Rezension zu „Schneekönig“ von Leviosa

„Wann wirst du nach Hause kommen, Einsprinzessin?“

 

Buchcover Leviosa "Schneekönig"Gelegentlich finden sich auf BookRix Bücher, die eine besondere Aura haben. Man liest sie und ist völlig eingenommen von der Atmosphäre und den sonderbaren Bildern, die sie enthalten. Die Gedanken verirren sich auch Tage später noch hin zu den traumartigen Gebilden, die sie entstehen lassen.

Eben so ein Buch ist „Schneekönig“ von Leviosa, einer jungen Autorin in unserer Community. Es ist als Kurzgeschichte klassifiziert und besteht aus drei Teilen, die recht ähnlich aufgebaut sind. Wir sehen eine Bushaltestelle an einer nur wenig befahrenen Straße. Das Wartehäuschen wirkt heruntergekommen und nur selten treffen hier Reisende oder aber ihre Verkehrsmittel ein. Nur ein Mädchen mit zwei Koffern sitzt dort, doch niemand scheint sie zu bemerken. Sie beobachtet, wie ein Bus anhält und wieder abfährt. Danach bemerkt sie im schummrig orangenen Schein einer Laterne den Niederschlag.

Im ersten Teil ist es der erste Schnee des Winters, im zweiten wiederum Schnee, doch der Winter hat die Welt in frostiger Umklammerung, im dritten Teil, der ein Jahr später spielt, schließlich Regen.

Die Beschreibung der Szenerie ist wundervoll gelungen. Die Stille, die auf diesem Fleckchen Erde ruht, und die hereinbrechende Kälte werden fast greifbar. Die Bilder, die beim Lesen vor dem geistigen Auge aufleuchten, bleiben lebendig. Ab und an kommen zwar Flüchtigkeitsfehler vor allem bei der Kommasetzung vor, doch die übersieht man angesichts der geschilderten Atmosphäre. Ansonsten ist der sprachliche Ausdruck gut. Was allerdings den Reiz dieses Textes ausmacht, ist das Rätsel um seinen eigentlichen Inhalt. Was geht dort an der Bushaltestelle vor sich? Und wer spricht sie an?

Interessant ist die Verbindung des Mädchens mit dem Niederschlag. Wenn es schneit, unterhält sie sich mit demjenigen, den sie „Schneekönig“ nennt, bei Regen nicht. Daher kann man annehmen, dass sie selbst etwas mit den wechselnden Jahreszeiten zu tun hat. Doch was genau sie ist, das muss der Leser alleine herausfinden.

So bleibt man am Ende mit einem beeindruckenden Text zurück und versucht, das Rätsel zu lösen. Somit gelingt es Leviosa, dass ihr „Schneekönig“ in Erinnerung bleibt. Ein großes Publikum hat er daher mehr als verdient.