Jurywertung:

Verbotene Liebe #3 – Little.Fairy.Tale

Werfen wir schnell einen Blick auf die aktuelle Punktetabelle, bevor wir weitermachen:

Wüstenkinder – 3 Punkte
Ein unberührtes Leben – 3 Punkte
Spiegelbild – 3 Punkte
Der kleine Litauer –  2 Punkte
Tochter der Götter – 1 Punkt

Nun folgt Little.Fairy.Tales Jurywertung:

1. Platz: „Spiegelbild“ von arlynn

Gestaltung, Form und Stil:

Die Autorin hat sich Mühe gegeben und offenbar viel Zeit in die Gestaltung investiert. Cover und Hintergrund des Buches sind stimmig und passen vor allem zum Inhalt. Auch die Form ist für das Auge des Lesers ansprechend.

Der Stil der Autorin ist flüssig und angenehm. Sehr positiv aufgefallen ist mir, dass sie dem Stil vom Anfang bis zum Ende hin treu bleibt. Die Autorin hat ein Händchen für die Ausgewogenheit zwischen Dialogen und Beschreibungen.

Orthographie und Grammatik sind in einem guten Zustand, Fehler sind mir keine aufgefallen.

Kreativität:

Die Idee hinter dieser Geschichte hebt sich klar von den anderen Wettbewerbsbeiträgen ab. Verbotene Liebe taucht in zweierlei Hinsichten auf: Zum einen in der Beziehung zwischen Bruder und Schwester und zum anderen in der Liebe zum eigenen Spiegelbild, die den Protagonisten schließlich in den Abgrund reißt.

Die Charaktere sind klar gezeichnet und authentisch. Sie reißen den Leser mit in ihre eigene Welt und lassen ihn bis zum Schluss nicht los.

Persönliches Fazit:

Arlynn schafft es, den Leser von der ersten Zeile an mitzureißen und festzuhalten. Ihr Stil ist angenehm und fantasiereich. Sie versteht es, die Worte richtig zu wählen.
Wie bereits erwähnt, hebt sich die Idee hinter der Geschichte von den anderen ab. Sie ist einzigartig und spannend. Die scheinbare Liebe zwischen den Geschwistern lenkt den Leser im ersten Moment auf die falsche Fährte wodurch die verzweifelte Liebe zum Spiegelbild eine überraschende Wendung verspricht.

Überflüssig fand ich persönlich die Beschreibung der unterschiedlichen Dörfer am Anfang der Geschichte, doch am Ende hat dieses Werk vollkommen überzeugt!

2. Platz: „Wüstenkinder“ von perfekt.

Gestaltung, Form und Stil:

Das Cover und der Hintergrund passen sehr gut zum Inhalt des Buches. Vor allem der Hintergrund unterstreicht das Setting der Geschichte.

Der Aufbau ist gut gewählt, auch wenn die Rückblende optisch deutlicher von dem Rest hätte getrennt werden können.

Der Stil der Autorin ist flüssig und überzeugend. Die Worte sind wohlüberlegt, wenn auch ein Hauch Umgangssprache nie gänzlich verschwindet.

Beim Lesen sind mir keine orthographischen oder grammatikalischen Fehler aufgefallen.

Kreativität:

Die Idee hinter „Wüstenkinder“ ist zweifellos anders als die der anderen Beiträge. Der Anfang der Geschichte ist gut geschrieben. Der Leser wird in die Welt von Ariyan entführt und erlebt die Verfolgung beinahe hautnah mit. Mit der Rückblende wird die Liebe der beiden Protagonisten erklärt, wie sie sich kennen gelernt haben, weshalb die Liebe verboten ist. Auch die Erzählung innerhalb der Geschichte ist eine Besonderheit, die die Beweggründe von Ariyan und Ezra verständlicher macht.

Hinter „Wüstenkinder“ steckt viel Kreativität. Es wird nicht nur die Liebe zweier Menschen, sondern auch die Liebe zur Wüste, die Sehnsucht nach der Heimat, thematisiert.

Persönliches Fazit:

„Wüstenkinder“ war definitiv eine der besten Geschichten der Wettbewerbsbücher, die ich im Rahmen meiner Jurytätigkeit gelesen habe. Perfekt. schreibt angenehm und fantasievoll, und schafft es dadurch, den Leser zu verzaubern. Hin und wieder schimmerte etwas Umgangssprache durch, doch im Großen und Ganzen hat es dem Werk nicht geschadet.

Der Anfang der Geschichte, also der Diebstahl, hätte gerne noch etwas weiter ausgeführt werden, schließlich ist Ariyan laut dem Klappentext ein Meisterdieb. Das kam mir persönlich etwas zu kurz. Auch die Erzählung über die Wüstenkinder und ihre Herkunft hat mich nicht zu hundert Prozent überzeugt. Gerne hätte sie noch etwas märchenhafter, träumerischer sein können, wo sie doch die Sehnsucht nach der Heimat widerspiegelt und das Herzstück der Geschichte zu sein scheint.

Nichtsdestotrotz ist dies ein Buch, das ich gerne gelesen habe.

3. Platz: „Schattenvater“ von goldie.geshaar

Gestaltung, Form und Stil:

Auf den ersten Blick ist das Cover kaum ansprechend, doch im Nachhinein betrachtet passt es zum Inhalt der Geschichte.

Die Schrift hat eine gute Größe und ist angenehm zu lesen, was nicht zuletzt auch am Stil von goldie.geshaar liegt, der sich bis zum Ende noch verbessert.

Orthographie und Grammatik waren meines Erachtens fehlerfrei.

Kreativität:

Die Geschichte baut sich von Absatz zu Absatz immer weiter auf. Der Anfang verrät, dass etwas passiert ist, dass es einen Bruch in der Beziehung zwischen Mutter und Tochter war. Die Erklärung wird von Seite zu Seite greifbarer.

Auch wenn die Protagonistin weiß Gott nicht das erste Mädchen ist, das ihren Vater nicht kennt, hat mich die Geschichte dennoch überzeugt. Die verbotene Liebe ist nicht so offensichtlich wie bei anderen Beiträgen, in denen die Liebe zwischen einem Paar thematisiert wird. Hier geht es um die Sehnsucht einer Tochter nach ihrem Vater, den sie sucht und ihn trifft. Auch wenn sich am Ende ihr Irrtum herausstellt, so hat sie dennoch den Vater gefunden, den sie sich immer gewünscht hatte.

Persönliches Fazit:

Die Geschichte hat mir gut gefallen. Die Idee, die nicht allzu offensichtliche verbotene Liebe, haben mich überzeugt, auch wenn schon sehr früh klar war, worum es geht, und auch die Beweggründe der Mutter habe ich bereits vermutet. Und doch hat mir vor allem das Ende gefallen. Der Irrtum der Protagonistin macht sie menschlich und verdeutlicht, wie sehr sie ihren Vater kennen lernen wollte. Sie hat sich an den einzigen Strohhalm geklammert, den sie kriegen konnte. Es war nachvollziehbar und authentisch. Sehr gut!

Neue Punkteverteilung:

Spiegelbild – 6 Punkte
Wüstenkinder – 5 Punkte
Ein unberührtes Leben – 3 Punkte
Der kleine Litauer –  2 Punkte
Tochter der Götter – 1 Punkt
Schattenvater –  1 Punkt

Aber noch ist alles offen!
Wir lesen uns in knapp einer Stunde wieder!