Rezension zu „Maeves Grab“ von Pia Recht

„Pat warf ihm einen Blick zu, bei dem Milch sauer geworden wäre …“

Irland, die grüne Insel, ist nicht ohne Grund bekannt für angenehme Musik und mystische Geschichten. So ist es auch zu einer Quelle der Inspiration geworden, aus der viele Autoren gerne schöpfen. Auch Pia Recht, die sich im Netz sinnigerweise „Dubliner Tinte“ nennt, hat ein ausgesprochenes Faible für dieses Land und sein ganz besonderes Flair. Da verwundert es kaum, dass ihr neuer Sammelband „Maeves Grab“ ebenfalls auf der Insel spielt.

Das Werk enthält drei vollständige Romane und somit eine ganze Menge Lesestoff. Die Hauptfigur ist Sorley O’Cearnaigh, ein ehemaliger IRA-Aktivist. Da er nicht mehr für diese Organisation tätig ist, verdingt er sich dann und wann für andere Auftraggeber, die kleinere und größere Probleme zu lösen haben. In „Maeves Grab“ sind es dann eher größere Angelegenheiten, die beileibe nicht ungefährlich sind. So muss Sorley einen Heckenschützen in London ausschalten, in einem abgelegenen Kaff in Irlands Westen eine Zielperson eliminieren, ohne zu wissen, wer der Auftraggeber überhaupt war, und schließlich verhindern, dass sich jemand am Grab einer Feenkönigin zu schaffen macht. Mit von der Partie ist stets Pat Fanning, mit der sich Sorley so gut verstehen könnte, wenn – ja wenn – die beiden nicht eine hingebungsvoll gepflegte Hassliebe verbinden würde.

Wer Irland mag, kommt natürlich von Beginn an auf den Geschmack dieser Geschichten, zeigen sie doch die gesamte Bandbreite irischer Eigenarten, und das ist eben nicht nur das Idyllische und Märchenhafte. Tatsächlich spielen der Nordirlandkonflikt und die durch ihn entstandenen Verletzungen eine bedeutende Rolle in den drei Romanen und somit werden auch die unerfreulichen Seiten der grünen Insel klar angesprochen. Daraus ergibt sich jedoch eine äußerst spannende Mischung, die beim Lesen nicht nur für reichlich Nervenkitzel sorgt, sondern den Geschichten eine unvermutete Tiefe verleiht, durch die man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Gleichzeit verfügt Pia Recht jedoch auch über einen feinen Sinn für Humor und Wortwitz, der immer wieder durchbricht. Man langweilt sich hier also absolut nicht.

Die Ausarbeitung des Werkes ist sehr gut. Sorley und Pat sind Figuren mit Ecken und Kanten und werden mit viel Liebe zum Detail vorgestellt, sodass man sie mag, auch wenn sie mal Mist bauen. Rechtschreibung und Grammatik bieten keinen Grund zur Klage und der Schreibstil der Autorin verfügt über eine deutlich ausgeprägte und sehr angenehme persönliche Note, durch die sich Pia Rechts Texte von der Masse abheben. Besonders eindrucksvoll ist die Genre-Mischung aus Thriller und Fanatsy-Elementen in der Episode „Maeves Grab“ ausgefallen. Hier werden keine ausgetretenen Pfade beschritten, vielmehr entsteht nach und nach eine ganz eigentümliche Stimmung, die man so bei kaum einem anderen Buch wahrnimmt.

Alles in allem ist „Maeves Grab“ eine sehr gute Wahl, wenn man spannende und mitreißende Lektüre sucht. Nicht nur die Fans der grünen Insel werden es genießen. Die drei Romane bieten durch gute Ausgestaltung und charismatische Protagonisten ein ganz besonderes Leseerlebnis. Unbedingt reinschauen!

Be Sociable, Share!