Rezension zu „Liebe auf leisen Sohlen“ von Emilia Licht

Von der hohen Kunst, aneinander vorbeizuleben …

Die Indie-Autorin Emilia Licht ist erst seit Kurzem auf der Selfpublishing-Plattform BookRix zu finden. Sie hat aber gleich einen ganzen Roman mitgebracht, der sich „Liebe auf leisen Sohlen“ nennt und vom Thema Beziehung handelt. Da sich die Autorin im Nachwort Rezensionen wünscht, habe ich mir die Lektüre gleich mal angeschaut.

Buchcover Emilia Licht - "Liebe auf leisen Sohlen"Die Hauptfigur der Geschichte heißt Josina Hollenstein. Sie ist seit 19 Jahren verheiratet, Mutter zweier Teenager und Chefin eines angesehenen Hotels in Dresden. Abgesehen von der Organisation des Betriebes muss sie sich auch noch mit ihrer Schwiegermutter Gisela herumärgern, die für Josinas Geschmack ein wenig zu neugierig ist. Soweit scheint sich also das Leben der Protagonistin nicht von demjenigen anderer Hotelbesitzerinnen zu unterscheiden, wenn da nicht das Wörtchen „wenn“ wäre. Insgeheim wünscht sich Josina nämlich etwas mehr Zuwendung von ihrem Gatten. Die Gewohnheit des Alltages hat sich in der Ehe breit gemacht. Auch die Kinder teilen immer öfter ihre Ansichten nicht, weshalb es hinter der noblen Fassade mehr und mehr zu kriseln beginnt. Josina holt sich Rat bei ihrer besten Freundin und kommt schließlich auf die Idee, ihrem Mann zum bevorstehenden runden Hochzeitstag eine ganz besondere Überraschung vorzubereiten. Doch dabei läuft etwas schief.

Emilia Licht hat hier ein Buch abgeliefert, das durch erfreulich fehlerfreie Orthographie und Grammatik glänzt. Es ist ein Vergnügen, so einen Text zu lesen. Was die Handlung angeht, muss ich aber anmerken, dass es eine ganze Weile dauert, bis sich mal endlich etwas Entscheidendes tut. Dieser Umstand lässt den Roman vor allem zu Beginn ein wenig langatmig erscheinen, was sich im weiteren Verlauf allerdings legt. Dann setzt Josinas Überraschungsaktion ein, die völlig aus dem Ruder läuft und wahrhaft groteske Auswirkungen auf ihre Ehe und ihr Vorstrafenregister hat. Turbulente Szenen sind da also vorhanden, die vorrangig dadurch entstehen, dass der Protagonistin immer wieder ein gewisses Feingefühl für Kommunikation zu fehlen scheint. Jedenfalls ist das mein Eindruck und ich habe Josinas Handlungsweise nicht immer ganz nachvollziehen können. Sehr hingerissen bin ich aber vom Schreibstil der Autorin. Das gesamte Buch ist ein Paradebeispiel für abwechslungsreichen, treffsicheren und flüssigen Ausdruck. Stilistisch ist der Text ebenso meisterhaft wie orthographisch.

Liebe auf leisen Sohlen“ ist ein Beziehungsroman, der sich durch hervorragendes Schreibhandwerk auszeichnet. Da ist der Preis von 2,99€ beinahe ein bisschen zu günstig. Der Roman spricht vor allem die Freunde des Genres Liebe an. Wer also ein handwerklich perfektes Buch mit diesem Thema sucht, sollte hier zugreifen.

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