Liebe in Zeiten von Krieg

Rezension zu „Winteräpfel“ von Miss Glück.

Miss Glück“ nennt sich eine Autorin auf BookRix. Das Pseudonym läßt ja tief blicken, aber eines kann ich feststellen: Ihr Text „Winteräpfel“ ist mit Sicherheit nicht „mißglückt“.
Die Autorin beschreibt in sehr direkter und präziser Wortwahl die Eindrücke und Gedanken eines verwundeten Soldaten, der in einem Lazarett behandelt wird. Er hat große Schmerzen und kann nichts sehen. Deshalb nimmt er seine Umgebung umso deutlicher mit Ohren und Nase wahr. Eine der Schwestern hat es ihm besonders angetan. Sie kommt ihm vor, als „wäre sie die erste Stimme auf Erden, die er hören darf; und die schönste.“ Er findet Trost durch ihre bloße Anwesenheit, und ihr Duft, den er mit „Äpfeln, Sommer und Sonne“ assoziiert, läßt ihn fortwährend auf sie warten und von einem Rendezvous träumen, auch wenn er ahnt, daß ein solches aufgrund seiner schweren Verletzungen wohl nicht mehr stattfinden wird.
Der Text stimmt sehr traurig, da die Autorin uns die Handlung aus der eingeschränkten Perspektive des Protagonisten erleben läßt. Die Schilderungen sind teilweise recht bedrückend, aber dennoch entsteht unweigerlich auch eine romantische, ja liebliche Stimmung, wenn er sich ausmalt, wie das Rendezvous mit ihr verlaufen würde.
Diese sonderbare Gefühlsmischung regt zu tiefen Gedanken über Kriege und ihre grausamen Konsequenzen für das betroffene Individuum an, erschüttert aber auch in der Art und Weise, wie wir die stille Hoffnung des Verwundeten wahrnehmen können. Der Schluß der Geschichte erzielt ebenfalls seine Wirkung.
Ich möchte diesen Text allen anempfehlen, die sich nicht scheuen, schwierige Themen literarisch (und philosophisch) zu konsumieren.

2 Gedanken zu „Liebe in Zeiten von Krieg

  1. MissGlueck

    Na sowas, eben erst entdeckt. Herzlichen Dank für die Rezension. Übrigens: Die Interpretation meines Pseudos ist auch recht aufschlussreich (lacht) Nochmals vielen Dank, die Miss im Glück.

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