Rezension zu „Stationär“ von Fia-Lisa Espen

„Sie musste sich festhalten gegen das Wegdriften der Zeit.“

Heute möchte ich euch einen Roman vorstellen, der mich ganz besonders beeindruckt hat. Er nennt sich „Stationär“ und ist von Indie-Autorin Fia-Lisa Espen geschrieben. Sie ist noch recht neu auf unserer Selfpublishing-Plattform BookRix, beweist aber mit dem hier vorgestellten Werk, dass sie die Kunst des Schreibens quasi im Schlaf beherrscht.

Buchcover Fia-Lisa Espen - "Stationär"Stationär“ ist eine fiktive Geschichte, die von psychischen Problemen und ihren Folgen handelt. Wir lernen nacheinander zwei junge Frauen kennen, Rebecca und Charlotte. Beide treffen in derselben psychosomatischen Klinik ein. Ihre Probleme sind verschieden: Rebecca leidet am Borderline-Syndrom, Charlotte ist magersüchtig. Obwohl sich ihre Lebensgeschichten nicht gerade ähneln, kommen sich die beiden langsam näher und es entwickelt sich eine zarte Beziehung zwischen ihnen. Doch ist diese nur ein Mittel, um sich vor ihren Krankheiten und Ängsten zu schützen, oder gibt es da etwas, das die beiden tief verbindet?

Die Handlung ist in mehrere Kapitel untergliedert, die jeweils die Geschehnisse eines ganzen Tages schildern. Die Perspektive wechselt häufig zwischen den beiden Protagonistinnen hin und her, wobei dann als kleine Orientierungshilfe der Anfangsbuchstabe des neuen Absatzes fett geschrieben ist. Man findet sich aber auch ohne diese Maßnahme gut zurecht, da die Figuren sehr ausführlich dargestellt und deshalb unverwechselbar erscheinen. Stilistisch ist der Text sehr ansprechend. Dann und wann kommt zwar eine Wortwiederholung vor, doch es gibt immer wieder überraschend kreative Formulierungen, die das Lesen zu einer unvergleichlichen Entdeckungsreise werden lassen. Zu beanstanden sind am ganzen Buch nur zusammengesetzte Verben, die nicht zusammengeschrieben sind. Ansonsten macht der Text einen perfekten Eindruck.

Sehr aussagekräftig sind vor allem die zahlreichen Rückblenden in die Vergangenheit der beiden Hauptfiguren, die durch konsequente Kursivschrift deutlich gekennzeichnet sind. Durch diese Erinnerungsbruchstücke kann das Leben und Erlebte der beiden nach und nach erschlossen und verstanden werden. Es macht betroffen und stimmt nachdenklich, doch es gibt auch immer wieder Hoffnungsschimmer, die sich am Horizont abzeichnen.

Mit gerade mal 0,99€ ist „Stationär“ sehr günstig zu haben, meiner Meinung nach sogar deutlich zu günstig, wenn man bedenkt, dass das Buch in fast allen Belangen sehr gelungen ist. Vor allem inhaltlich hat der Roman viel zu bieten, was nach dem Lesen noch lange in Erinnerung verbleibt. „Stationär“ ist sicherlich keine leichte Lektüre, die man beiläufig verschlingen kann. Vielmehr wird man selbst davon verschlungen, von den gewaltigen Emotionen, über die hier berichtet wird. Wer also ein Buch nicht nur lesen, sondern wahrlich erleben möchte, sollte dieses in einer ruhigen Stunde genießen. Es wird sich lohnen.

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