“
Die Autorin Petra Ewering ist auf BookRix keine Unbekannte. Zahlreiche Bücher hat sie bereits unter ihrem Nutzernamen „Szirra“ verfasst und hochgeladen. Nun ist ein Sammelband aus ihrer Feder erschienen, der den Titel „Mörderische Geschichten“ trägt und insgesamt 15 Kurzkrimis enthält.
Die Autorin stellt hier ihre Vielseitigkeit unter Beweis. Manche Episode ist recht bedrückend, so etwa „Denen einen Stunde fehlt“, dann wieder erheitert ein geschildertes Delikt beim Lesen und sorgt für vergnügtes Schmunzeln. So geht es bei „Der Höschendieb“ tatsächlich um ein entwendetes Kleidungsstück, das Jahre später zu Zerwürfnissen führt. Mal erleben wir die Geschehnisse aus der Sicht des Täters, dann wieder aus der des Opfers, oder wir werden Zeuge eines Verbrechens. Manchmal steht die eigentliche Straftat auch gar nicht im Mittelpunkt, sondern bildet lediglich den Rahmen für die Handlung, die sich dann in eine ganz andere Richtung entwickelt. Für Abwechslung ist also gesorgt. Ziemlich makaber und deshalb auch mein Favorit ist „Tödliche Buchstaben“. Darin verabreden sich zwei Eheleute in einem Londoner Hotel. Sie müssen berufsbedingt zu unterschiedlichen Zeiten in die britische Hauptstadt fliegen. Der Mann, als erster am Zielort, schickt seiner Gattin eine Mail. Doch leider wird diese durch eigenartige Umstände fehlgeleitet und das hat bei der neuen Empfängerin ganz fatale Auswirkungen. Ebenso gelungen, aber wesentlich mysteriöser gibt sich „Die weiße Frau“, auf jeden Fall ein Lesetipp.
Die Wortwahl ist durchweg einfalls- und variantenreich. Bei Rechtschreibung und Grammatik haben sich ein paar Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen. In der stets reichlich vorhandenen Spannung gehen diese jedoch unter und stören daher nicht sonderlich. Am meisten überzeugen die Geschichten durch ihre Handlung. Die Plots sind originell und kurzweilig konzipiert. Sie wirken frisch und kess, aber niemals altbacken. Petra Ewering hat den Dreh raus, wie eine erfolgreiche Mischung aus Krimi und heiterem bis makaberem Humor herzustellen ist.
Bei 122 Seiten im BookRix-Format ist ein Preis von 2,99€ für den Download durchaus angemessen. Als Sammlung eigenständiger Kurzgeschichten bietet sich das Buch geradezu an, wenn man unterhaltsamen, spannenden Lesespaß sucht. Es ist daher und vor allem auch wegen der erfreulichen thematischen und konzeptionellen Vielfalt der einzelnen Texte nicht nur für Krimi-Fans interessant, sondern spricht ein breites Publikum an. Das sei ihm gegönnt!
ISBN: 978-3-7309-0775-7
Rezension zu „Herbstgrüße“ von Hartmut Gelhaar
„Tage tröpfeln, Nebel wallen – Aktienkurs und Blätter fallen“
Passend zur Jahreszeit der kürzer werdenden Tage hat der Autor Hartmut Gelhaar – Benutzername „texter“ – mit seinen „Herbstgrüßen“ eine kleine Sammlung aufheiternder Verse zusammengestellt, die ein wenig über die sich allmählich zurückziehende Sonne hinwegtrösten möchten.
Das Buch besteht aus 21 Gedichten, die mal humorvoll, mal ein wenig nachdenklich die Besonderheiten des Herbstes schildern. Beschrieben werde dabei nicht nur buntes Laub und kühles Wetter, sondern oft auch die Herstellung verschiedener saisonaler Speisen und Getränke. Der sprachliche Ausdruck ist solide, die Strophen folgen zumeist einem klaren Versmaß und Reimschema. Dann und wann stößt man jedoch auf die eine oder andere Flexionsendung, die der Autor zur Wahrung des Endreims etwas zurechtgestutzt hat (z.B. „zwischen Apfelblätter“).
Was mir vor allem an den „Herbstgrüßen“ gefällt, ist die Aufmachung des Buches. Die Gedichte werden nämlich stets durch stimmungsvolle Impressionen aus der freien Natur und kleine Zeichnungen aufgelockert. Letztere finden sich ab und an auch mal neben den Fotos. Besonders nett finde ich den Kürbis auf Seite 13.
Zusammen ergeben Gedichte und Bilder einen sehr bunten Eindruck des Herbstes, der die Schönheit dieser Jahreszeit perfekt darstellt. Das Buch ist daher also einen Blick wert.
Rezension zu „Labyrinth des Lebens“ von Uwe Dollichon
„Schweigen und aneinander vorbeireden“
Der Autor Uwe Dollichon – Nutzername „baucis.readers566“ – ist seit September 2012 Mitglied unserer Bookunity und hat zur Begrüßung einen Lyrikbank hochgeladen, der den vielversprechenden Titel „Labyrinth des Lebens“ trägt. Da bin ich neugierig geworden und habe reingeschaut.
