Rezension zu „Wächter der Unterwelt“ von Sandra Todorovic

„Hey Dad, ich brauche ein Buch, um meinen unsichtbaren Freund loszuwerden.“

Dieses Zitat stammt aus dem Roman „Wächter der Unterwelt“ von Sandra Todorovic und hat mir so gefallen, dass es als Überschrift für diese Rezension herhalten muss. Außerdem kann ich bereits jetzt verraten, dass das Zitat nicht das Einzige ist, was mir an der Geschichte gefallen hat.

Sandra Todorovic "Wächter der Unterwelt"Das Buch bildet den ersten Teil einer Fantasy-Reihe, hat aber ein in sich abgeschlossenes Ende. Wir lernen zunächst die siebzehnjährige Sara kennen, die mit ihrem Vater und der Großmutter in New York lebt. Ihre Mutter ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Wenn sich ihr Todestag jährt, hat Sara das mulmige Gefühl, dass sie jemand beobachtet, den sie aber nicht sehen, sondern nur erahnen kann. Zuerst nimmt sie ihn nur nachts wahr, doch schon bald viel öfter und er flüstert sogar zu ihr. Sie weiß nicht, ob sie das ihren Freunden oder Angehörigen anvertrauen kann.

Jedoch wird sie durch einen neuen Schüler in ihrer Klasse gehörig abgelenkt. Er heißt Dante, sieht gut aus und hat ein beachtliches Talent für das Klavierspielen. Schon bald stellt Sara fest, dass er noch weitere absonderliche Eigenschaften hat, deren Ursache sie nach und nach ergründet.

Wer sich an dieser Stelle verzweifelt abwenden möchte, weil das bisher Geschilderte ein wenig nach „Twilight“ klingt, sollte bitte weiterlesen. Es gibt zwar zu Beginn der Handlung gewisse Ähnlichkeiten zu der Vampirliebesgeschichte, doch kann ganz klar gesagt werden, dass sich „Wächter der Unterwelt“ recht schnell in eine ganz andere Richtung entwickelt und überdies wesentlich gehalt- und auch gefühlvoller erscheint. Die Schicksale der Protagonisten und ihre Verstrickungen untereinander sind hier außerdem wesentlich komplexer und demzufolge auch interessanter. Beim ersten Anlesen packt einen also gleich die Neugier, was da wohl vor sicht geht.

Kurzweilig wird die Geschichte auch deshalb, weil sie abwechselnd aus Saras und Dantes Perspektive geschildert wird. Und am Schluss kommt es noch zu unerwarteten Wendungen.

Was die Umsetzung des Stoffes in die literarische Form anbelangt, macht „Wächter der Unterwelt“ einen erfreulich guten Eindruck. Die Wortwahl ist zumeist treffend und abwechslungsreich. Dann und wann gibt es zwar Wiederholungen, aber diese kommen so selten vor, dass sie nicht störend auffallen. Die Rechtschreibung ist, von ganz wenigen Flüchtigkeitsfehlern abgesehen, ebenfalls ordentlich, was nicht verwundert, da das gesamte Buch lektoriert worden ist. Nur mangelt es des Öfteren an einem Komma. Die Zeitenfolge ist in einigen Fällen nicht ganz stimmig, da das Plusquamperfekt etwas vernachlässigt wird. Insgesamt kann man jedoch feststellen, dass die Autorin ein solides Werk abgeliefert hat.

Das Buch ist zu einem Preis von 2,99€ zu haben, was völlig angemessen ist. Nicht nur die äußere Form überzeugt, sondern auch die spannende Handlung, die einige Überraschungen bereithält. Fantasy-Fans werden diesen Roman ebenso lieben wie diejenigen Leser, die qualitativ zufrieden stellende Texte zu schätzen wissen.

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