Rezension zu „Das Zyklopenauge“ von Richard von Lenzano

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Buchcover Richard von Lenzano "Das Zyklopenauge"Der Autor Richard von Lenzano – angemeldet als „ric.von.lenzano“ – bietet uns mit seinem Text „Das Zyklopenauge“ die Möglichkeit, über unsere Sicht auf unsere Umwelt und Mitmenschen nachzudenken.

Das Buch trägt den Untertitel „ein mythologischer Rückblick“. Tatsächlich stellt sich am Anfang des Textes ein außergewöhnlicher Protagonist vor, ein Nachfahre der Zyklopen aus der altgriechischen Sagenwelt. Dessen Ahnen verfügen, so wie er selbst auch, nur über ein einziges Auge in der Mitte der Stirn. Für sie ist das Sehen mit diesem einen Augen völlig alltäglich. Die Menschen mit ihrem zweiäugigen Sehen erscheinen dem Ich-Erzähler dagegen schwerer fassbar. Im Verlauf der Geschichte besucht er einen Seher, welcher ihn durch die Anwendung geheimer Magie mit der Sichtweise der Menschen vertraut macht. Schließlich spricht der Ratsuchende dann mit seinem Vater über dieses Erlebnis und erkennt die Unterschiede zwischen ein- und zweiäugiger Betrachtung.

Der Text ist flüssig und wohlüberlegt geschrieben. Der Autor setzt das Motiv der einäugigen Zyklopen ganz gezielt ein, beleuchtet es ausführlich, sodass man beim Lesen die – uns fremde – Perspektive verstehen kann. Gekonnt wird schließlich auch auf die Essenz des Textes hingearbeitet, die Frage, ob wir zu oft wegsehen, uns abwenden von dem, was wir nicht wahrnehmen wollen.

„Das Zyklopenauge“ ist also eine wahrhaft weitsichtige Betrachtung unseres – manchmal absichtlich begrenzten – Blickwinkels.

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