Rezension zu „Das Hadesrennen“ von Martin Sollert

Dschungelcamp vom anderen Stern

Die Science Fiction ist ein eher seltener Gast in dieser Vorstellungsreihe. Heute jedoch rückt ein ganz besonderer Vertreter dieses Genres in den Fokus. „Das Hadesrennen“ ist ein außergewöhnlicher Roman aus der Feder von Martin Sollert, der hier nicht fehlen darf.

Buchcover Martin Sollert "Das Hadesrennen"Mit sage und schreibe 1226 Seiten ist „Das Hadesrennen“ ein echter Wälzer. Darin geht es um den im Buchtitel genannten Wettstreit. Der hat seinen Namen dem Planeten Hades zu verdanken, wo er alle sieben Jahre stattfindet. Sieben Teilnehmer kämpfen um den Sieg und nur einer von ihnen wird Hades am Ende lebend verlassen, denn die anderen sechs Mitstreiter verlieren dort zwangsläufig ihr Leben. Das Spannendste am Hadesrennen ist jedoch, dass die gesamte menschliche Bevölkerung dem Ereignis – aus sicherer Entfernung – auf eine Weise beiwohnen kann, als wäre sie selber daran beteiligt. Zahllose Sensoren übermitteln Bilder und Geräusche, sogar Gerüche und physische Empfindungen der sieben Hadesfighter. Jeder Zuschauer kann sich somit in einen der Wettkämpfer „einloggen“ und genau das wahrnehmen, was dieser gerade durchmacht. Man könnte es also als die Umsetzung des Konzepts „Dschungelcamp“ in der Zukunft betrachten, nur dass diese Veranstaltung um ein Vielfaches dramatischer und realistischer ist.

Besonders interessant ist der Aufbau des Buches. Es ist in mehrere Kapitel untergliedert und setzt mit einer Zusammenfassung des Reglements für das Rennen ein. Danach wechseln sich zwei Arten von Kapiteln ab. Die einen enthalten Rückblenden auf einzelne Hadesrennen vergangener Tage, die anderen, die untereinander durchnummeriert sind, eine persönliche Lebensgeschichte eines ehemaligen Hadesfighters namens Lej. Wir erfahren dabei, wie er auf dem Planeten Bueeye aufwächst und durch widrige Umstände selbst zum Hadesfighter wird. In der Folge berichtet er von diesem, seinem allergrößten Abenteuer. Er durchlebt Höhen und Tiefen und so manche Überraschung wartet auf ihn.

Stilistisch gibt es außer sehr seltenen Wortwiederholungen nichts zu beanstanden. Nicht zuletzt wegen des kapitelweisen Wechselns der Erzählperspektiven entspinnt der Autor zahlreiche, zum Teil verschachtelte Handlungsstränge, die sich um das Hadesrennen herum ausdehnen, kleine Geschichten und Anekdoten aus dem Universum dieses Werkes. Den roten Faden verliert man dabei nie. Der Ausdruck ist stets ebenso vielseitig wie der muntere Reigen der Begebenheiten. Auch was Rechtschreibung und Grammatik betrifft, kann man – bis auf einen wiederkehrenden Kommafehler bei der wörtlichen Rede, sowie sporadische Vertipper – nicht meckern. Das gesamte Buch zeigt sich erfreulich aufmerksam ausgearbeitet.

Mit seinen 1226 Seiten hat dieser Roman einiges an Unterhaltung zu bieten. Für den Download muss man 4,99€ investieren, was beinahe zu wenig erscheint, denn die durchgehend hohe Qualität des Textes spricht für sich. Jetzt mag sich vielleicht so mach eine Leserin oder ein Leser dieser Rezension fragen, ob man wirklich so viele Seiten mit ein und demselben Thema füllen kann, ohne dass es langweilig wird. Die Antwort lautet: Ma(rti)n (Sollert) kann! Das Buch fasziniert vom ersten Moment an und die vielen immer wieder neuen Handlungsstränge machen es abwechslungsreich und lebendig. Das Buch ist nicht nur für Fans der Science Fiction interessant, sondern auch für diejenigen Leser, die gerne in eine perfekt ausgestaltete Phantasiewelt eintauchen wollen. Man wird hier mit wahrhaft spektakulärer Unterhaltung versorgt. „Das Hadesrennen“ muss man gelesen und dadurch quasi selbst mitgemacht haben!

ISBN: 978-3-86479-676-0

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