Jurywertung:

Verbotene Liebe #1 – Yolana.

Heute werden endlich die Gewinner des Jurywettbewerbs „Verbotene Liebe“ verkündet. Allerdings wollen wir es spannend machen und über den Tag verteilt die Jurywertungen einzeln veröffentlichen.Platz 1 erhält drei Punkte, Platz 2 zwei Punkte und der dritte Platz bekommt einen Punkt. Am Ende werden die Punkte zusammengerechnet und die Geschichte mit den meisten Punkten gewinnt. Ganz einfach, oder? Dann fangen wir mal mit der Jurywertung von Yolana an:

Meinen Platz 1 erhält Jen June Equal mit „Wüstenkinder“.

Hier stimmt einfach alles. Der Leser erlebt eine wunderbare, detailreiche, bunte Welt voller unterschiedlicher Figuren. Man merkt, dass Jen June Equal mit dem Herzen regelrecht in dieser Welt zuhause ist. Mit absoluter Selbstsicherheit wirft sie mit Details um sich, die nur ein Autor so treffsicher einbauen kann, der sich in seiner Welt auskennt wie in seiner eigenen Westentasche. Grammatikalisch und orthografisch fehlerfrei wird der Text zudem rein äußerlich von einem wunderschönen Cover und liebevoller Innengestaltung abgerundet – passend zum Setting, in dem sich die Geschichte bewegt.

Auch wenn das Buch völlig ohne „Action“ auskommt, war es an keiner Stelle langweilig. Nein, oft kommt beim Lesen ein wohliges Seufzen über die Lippen. Es lebt von einem fast schon märchenhaften Erzählstil. Die Figuren sind nachvollziehbar und in ihrem Handeln konsequent geschildert – sogar Personen, die körperlich niemals auftauchen, haben einen klar gezeichneten Charakter.

Besonders die Tatsache, dass dieses Buch nicht nur eine, sondern gleich mehrere „verbotene Lieben“ enthält, macht „Wüstenkinder“ für mich zum Gewinner dieses Wettbewerbes.

Platz 2 geht an Jurek P. mit „Der kleine Litauer“.

Dieses Buch ist etwas ganz besonderes in seinem Erzählstil. Der Leser wird direkt angesprochen – als wäre er ein alter Bekannter aus der Vergangenheit des Erzählers, ein Kollege. Ich habe mich gefühlt, als hätte ich gerade den Telefonhörer abgehoben und bekäme nun diese Geschichte erzählt, oder als säße ich mit dem Erzähler in der hintersten Ecke eines Cafés und er flüsterte mir zu: „Hey, weißt du noch … damals … der kleine Litauer.“

Die Zwillinge Leonas und Irija, von denen hier erzählt wird, waren für mich mit Abstand die interessantesten Protagonisten des Wettbewerbs. Die Story war eine der skurrilsten, die ich jemals gelesen habe. Absolut top, gewürzt mit einer Prise Humor und Gänsehaut-Faktor am Ende. Dem Autor gelingt ein exzellenter Spagat zwischen Spannungsaufbau und Infotainment, zwischen lapidarer Umgangssprache und niveauvoller Erzählung. Faszinierend von vorn bis hinten, handwerklich einwandfrei und absolut kreativ in Sachen Themenumsetzung.

Den dritten Platz vergebe ich an Julina M. Weißdorn mit „Spiegelbild“.

Narzissmus ist das zentrale Thema dieser Geschichte, die Liebe zu sich selbst – womit Julina M. Weißdorn eine ganz einzigartige Art der Liebe aufgegriffen hat, die nicht mehr und nicht weniger verboten ist als die meisten anderen, über die in diesem Wettbewerb geschrieben worden ist. Zudem wartet Weißdorn jedoch noch mit einer ganzen Reihe weiterer Lieben auf: Einer sehr unaufdringlich beschriebenen, aber doch deutlich spürbaren Geschwisterliebe, die tiefer geht als sie dürfte. Einer homosexuellen Liebe, die in der beschriebenen Welt nicht sittlich ist. Und der Liebe einer Nymphe zu einem Menschen.

Weißdorn schafft es auf 34 Seiten, ein komplexes Konstrukt an miteinander agierenden Personen zu erschaffen, die in sich stimmig sind. Jeder Protagonist hat seinen eigenen, konsequent durchgezogenen Charakter. Das alles noch in eine phantastische Welt gepackt, welche durch eine wunderschöne Cover- und Seitengestaltung untermalt wird, und fertig ist eine ans Herz gehende, spannende Geschichte um ein Geschwisterpaar, das an der Selbstverliebtheit des Bruders scheitert.

Somit sieht die Punkteverteilung wie folgt aus:

Wüstenkinder – 3 Punkte
Der kleine Litauer –  2 Punkte
Spiegelbild – 1 Punkt

Aber noch ist alles offen!
Wir lesen uns in knapp einer Stunde wieder!

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