Die Edda als Prägung:

Originelle Dichtkunst von Michael Tietz.

Lifrathil nennt sich der 18-jährige Autor Michael Tietz auf BookRix. Mit seinem Benutzernamen läßt er somit bereits eine gewisse Verbindung zu altnordischer Literatur durchblicken, ein Eindruck, der sich bestätigt, wenn man seinen Gedichtband „Drei mal drei Gedanken“ liest. Das von Michael Tietz verwendete Versmaß erinnert doch stark an das aus Übersetzungen der Edda ins Deutsche. Auch was die Wortwahl anbelangt, geben sich die insgesamt acht Gedichte (und der zusätzliche Sinnspruch vorn auf dem Cover) eher traditionell und wohlgeformt.

In den Texten wird zumeist philosophiert. Gelegentlich findet sich ein kritischer Gedanke, wie in „Die Natur des Menschen“. Besonders gefallen hat mit in dieser Hinsicht „Der Laie zecht mit“, eine Betrachtung zur Diskrepanz zwischen innerem Sein und äußerem Schein in vier kurze und prägnante Zeilen gepackt. Ein weiteres Highlight ist „Die Dinge“, etwas ausführlicher aber ebenso aussagekräftig.

Michael Tietz verwendet durchweg Endreim in seinen Gedichten. Dabei versteht er es, originelle und unverbrauchte Reimwortpaare zu entwickeln, z.B. „Stirn“ – „schwirrn“. Auch halten sich seine Zeilen strikt an das Versmaß, weshalb sich der  Reim unaufdringlich in den Wohlklang einfügt.

Was in seltenen Fällen, gehäuft aber bei „ungeheuer Ungeheuer“ etwas holprig wirkt, sind die apokopierten Flexionsendungen bei Adjektiven, z.B. „in einem alt Gemäuer“. Dadurch wird zwar das Versmaß gewahrt, aber nicht bei allen Adjektiven erscheint dieses Stilmittel im heutigen Sprachgebrauch natürlich. Davon abgesehen, bietet der Autor uns ein wortgewaltiges Werk, das auch inhaltlich voll überzeugt.

„Drei mal drei Gedanken“ von Michael Tietz sind also mindestens drei mal drei Blicke wert, wenn nicht noch mehr. Schade ist, daß der Autor nicht noch mehr Texte eingestellt hat.

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