Rezension zu „Eagle Island“ von Nelia Korbe

Buchbewertung mit allen Sinnen …

Heute ist mal wieder eine Kurzgeschichtensammlung an der Reihe, hier im Blog vorgestellt und durchleuchtet zu werden. Sie heißt „Eagle Island“ und stammt aus der Feder von Indie-Autorin Nelia Korbe. In dem eBook sind neun Texte enthalten, von denen der erste den Titel beisteuert.

Buchcover Nelia Korbe - "Eagle Island"Nun mag sich manch einer fragen, was die Überschrift dieser Rezension zu bedeuten hat. Tatsächlich bezieht sich diese auf die Handlung von „Eagle Island“. Wir lernen Kinara kennen, eine junge Frau, die einen wirklich fantastischen Job hat: Sie bewertet Bücher! Allerdings muss sie kein einziges davon durchlesen, da sie mit einer phänomenalen Gabe ausgestattet ist. Sie braucht einen Schmöker nur zu berühren und prompt wird sie von dessen Inhalt buchstäblich aufgesogen, taucht wie eine lebendige Forschungssonde in eine völlig fremde Welt ein und schaut sich dort um, lauscht und fühlt, stets darauf bedacht, dabei genügend Daten über das Geschehen im Buch zu sammeln, um daraus eine fachkundige Bewertung zu erstellen. Obwohl Kinara eine sehr professionelle Rezensentin ist, passiert es ihr doch bei einem Besuch einer der fiktiven Welten, dass sie dort die Zeit vergisst und einschläft. Allerdings gibt es dafür einen Grund, den sie erst später enthüllen kann.

Nicht ganz unähnlich, was die Grundidee betrifft, ist der Text „Zurück ins Moor“, nur dass hier nicht jemand in eine Geschichte eintaucht, sondern in ein Moor, in welchem er sich überraschend wiederfindet, ohne sich erinnern zu können, wo er zuvor gewesen ist. Doch auch hierfür gibt es einen Grund.

Eher satirisch gibt sich „Linke Tonsille“, denn hier begeben wir uns in den Hals einer vom Pech verfolgten Ich-Erzählerin. Dort steckt etwas fest, das ihr ziemliches Unbehagen verursacht und bald darauf auch Thema in sozialen Netzwerken wird, denn Schadenfreude ist ja bekanntlich etwas Erheiterndes. Auch die Belegschaft einer deshalb konsultierten HNO-Arztpraxis erfreut sich an dem Leid der Patientin.

Die Texte sind stilistisch allesamt gelungen. Sie wirken kurzweilig, ausdrucksstark und kreativ, was die jeweilige Grundidee anbelangt. Außer ein paar Flüchtigkeitsfehlern ist nichts zu bemängeln. Allerdings gehen manche der Texte inhaltlich recht deutlich über das hinaus, was die von der Autorin angegebenen Stichwörter vermuten lassen. So ist „Eagle Island“ selbst eher im Fantasy-Genre anzusiedeln, als dass es eine „Alltagsgeschichte“ darstellt.

Umso wichtiger ist es, diesen Sammelband zu empfehlen, kostet er doch gerade einmal 1,49€. Dafür bekommt man neun Geschichten, die sich durch Einfallsreichtum und gute Ausarbeitung auszeichnen. „Eagle Island“ verspricht daher abwechslungsreichen Lesespaß.

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