Rezension zu „Selbstbild-Störung“ von Jurek P.

„So ein hässlicher Krach-Bum-Traum“

 

Buchcover Jurek P. "Selbstbild-Störung"Der Autor Jurek P. hat schon eine Reihe von Texten in unserer Bookunity veröffentlicht. Hiervon habe ich mir die Kurzgeschichte mit dem verheißungsvollen Titel „Selbstbild-Störung“ angeschaut und kann jetzt schon durchblicken lassen, dass ich davon nicht enttäuscht worden bin.

Wir erleben zunächst, wie ein Patient auf der Intensivstation zu sich kommt. Eine bezaubernde Ärztin berichtet ihm von einem tragischen Motorradunfall. Doch recht bald ergeben sich gewisse Ungereimtheiten. So benennt sie ihn z.B. mit einem fremden Namen und er könnte schwören, beim Kranführen verunglückt zu sein. Im Laufe seines Krankenhausaufenthaltes verschärft sich dieses Problem noch weiter. Die Ärztin bezeichnet dies als „retrograde Amnesie“. Er selbst ist sich da allerdings nicht so sicher.

Der Text gibt sich eher umgangssprachlich und kommt im quirligen Präsens daher. Dennoch ist die Wortwahl abwechslungsreich ausgestaltet und lässt viel Sorgfalt bei der Ausarbeitung erkennen. Nur gelegentlich stößt man auf einen Flüchtigkeitsfehler bei der Orthographie. Flüssig gibt sich auch das Erzähltempo, das ein problemloses Miterleben der Handlung gewährleistet. Anfangs kommt wörtliche Rede vor, die dann im weiteren Verlaufe wegfällt, wodurch die Verwirrung des Patienten zusätzlich und recht anschaulich verdeutlicht wird.

Erstaunlich ist, wie sich die eigene Stimmung während des Lesens ändert. Zu Beginn fühlt man mit dem unglücklichen Patienten. Allmählich jedoch macht sich eine beinahe verschmitzte Belustigung breit, die in erster Linie durch die immer wieder neuen Varianten der Eigennamen und des Unfallhergangs entsteht. Man ertappt sich dabei, sich zu fragen, was jetzt wohl als Nächstes kommen könnte. Ziemlich erheiternd ist auch die Episode mit dem Handspiegel, aber das lest bitte selber.

Selbstbild-Störung“ ist eine solide Kurzgeschichte, die Aufmerksamkeit verdient hat.