Die Welt der Feen und Elfen:

Jurywertung, die Dritte.

Rufen wir uns noch einmal kurz die Punkteverteilung ins Gedächtnis:

Riedel„Das Königreich des Herbstes“ 3
CosimettaDie Waldfee 3
Calysta„Die Liebe eines Schöpfers“2
Mapa67Die letzte Elfe des Lichts 2
Jean.p.schettlerReginas zweite Flügel 1
Hannes.ZawodnikSchatten aus Gold
Moorhenne
„Abends“ 0
Acardia„Kummerfäden“ 0
Miss.wunderlich„Die Fee der vergessenen Wünsche“ 0
T.j.hudspethFeenherz und Elfenblut 0
JenniferblackdeathIce geflüster 0
MonirapunzelGriseldis 0
R.hoenatschDas Geheimnis von Petunia Goldherz 0
FullmoonElfenwald 0
DiefeenkennerDie wahren Feen von heute! 0

Und nun schauen wir uns einmal die Dritte Jury-Wertung an. Amalaswintha, die Gewinnerin der Märchenausschreibung „Märchen aus 1001 Nacht“ kommt zu folgendem Urteil:

Platz 1: „Kummerfäden“ von Acardia

Kummerfäden ist eine Geschichte, die aus dem üblichen Rahmen der Elfen- und Feengeschichten herausfällt. Für die außergewöhnliche Idee, die bildreiche Erzählform und die anrührende Aussage gebe ich ihr den ersten Platz.

Es handelt sich um die Erzählung einer kurzen Episode, die ohne überflüssige Erklärungen, Geschehnisse und Personen auskommt. Es geht um das Elfengeschöpf und den Jungen. In dieser Beschränkung gelingt es der Autorin, vor den Augen des Lesers eine ganze Welt erstehen zu lassen,  in der es seltsame Wesen zu entdecken gibt und in der sich Kindertränen in Lachen verwandeln. Eine Welt in der Welt, wie man sie gerne hätte.

Es wird nicht näher darauf eingegangen, um was für eine Art Wesen es sich handelt (Fee oder Elfe), aber es wird sehr anschaulich beschrieben, man kann sich das winzige, hungrige, verzweifelte, kleine Geschöpf gut vorstellen, traut ihm zunächst allerdings eher Böses zu. Ein ebenso trauriges, unglückliches Kind, das verlassen durch den Regen stapft, weckt das Mitgefühl des Lesers. Auch hier denkt man zunächst an furchtbare Dinge wie etwa Misshandlungen. Auch das Ambiente ist bedrohlich: Verkehrschaos, Umweltverschmutzung, Kälte, Nässe, ein abweisendes (Eltern-?)Haus.

In der offenen, vertrauensvollen Begegnung der beiden ungleichen Geschöpfe, ermöglicht durch die vorurteilsfreie Neugier des Kindes,  öffnet sich auch die bis dahin eher düstere Geschichte einem versöhnlichen Finale. Das befremdliche Wesen entpuppt sich als Kummerfresser, den es satt und glücklich macht, wenn er einem Kind seinen Kummer nehmen kann, und der Kummer des Kindes erweist sich als ganz normaler Kinderkummer, der sich von einem Moment auf den anderen in Lebensfreude wandeln kann.  Die Pfützen werden zum Spielplatz, der gelbe Regenmantel zur Sonne, die im Herzen des Kindes wieder aufgegangen ist. Ein sehr schönes Symbol.

Die Geschichte ist mit viel Atmosphäre geschrieben, der Übergang aus der düsteren Traurigkeit zum federleichten Strahlen glaubhaft dargestellt. Die Sprache ist märchenhaft und anschaulich, vielleicht mit ein paar Diminutiven zu viel  gespickt, und auf das Wörtchen „gar“ hätte man vielleicht verzichten können. Die Rechtschreibung ist erfreulich korrekt, die Beistrichsetzung nicht ganz so fehlerfrei, aber überdurchschnittlich gut.

Das Buch hat ein sehr schönes, passendes Cover, die Schrift hätte ein wenig größer ausfallen können.

Platz 2: „Elfenwald“ von Fullmoon

Die Geschichte ist spannend, flüssig und unmittelbar aus dem Erleben und der Sichtweise eines Elfenmädchens erzählt.  Man wird beim Lesen vom Geschehen und der gezeigten Welt gepackt. Ohne ausufernde Erklärungen und Beschreibungen erschließt sich die Welt dieses Elfenvolkes. Die Sprache ist klar, bilderreich, führt die Vorstellungskraft mit leicht wirkender Geläufigkeit in den geheimnisvollen, neugierig machenden Wald. Man hört die Bäume flüstern, Wasser plätschern, riecht fremdartige Kräuter und sieht andere Sterne funkeln. Mitunter tritt diese Leichtigkeit des Erzählens aber auch als Flüchtigkeit auf, z. B. bei der doppelten Verneinung auf S 7: „Dies jedoch nicht, ohne sie aus den Augen zu lassen“.  Gelegentlich findet man orthographische und grammatikalische Fehler oder trifft auf Flüchtigkeitsfehler und unschöne Formulierungen (…starrten drein…), aber sie halten sich in Grenzen, die man akzeptieren kann.

