edingaard_vermaechtnis_zeissler

Das Vermächtnis der Bestseller-Autorin – „Edingaard 3“ von Elvira Zeißler (Rezension)

Dies ist eine Rezension von Andreas Fischer zu “Edingaard 3 – Das Vermächtnis der Priesterin” von Elvira Zeißler. 

coverpic3dSelten ist die Fortsetzung einer Fantasy-Trilogie derart herbeigesehnt worden wie der dritte Band von „Edingaard“ aus der Feder von Elvira Zeißler. Immerhin hatte die Autorin mit den beiden vorigen Teilen bereits ordentlich vorgelegt und die Messlatte für Fantasy-Romane in puncto Kreativität und Handlungsverlauf um Einiges nach oben verschoben. Nicht umsonst hatten der „Pfad der Träume“ und der „Klang der Magie“ ausgezeichnete Platzierungen in den Bestsellerlisten. Wird das „Vermächtnis der Priesterin“, wie Band 3 im Untertitel heißt, an diese Tradition anknüpfen können?

Zum Inhalt: Es dauert nicht mehr lange, bis die finale Konfrontation in Edingaard erfolgen wird. Doch kann diese womöglich verhindert werden? Cassy möchte dies jedenfalls versuchen. Zu diesem Zweck muss sie aber besser mit ihrer Gabe umgehen können und reist deshalb zu einem alten Magier, der sich im Verborgenen aufhält und nicht gestört werden will. Auch Cudras ist schwer beschäftigt, schließlich drängt ihn der Dämonenfürst Irmahir zum Handeln und er greift daher zu ungewöhnlichen Mitteln. Elaina indes verfolgt die möglichen Ereignisse in der Zukunft und Brin ist bemüht, sich in seiner alten Heimat wieder ins Gedächtnis zu rufen. Wie wird das alles enden? Und wer wird noch eingreifen?

Die Inhaltsangabe ist an dieser Stelle bewusst ein wenig kurz gehalten, um nicht zu viel vorwegzunehmen, denn wie bereits in den beiden vorigen Teilen bietet die Handlung auch in Band 3 nicht eben wenige überraschende Fügungen. Natürlich sind aber Luca, Kira und Ibertus sowie einige andere bekannte Gesichter wieder mit von der Partie. Der kleine Bergkobold hat dabei eine wahrhaft „erhebende“ Szene gewidmet bekommen. Was ich damit meine? Lest selbst!

In Band 3 überschlagen sich die Ereignisse, die Spannung nimmt immer mehr zu. Und wenn man denkt, man wüsste, wie es ausgeht, schlägt die Geschichte doch wieder einen Haken, mit dem man nicht gerechnet hätte. Das epische Erzählen liegt Elvira Zeißler offensichtlich sehr, was sich vor allem daran zeigt, dass sich etliche Figuren in ihrem Werk nicht eindeutig gut oder böse geben, sondern ihre charakteristische Tiefe besitzen, lebensecht und charismatisch erscheinen und somit in der Erinnerung der Leser haften bleiben. Außerdem verfügt die Autorin über eine sehr anmutige Art sich auszudrücken, vielfältig, gefühlsbetont und reich an filigraner Ausschmückung. Unnötig zu erwähnen, dass Elvira Zeißler die Orthographie aus dem FF beherrscht und somit – mal wieder – ein Buch abliefert, das keinen Anlass für Beschwerden bietet.

Das Interessante ist weiterhin, dass „Edingaard 3“ trotz seiner beträchtlichen Seitenzahl kein Gramm zu viel überschüssiges Fett an sich hat. Das soll bedeuten, dass es keine unnötigen Szenen oder langatmige Stellen gibt. Der gesamte Text zeichnet sich durch eine stimmige Konzeption aus, bei der sich ein Rädchen spielerisch und leichtfüßig in das andere fügt, alles seinen Sinn hat. Auch das wundervolle, gänzlich unaufdringliche Covermotiv hat etwas Bestimmtes zu bedeuten. Das erfährt man aber erst ganz am Schluss.

Angesicht des reichlichen Lobs mag man jetzt vielleicht fragen, ob es an „Edingaard“ denn wirklich überhaupt nichts auszusetzen gibt. Die vielleicht überraschende Antwort lautet „Ja“. Und zwar merkt man das, sobald man alle drei Teile gelesen hat: Man fällt dann nämlich buchstäblich in ein Loch und ist einfach traurig, dass man nichts weiter aus Edingaard zu lesen hat. Das liegt daran, dass man von dieser Romanreihe so gut unterhalten wird, dass es einem nachgeht, man an die Figuren und ihre Schicksale denkt, über deren weiteren Lebensweg nachgrübelt, sich nur schwer von der Lektüre lösen kann. Elvira Zeißler erzählt ihre Geschichte derart plastisch und eindrücklich, dass man mittendrinsteckt und gar nicht wieder „rausmöchte“. Da fällt das Abschiednehmen am Ende wirklich alles Andere als leicht. Das ist also das „Vermächtnis der Bestseller-Autorin“, eine Welt, die man nicht vergessen kann. Somit ist diese eigentlich unerfreuliche Traurigkeit am Schluss letztlich jedoch ein eindeutiger Beweis für das hohe literarische Niveau, auf welchem hier gearbeitet worden ist. Das will was heißen. Bravo!

Band 3, „das Vermächtnis der Priesterin“, bildet nicht nur einen würdigen Abschluss der Romantrilogie, sondern schafft ein Leseerlebnis mit Erinnerungswert. Selten bekommt man ein Buch in die Hände, das so mitreißend, formvollendet und ästhetisch gestaltet ist. Erfrischend kreativ und in fantastischer Sprache geschrieben, setzt „Edingaard 3“ neue – und sehr hohe! – Maßstäbe in seinem Genre. Man wünscht sich am Ende eigentlich nur eines: Dass es vielleicht doch irgendwie weitergeht mit der Geschichte und ihren vielen Protagonisten. Zweifelsohne ist „Edingaard“ ein literarisches Meisterwerk, das seine Spuren hinterlassen wird, bzw. bereits hat. Danke, Elvira Zeißler!

Zur Buchseite auf BookRix.de

Share and Enjoy:
  • Print
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • Google Bookmarks
  • del.icio.us
  • Digg