Darin finden sich zwölf Gedichte, die verschiedene Themen behandeln. So geht es mal um Kommunikation, dann um die Frage nach der Bedeutung eines Individuums inmitten der Masse, schließlich um die Hingabe zum allgegenwärtigen Automobil.
In „Feigheit“ beschreibt der Autor die Empfindlichkeit von Menschen, die durch die Meinung Anderer über sie an den Rand gedrängt worden sind und dadurch noch hellhöriger auf deren Äußerungen reagieren. „Durch schlechte Sender ein guter Empfänger zu sein“, so lautet eine, wie ich finde, sehr beeindruckende Zeile aus diesem Gedicht. Die „schlechten Sender“ sorgen mit ihren abfälligen Bemerkungen also dafür, dass der „Empfänger“ mehr hört, weil er stets auf der Hut ist. Die Angst, etwas Verletzendes hören zu können, wird daher zum ständigen Begleiter des Empfängers. Der Text bringt dies eindrucksvoll auf den Punkt.
Bei „Persönlichkeitsverlust“ geht es um die – oftmals von der Masse erzwungene – Auflösung des Individuums durch Anpassung.
Stilistisch betrachtet, geben sich die einzelnen Gedichte recht unterschiedlich. In manchen finden sich Formulierungen, die technisch oder wissenschaftlich anmuten. Gelegentlich wirken diese ein wenig hölzern. Aber generell tragen sie zu einer vielseitigen Wortwahl und vor allem einer bunten Metaphorik bei. Starre Metrik oder erdrückenden Reimzwang findet man hier glücklicherweise nicht, auch wenn dann und wann mal ein Reimwortpaar beim Lesen an einem vorbeifliegt. Selten stößt man auf Flüchtigkeitsfehler, im Großen und Ganzen ist die Ausarbeitung der Texte als solide zu bezeichnen.
Etwas zerknirscht bin ich beim Preis. 5,49€ sind für ein eBook mit 22 Seiten ein wenig viel. Zweifellos haben Uwe Dollichons Gedichte eine Botschaft, die es wert ist, gehört – und auch gekauft – zu werden. Allerdings sind die Preise für elektronische Bücher in der Regel niedriger anzusetzen. Fazit: Teuer, aber gut!
ISBN: 978-3-95500-166-7
Rezension zu „Desmeralda“ von Monirapunzel
Fantasy vom Feinsten
Unser Mitglied Monirapunzel ist vor allem als engagierte und gutmütige Moderatorin der Gruppe „Kurzgeschichten“ bekannt. Abgesehen davon schreibt sie selbst auch außergewöhnliche Texte. Ihr erstes kaufbares eBook „Herz verkrampft“ ist schon vor einer ganzen Weile hier im Blog besprochen worden. Jetzt ist ein weiterer Sammelband an der Reihe, und zwar „Desmeralda“, der laut Klappentext „Fantasy-Geschichten mit Tiefgang“ verspricht. Das macht natürlich neugierig.
Auf seinen 48 Seiten beherbergt das Buch sechs Einzeltexte, von denen einer in Gedichtform vorliegt. Die anderen fünf sind Kurzgeschichten. Im Gegensatz zu denjenigen in „Herz verkrampft“, die sich mit Alltagsproblemen auseinandersetzen, betreten diese nun andere, neue Sphären. Es geht um Phantastisches, Mystisches, Geheimnisvolles. Der titelgebende Text „Desmeralda“ ist gleich ein Paukenschlag. Jonas, ein junger Student, berichtet von seiner Begegnung mit einer bezaubernden Fremden auf dem Weihnachtsmarkt. Sofort ist er in ihrem Bann, möchte sie wiedersehen, leidet Qualen, weil er sie nicht mehr finden kann. Doch er wird erlöst, scheinbar zumindest, denn es stellt sich bald heraus, dass Desmeralda kein gewöhnlicher Mensch ist. Jonas gerät in einen Sog aus Hingabe und Abhängigkeit. Schließlich tut er Dinge, die er zuvor nicht für vertretbar gehalten hätte.
Dieser Text verfügt über einen recht gepflegten Stil. Die Wortwahl ist durchdacht und vielseitig, die Beschreibungen lassen die Höhen und Tiefen von Jonas’ Gefühlswelt lebendig werden. Das Näherkommen der beiden Figuren wirkt sehr romantisch. Es findet sich darin aber nichts Kitschiges oder Abgedroschenes. Was die Geschichte jedoch zu etwas Besonderem macht, ist der Schluss. Plötzlich wird aus einer überaus sensiblen Liebesgeschichte eine schonungslos direkte Gesellschaftskritik, die den Umgang mit älteren Menschen anprangert. Wie die Autorin diese literarische Wandlung hinbekommt, möchte ich nicht vorwegnehmen. Das lest bitte selbst.
