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Im Gesetze-Dschungel:

Wenn Gesetze mehr verwirren, als schützen.

Für jeden Künstler steht fest: Er möchte seine Rechte geschützt wissen. Auch Autoren wollen nicht, dass jemand anderes ihre Werke als seine eigenen verkauft. Soweit sind wir uns alle einig. Was wird nun aber getan, um genau das zu gewährleisten?
ACTA und SOPA geistern durch die Medien und zerren das Thema „Urheberrecht“ ins Rampenlicht – Endlich. Denn dass etwas getan werden muss, steht schon lange fest.
„Unangemessen und dysfunktional“ – so beschreibt Dr. Till Kreutzer große Teile des aktuellen Urheberrechts und zeigt außerdem, wie es auch anders gehen kann.
„Das Modell des deutschen Urheberrechts und Regelungsalternativen“ heißt seine Dissertation, die er Ende letzten Jahres veröffentlicht hat. Auf über 500 Seiten zerlegt er das deutsche Urheberrecht, um es anschließend nach eigenen Vorstellungen wieder zusammenzusetzen. Im Gespräch mit Telemedicus erklärt er seine Ansätze genauer. Eine ausführliche Erklärung würde den Rahmen eines Blogbeitrages sprengen, bei Interesse kann das komplette Interview mit ihm HIER eingesehen werden. Kurz zusammengefasst kann gesagt werden: Die Forderung nach einer Umstrukturierung des Urheberrechts scheint berechtigt.
Wir leben im Internet, bewegen uns dort, als wäre es unser eigentlicher Lebensraum und übersehen hierbei manchmal die Gesetze, die in jeder Gemeinschaft benötigt werden.
Wofür stehen SOPA und ACTA nun eigentlich?
SOPA („Stop Online Piracy Act“; engl.: Gesetz gegen Online-Piraterie) ist ein Gesetzesentwurf, der dem Kongress der USA erstmals am 26. Oktober 2011 von dem republikanischen Abgeordneten Lamar S. Smith vorgelegt wurde.
Die Idee dahinter ist ehrenwert, denn sie soll Urhebern helfen, ihr Recht zu schützen.
Hierfür ist vorgesehen, dass Internet-Provider den Zugang zu allen ausländischen Webseiten sperren sollen, die den Urheberschutz von amerikanischen Inhalten missachten. Auch aus den Suchmaschinen sollen sämtliche Links zu Seiten entfernt werden, die gegen das US-Urheberrecht verstoßen. Das Gesetz soll zum besseren Schutz von geistigem Eigentum im Internet beitragen, eine Umsetzung würde aber vor allem eine sehr starke Zensur des World-Wide-Webs bedeuten.
Und ACTA?
ACTA  oder auch „Anti-Counterfeiting Trade Agreement“ (engl.: Handelsabkommen zur Bekämpfung von Fälschungen) ist ein Abkommen mehrerer Staaten, die gemeinsame, internationale Standards festlegen wollen, um Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen zu minimieren. Zu den teilnehmenden Nationen bzw. Staatenbünden gehören die Schweiz, die USA, die EU, Kanada, Japan, Korea, Singapur, Australien, Neuseeland, Mexiko, Jordanien, Marokko und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die nicht öffentlichen Verhandlungen laufen seit dem Jahre 2008. Das Abkommen sieht unter anderem vor, Internet-Provider dazu zu verpflichten, Online-Inhalte zu überwachen und diese bei Urheberrechtsverletzungen zu sperren bzw. Kunden den Netzzugang zu verwehren. Das würde nicht nur eine Zensur des Internets bedeuten, sondern auch einen massiven Eingriff in die persönliche Freiheit jedes Internetnutzers darstellen.
Kein Wunder also, dass vor allem bewanderte Internetuser sich gegen diese Gesetze stellen. Internet steht für Freiheit, Meinungsaustausch und Demokratie und ist einer der wenigen Bereiche, die von Länderregierungen kaum beeinflusst werden können.
In vielen Ländern wird das Internet von Bloggern benutzt, um andere auf die eigentlichen, unzumutbaren Zustände in ihrem Land aufmerksam zu machen. ACTA würde diesen Bloggern das Leben erheblich erschweren.
Im Internet ist nicht immer klar, welche Inhalte legal zur freien Verfügung stehen und welche nicht.
„Wenn ein Bild bei Google auftaucht, darf ich es doch verwenden, oder?“
„Darf ich meine Lieblingsmusik auf Youtube hochladen, andere haben das doch auch getan?“
Nein und nein. Seht das Thema mal aus Autorensicht: Jemand klaut eure Geschichte und stellt sie auf seine Homepage, weil er sie so schön findet – Nirgendwo steht, dass sie von euch ist.
Fändet ihr das in Ordnung? Sicher nicht.
Künstler wollen und sollen für ihre Werke entlohnt werden. Gegen ACTA zu sein, bedeutet nicht, dass man für Piraterie ist – Sondern gegen Zensur und für Barrierefreiheit im Netz.
Eine Reformation des Urheberrechts muss her, klare Linien müssen gezogen und die Internetnutzer aufgeklärt werden.  Wenn studierte Anwälte stundenlang Gesetzbücher wälzen müssen, um einen Urheberrechtsfall zu klären, wie soll dann ein „normaler Nutzer“ verstehen, dass er gerade etwas Verbotenes tut?
„Unwissen schützt vor Strafe nicht“, heißt es – Doch wo sind die Aufklärer, die gegen das Unwissen vorgehen?