Verbrechen

Rezension zu „Sie ist weg“ von Anne Reinéry

„Verzeihen ist so schwer“

 

Buchcover Anne Reinéry "Sie ist weg"Die in Frankreich lebende Autorin Anne Reinéry ist auf BookRix als „anneschreibt“ bekannt. Ihren Text „Sie ist weg“ hat sie als Krimi eingestuft. Und so viel kann ich schon vorwegnehmen, spannend wird es auf alle Fälle.

Wir werden Zeuge der Erlebnisse eines unbenannten Protagonisten, der sie in Tagebuchform schildert. Seine Frau Claudia verschwindet spurlos beim Joggen. Auch Tess, der Border Collie ist zunächst unauffindbar, wird aber kurze Zeit später von der Polizei entdeckt, nachdem ihn ein Unbekannter an einem Baum festgemacht hat. Schließlich taucht auch Claudia selbst wieder auf, allerdings als Opfer eines Tötungsdeliktes.

Der Protagonist gerät zunehmend unter Verdacht, als herauskommt, dass es Beziehungsprobleme gegeben hat. Er wird verhaftet, verliert seinen Job und die Kinder möchten lieber bei den Schwiegereltern bleiben. Das Verbrechen wird am Ende aufgeklärt, doch das solltet Ihr selber lesen.

Anne Reinéry verfügt über einen soliden Ausdruck und die Gabe, eine Handlung fesselnd darzustellen. Stilistisch lässt der Text nichts zu wünschen übrig. Das Erzähltempo ist ebenfalls ideal. Man wird also von den Ereignissen geradezu überrollt. Das Ende ist äußerst tragisch, lässt aber genug Raum für eigene Gedanken, die man sich zwangsläufig machen wird, denn hier bekommt der Begriff „Opfer“ eine ganz spezifische Bedeutung.

Sie ist weg“ bietet Spannung und Tiefgang. Was will man mehr? Der Text ist nicht nur für Krimifans einen Blick wert.

Rezension zu „Geborgte Zeit“ von Ursula Strätling

Eine Welle, die gegen das Entsetzen anrollt

Buchcover Ursula Strätling "Geborgte Zeit"Die Autorin Ursula Strätling ist erst kürzlich unserer Community beigetreten, hat aber schon eine ganze Menge Bücher eingestellt. Von diesen möchte ich Euch heute „Geborgte Zeit“ vorstellen, eine Kurzgeschichte, die der Kategorie „Verbrechen“ zugeordnet worden ist.

Die Schilderungen setzen mit einer rasanten Folge von Bildern und Gefühlseindrücken ein. Bald schon wird klar, dass sich Marie auf der Flucht befindet. Sie hört eine Stimme. Ein nicht näher bestimmter Er wird erwähnt. Was hat er ihr angetan?

Ursula Strätling schreibt sehr präzise und variantenreich. Wortwiederholungen kommen so gut wie gar nicht vor. Das Erzähltempo ist äußerst flott, was aber perfekt zur beschriebenen Handlung passt. Rückblenden in die Vergangenheit der Protagonistin werden immer wieder eingestreut, um das Geheimnis nach und nach zu lüften. Dabei vermag es die Autorin, ihr Publikum auch mal geschickt auf eine falsche Fährte zu locken, wodurch die Spannung nur noch weiter ansteigt. Die Darstellung von Maries Gefühlen ist bewegend und plastisch. Man wird unweigerlich mitgerissen von der Welle, die in ihr anzurollen beginnt.

„Geborgte Zeit“ ist ein stürmisches Wirrwarr leidvoller Emotionen, das sich erst ganz am Ende entspinnt. Bis dahin lässt es sein Publikum nicht los.

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