Cover und Seiten sind sehr ansprechend gestaltet, das Schriftbild ist schön, allerdings recht klein geraten, was die Lesbarkeit etwas erschwert.

Die Geschichte aus der Sicht eines naiven, gutgläubigen Kindes zu erzählen, ist ein guter Kunstgriff. Damit lassen sich einige der Ungereimtheiten der Geschichte plausibel machen, allerdings nicht alle. So werden die Menschen anfangs als Sterbliche bezeichnet, was den Schluss nahelegt, dass Elfen nicht sterblich sind, doch das Ende belehrt uns eines Schlechteren. Überhaupt erscheint der Schluss eher draufgesetzt als stimmig. Warum lässt man so einen wichtigen Gefangenen ganz ohne Wache? Wie ist es räumlich und zeitlich möglich, dass der völlig Erschöpfte nach durchirrter Nacht mit einem Heer von Soldaten erscheint und voll kampffähig ist? Wie kommt die Kutsche in einen Elfenwald? Auch sonst bleiben Fragen offen: Zu welchem Zweck ist der König anfangs allein im Wald? Um das Dorf zu finden? Dazu hätte er besser eine Kompanie Soldaten losgeschickt.

Dennoch stelle ich diese Geschichte auf mein Siegertreppchen, weil sie eine der nicht sehr vielen in diesem Wettbewerb ist, die ich gleich beim ersten Lesen voll Spannung bis zum Ende verfolgt habe.

Platz 3: „Die Liebe eines Schöpfers“ von Calysta

Ich gebe der Geschichte den dritten Platz für die Gesamtidee, die mir sehr gut gefällt. Ein geheimnisvoller, alter, sterbender Schöpfer, der selber wiederum einen noch geheimnisvolleren Meister hat. Eine Feenpopulation, die mit dem Tod dieses Schöpfers aussterben wird.  Da erschafft er den Prototypen einer neuen Fee, mit einem entscheidenden Mangel zwar, aber diese Fee hat das Potential, sich zu entwickeln. Es geht  um Gefühle, Liebe, welche sie erst kennenlernen muss. Mit dem alten Schöpfer stirbt die letzte der alten Feen, doch es hat eine neue Zeit begonnen, mit einer neuen Art von Fee, die sich mit dem Menschen vereinigt. Diesen Grundgedanken, dass der Mensch selbst an der Neuwerdung seiner Welt teilhaben muss, finde ich so schön, dass ich diese Erzählung nach wirklich sehr langem Abwägen für den 3. Platz ausgewählt habe.

Sprachlich zeigt die Geschichte einige Schwächen. Die Rechtschreibung ist zwar großteils in Ordnung, doch finden sich gelegentlich Fehler wie: „…dieses Wesen, sie strahlte…“, oder klischeehafte Aussagen wie: „Seine trüben Augen erblickten seine faltigen Hände“ sowie diverse Flüchtigkeitsfehler, über die man aber hinwegsehen kann.  Manche Wörter wie z. B. „Spucke“ wirken störend.

Insgesamt ist die Erzählung zu lang geraten, was das Lesevergnügen etwas eindämmt, doch ist sie interessant und geheimnisvoll genug, um weiter dranzubleiben. Die Figur des Schöpfers bleibt geheimnisvoll und macht neugierig auf diese Zauberwelt, regt an, nachzudenken über den Schöpfer, seine Aufgabe, seinen Meister, seine Welt. So entsteht im Kopf des Lesers mehr, als die Autorin geschrieben hat, was für den Text spricht. Von einer straffenden Überarbeitung würde er allerdings profitieren. Beginn und Ende der Feengeschichte drehen sich um den sterbenden Schöpfer, was ihr einen schönen, harmonischen Rahmen gibt.

Das Schriftbild ist in angenehmer Größe gehalten, das Cover entspricht nicht ganz dem Inhalt, da die Protagonistin als flügellos beschrieben wird.

Womit wir nun bei folgender Punkteverteilung wären:

Riedel„Das Königreich des Herbstes“ 3
CosimettaDie Waldfee 3
Acardia„Kummerfäden“ 3
Calysta„Die Liebe eines Schöpfers“3
FullmoonElfenwald 2
Mapa67Die letzte Elfe des Lichts 2
Jean.p.schettlerReginas zweite Flügel 1
Hannes.ZawodnikSchatten aus Gold
Moorhenne
„Abends“ 0
Miss.wunderlich„Die Fee der vergessenen Wünsche“ 0
T.j.hudspethFeenherz und Elfenblut 0
JenniferblackdeathIce geflüster 0
MonirapunzelGriseldis 0
R.hoenatschDas Geheimnis von Petunia Goldherz 0
DiefeenkennerDie wahren Feen von heute! 0

Doch keine Sorge! Noch stehen 4 Wertungen aus. Es bleibt spannend.

Wichtig: Dies ist nicht die finale Juryentscheidung, sondern nur die Wertung eines Jurymitglieds . Die weiteren Wertungen folgen bis morgen. Seid gespannt!

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