Rezension zu „Der Spiegel“ von AkumaJusan

Die Augen eines Außenseiters

Buchcover AkumaJusan "Der Spiegel"Die Autorin AkumaJusan – so heißt auch ihr Account auf BookRix – hat mit „Der Spiegel“ einen sehr interessanten Text hochgeladen, der bisher aber nur wenig Aufmerksamkeit erhalten hat, ein Zustand, der dringend geändert werden muss.

„Der Spiegel“ ist laut AkumaJusan als Schulaufgabe entstanden. Das Ergebnis ist sehr erstaunlich. Der Text wird aus der Sicht eines Jungen geschildert, der wegen eines Gendefekts verschiedenfarbige Augen hat, ein Umstand, der ihn unfreiwillig zum Außenseiter macht. Seine dadurch entstehende Isolation verarbeitet er in einem immer wiederkehrenden Traum, in dem er einer verwandten Seele begegnet.

Der Schreibstil der Autorin ist zwar nicht ganz perfekt, gemessen an AkumaJusans Alter aber solide. Hier und da könnte die Wortwahl noch etwas präziser sein. Was mich jedoch an diesem Text überzeugt, ist die Art, wie das Thema Außenseitertum behandelt wird. Das Ende bietet eine Lösung, die aber gezielt Fragen offen lässt. Der Protagonist wünscht sich die Erfüllung seines Traumes. Diese findet zwar statt, doch es ist nicht klar, ob er nur einen weiteren Traum erlebt, aber das ist ihm unwichtig, denn dieser Traum ist zu verlockend.

Das Thema Isolation und Ausgrenzung wegen abweichender physischer Eigenschaften ist eines, das meiner Meinung nach viel zu selten behandelt wird. Schon alleine aus diesem Grund ist „Der Spiegel“ zu empfehlen. Auch die behutsame und aussagekräftige Bildersprache der Autorin machen ihn zu etwas Besonderem, das nicht vom reißenden Strom verdrängt werden sollte.

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