Rezension zu „Steinerne Zeugen“ von Wolfgang Häring

„Wissende Steine“

  

Buchcover Wolfgang Häring "Steinerne Zeugen"Der Autor Wolfgang Häring – Nutzername „alexanderwolle“ – lebt im Erzgebirge. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er sich auch literarisch mit hohen Bergen und schroffen Felsen auseinandersetzt. So ist unter anderem ein Gedicht namens „Steinerne Zeugen“ entstanden, dem sich dieser Blogbeitrag widmet.

Der Text besteht aus insgesamt 74 Zeilen, die in sieben Strophen unterschiedlicher Länge gegliedert sind. Es liegt kein durchgängiges Reimschema vor, doch erscheinen dann und wann Wortpaare mit gleich lautenden Silbenausgängen. Ebenfalls gibt es kein Versmaß. Dennoch ist das Gedicht recht flüssig zu lesen, da sich eine allzu enge Form ja oftmals eher kontraproduktiv auswirkt; hier erscheint eine geradezu leichtfüßige Folge von Satzgliedern, die wie ein kalter Gebirgswind vorüberrauscht.

Am besten gelungen ist aber die Umsetzung des Inhalts. Die wissenden Steine berichten eine grausige Begebenheit, die sich vor langer Zeit in ihrer Mitte abgespielt hat. Wir werden Zeuge eines jähen Todes, der einen Bergbewohner ereilt, über den wir nicht viel wissen. Zu erahnen ist, dass er kein schönes Leben geführt hat. Allerdings wird er von einer höheren Macht mit sich genommen.

Insgesamt ist „Steinerne Zeugen“ ein inspirierendes Gedicht. Die kurzen Zeilen passen sehr gut zu der Vorstellung der wissenden Steine, die sich die tragische Geschichte aus fernen Tagen mit knappen Worten erzählen. Die Stimmung wird dabei wie in einem Film festgehalten. Zwar löst sich am Ende nicht jedes Rätsel, aber das muss es auch nicht, denn die vielen Andeutungen sagen mehr als Worte.

Wer finstere Poesie mag, sollte sich Wolfgang Härings Werk also einmal anschauen.