Rezension zu „Blauer, blauer Himmel“ von Shay76

„Ich habe mein Blau zu pflegen, damit habe ich genug zu tun.“

Shay76 nennt sich ein/e Autor/in auf BookRix, über die/den wir ansonsten (leider) gar nichts wissen. Allerdings hat Shay76 eine Reihe von Büchern veröffentlicht, von denen ich mir „Blauer, blauer Himmel“ etwas näher angeschaut habe.
Es handelt sich hierbei um eine Fabel, in der aber nicht Tiere mit Sprechrollen bedacht werden, sondern Himmelsphänomene. So beobachtet ein Ich-Erzähler, der in seinem Garten auf der Wiese liegt, wie eine kleine, weiße Wolke über den Himmel zieht und mit diesem eine Unterhaltung beginnt. Später, als es zu dunkeln beginnt, findet die Wolke im Mond einen weiteren Gesprächspartner. Stets ist dabei die Traurigkeit der Menschen das Thema. Die Wolke nimmt diese Traurigkeit wahr, wohingegen sich Himmel und Mond dafür weniger sensitiv oder verständnisvoll zeigen. Der Himmel kümmert sich nämlich in erster Linie um sein schönes Blau und dem Mond liegt die Natur am Herzen, die er durch die Menschen bedroht sieht.
Shay76 schreibt solide, wobei an manchen Stellen kleine Verbesserungen möglich wären. So wird beispielsweise stets der Dativ mit der Präposition „wegen“ gebraucht, was das Bild ein wenig trübt. Entscheidend empfinde ich jedoch die Auswahl der Protagonisten für die Fabel. Himmel, Mond und Wolken kommen ja für gewöhnlich nicht in Fabeln vor und lassen daher keine Rückschlüsse auf die ihren Charakteren zugrunde liegende Symbolik zu. Ein Fuchs in einer Fabel ist beispielsweise immer schlau. Aber ein Himmel, was könnte der wohl sein? Der Text und die durch ihn erzielte Aussage wirken somit unverbraucht und innovativ und regen zum Nachdenken an.
Shay76 verlässt die gewohnten Pfade und schon alleine deshalb verdient die Fabel „Blauer, blauer Himmel“ näheres Hinsehen.

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2 Gedanken zu „Rezension zu „Blauer, blauer Himmel“ von Shay76

  1. Shay76

    Vielen Dank für die kleine Besprechung. Ich hatte mich schon etwas gewundert, wie ich zu dem späten Ruhm einiger Kommentare komme, da die Veröffentlichung doch schon ein paar Monate zurückliegt. Umso mehr freut es mich auch. Geschrieben habe ich die kleine Geschichte bereits 1996. Heute würde ich einige Formulierungen sicher auch ein wenig zurechtfeilen. Schreibstil und Sprachsicherheit werden wie bei jedem Training mit der Zeit ja auch besser. Bisher hatte ich jedoch weder Zeit noch Lust, um mich meinen alten Werken nochmals zu widmen. Allerdings werde ich durch diesen kleinen Anstoß sicher endlich häufiger zu BookRix kommen, um mit der Zeit das ein oder andere neuere Werk zu veröffentlichen.

  2. ai.hua

    Das freut uns natürlich, wenn unsere Rezensionen auch noch den Nebeneffekt haben, dass der Autor mehr veröffentlicht. Hauptaugenerk ist ja, dass schöne Geschichten, die all zu leicht aus dem Blick verschwinden hervorgeholt werden.

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