Rezension zu „Labyrinth des Lebens“ von Uwe Dollichon

„Schweigen und aneinander vorbeireden“

 

Buchcover Uwe Dollichon "Labyrinth des Lebens"Der Autor Uwe Dollichon – Nutzername „baucis.readers566“ – ist seit September 2012 Mitglied unserer Bookunity und hat zur Begrüßung einen Lyrikbank hochgeladen, der den vielversprechenden Titel „Labyrinth des Lebens“ trägt. Da bin ich neugierig geworden und habe reingeschaut.

Darin finden sich zwölf Gedichte, die verschiedene Themen behandeln. So geht es mal um Kommunikation, dann um die Frage nach der Bedeutung eines Individuums inmitten der Masse, schließlich um die Hingabe zum allgegenwärtigen Automobil.

In „Feigheit“ beschreibt der Autor die Empfindlichkeit von Menschen, die durch die Meinung Anderer über sie an den Rand gedrängt worden sind und dadurch noch hellhöriger auf deren Äußerungen reagieren. „Durch schlechte Sender ein guter Empfänger zu sein“, so lautet eine, wie ich finde, sehr beeindruckende Zeile aus diesem Gedicht. Die „schlechten Sender“ sorgen mit ihren abfälligen Bemerkungen also dafür, dass der „Empfänger“ mehr hört, weil er stets auf der Hut ist. Die Angst, etwas Verletzendes hören zu können, wird daher zum ständigen Begleiter des Empfängers. Der Text bringt dies eindrucksvoll auf den Punkt.

Bei „Persönlichkeitsverlust“ geht es um die – oftmals von der Masse erzwungene – Auflösung des Individuums durch Anpassung.

Stilistisch betrachtet, geben sich die einzelnen Gedichte recht unterschiedlich. In manchen finden sich Formulierungen, die technisch oder wissenschaftlich anmuten. Gelegentlich wirken diese ein wenig hölzern. Aber generell tragen sie zu einer vielseitigen Wortwahl und vor allem einer bunten Metaphorik bei. Starre Metrik oder erdrückenden Reimzwang findet man hier glücklicherweise nicht, auch wenn dann und wann mal ein Reimwortpaar beim Lesen an einem vorbeifliegt. Selten stößt man auf Flüchtigkeitsfehler, im Großen und Ganzen ist die Ausarbeitung der Texte als solide zu bezeichnen.

Etwas zerknirscht bin ich beim Preis. 5,49€ sind für ein eBook mit 22 Seiten ein wenig viel. Zweifellos haben Uwe Dollichons Gedichte eine Botschaft, die es wert ist, gehört – und auch gekauft – zu werden. Allerdings sind die Preise für elektronische Bücher in der Regel niedriger anzusetzen. Fazit: Teuer, aber gut!

ISBN: 978-3-95500-166-7