Anders ist „Der Fluch“. Hier wird auch eine Liebe erwähnt, und zwar die zwischen Wilhelm und Alexandra. Wir erleben dabei zunächst, wie sich Wilhelm einer Kirche nähert. Dabei scheint er jünger zu werden, bis er sein Ziel schließlich erreicht und die Turmuhr sieht, deren Zeiger rückwärts läuft. Im Fenster erblickt er Alexandra, die auf ihn wartet. Was hat das alles zu bedeuten? Wilhelm hat zunächst keine Erklärung dafür. „Der Fluch“ erzeugt eine mystische Atmosphäre, in welcher man die Zuneigung von Wilhelm und Alexandra deutlich wahrnehmen kann. Die Beschreibung ist sehr bildhaft und erregt so die Neugier des Lesers. Man möchte wissen und verstehen, was vor sich geht, und bis man es erfährt, wird man ganz und gar von der Stimmung übermannt. Das Erzähltempo ist hier recht flott, was wunderbar zum Szenario der rückwärts laufenden Uhr und dem sich dadurch rapide verjüngenden Wilhelm passt.
Insgesamt zeichnen sich die Texte in diesem Sammelband durch einen gepflegten, aufmerksam gewählten Ausdruck aus. Stilistische oder orthographische Mängel sind äußerst rar. Thematisch sind die Geschichten vielseitig und ungewöhnlich, bauen stets auf sehr kreative Grundideen auf, die oftmals Reales und Fiktives derart miteinander verbinden, dass die Texte einen tieferen Sinn erhalten und sensible Botschaften übermitteln, die zum Nachdenken anregen. Es wird nicht immer das letzte Rätsel aufgelöst, manches bleibt im Dunkeln oder wird der eigenen Phantasie überlassen, was das Lesevergnügen noch vergrößert. „Desmeralda“ bietet also Gefühl- und Gehaltvolles, weshalb der Preis von 1,49€ für das komplette eBook geradezu niedrig wirkt.
ISBN: 978-3-86479-539-8
Rezension zu „Ikea – Wie es wirklich war!?“ von Alfred Franz Dworak
Möbelhäuser und Erinnerungen
Der Sammelband „Ikea – Wie es wirklich war!?“ aus der Feder von Alfred Franz Dworak – Nutzername alfred.dworak – enthält neun Kurzgeschichten verschiedener Genres, weshalb sich das Buch recht abwechslungsreich präsentiert. Dieser Umstand hat mit dazu beigetragen, dass es sich jetzt in diesem Blog befindet und vorgestellt wird.
Die titelgebende Satire über das schwedische Möbelhaus ist knapp und originell geschrieben. Noch erheiternder gibt sich die folgende Geschichte „Ikea-Dreaming“, die sich thematisch an den ersten Text anfügt. Sie beschreibt einen Besuch in einer der Filialen durch einen Gast, der sonst eher gediegenere Läden bevorzugt, sich nun aber ans Eingemachte wagt und die diversen Abteilungen des Ikea-Marktes besichtigt. In den dort wallenden Menschenmassen kommt es allerdings zu einer folgenschweren Kollision, die den Besuch zu einer unvergesslichen Angelegenheit werden lässt.
Etwas ernster werden die Geschichten im hinteren Teil des Buches. So beinhaltet beispielsweise „Die Pfingstrose“ eine sentimentale Reise eines Protagonisten in den Garten seiner verstorbenen Großmutter, wo ihn die Erinnerungen an seine Herkunft übermannen.
Am besten gefallen hat mir aber „Kais Dienstreise“. Hier geht es ebenfalls um die tatsächliche Herkunft von Biggi, die eine eineiige Zwillingsschwester hat, aber getrennt von dieser bei Adoptiveltern aufgewachsen ist. Obwohl sie sich dieser Tatsache lange nicht bewusst gewesen ist, hat ihr Unterbewusstsein sie auf subtilem Wege daran erinnert, indem es ihr vorgegaukelt hat, ihr eigenes Spiegelbild würde sich bewegen, und zwar unabhängig von ihren eigenen Bewegungen. Kai, Biggis Mann, versucht in der Folge einer Ehekrise, ihre wahre Familie auszusuchen. Doch seine Reise endet nicht wie vorgesehen.
Man merkt deutlich, dass Alfred Franz Dworak sein Handwerk versteht. Die Texte sind stilistisch gelungen und erzeugen je nach Genre mal fröhliche Heiterkeit oder machen betroffen. Die Vielseitigkeit, mit der der Autor hier aufwartet, beeindruckt und überzeugt. Flüchtigkeitsfehler finden sich nur ganz selten. Ansonsten kann man sich hier an gepflegter Sprachkultur erfreuen.
Das gesamte Buch ist zum Preis von 1,49 € herunterladbar, was ich angesichts der exzellenten Ausarbeitung für absolut gerechtfertigt halte.
ISBN: 978-3-95500-052-3




