Sand im Zeitmaschinengetriebe

Jurywertung – die Zweite

Bevor die zweite Jurywertung jedoch kommt, möchten wir euch noch erklären, wie die Punkteverteilung aussieht.
Der erste Platz erhält 3 Punkte, Platz zwei bekommt 2 und Platz drei 1 Punkt. Am Ende werden alle Punkte addiert und die Geschichte mit den meisten Punkten hat gewonnen. Gar nicht so schwierig, oder?

Somit sah die Punkteverteilung nach der ersten Wertung so aus:

Juli Weiß: Die Sanduhr der Schattenstreicher 3

susymah: Der dreizehnte Schädel 2

Vivian Angelique: Diamanten der Zeit 1

Melpomene: Wimpernschläg 0

Sookie A. Jupiter: The Time-Cab 0

Crinwell: Maries letzte Stunden 0

Hollly: Juliette 0

Elisabeth Alicia Lorey: Sound of Time 0

Alessa S. Liat: Windgeflüster 0

wolfseibert (W), lillekat (L), robustus (R), buechereimaus (B):The Dreamers Inn 0

Jana Oltersdorff: Am Anfang und am Ende 0

Brigitte R.: Kurzes Glück 0

Katja Zwieselfuss: Wo sind alle hin? 0

Brigitta Wullenweber: Animusa 0

Reggi67: IFTT 0

Als eingefleischter Fan der SF-Serie „Dr Who“ ist Dubliner Tinte geradezu prädestiniert als Jurorin für einen Wettbewerb über Zeitmaschinen. Sie ist Jahrgang 1966, lebt im Rheinland und ist seit Juli 2010 bei BookRix. Hier ist ihre Wertung:

Alle Beiträge (nicht nur die Pokalgewinner und Wildcards) waren von guter Qualität und ich habe in keiner Geschichte grobe Rechtschreibfehler oder andere Patzer gefunden (bis auf ein Buch ohne Text …). Manche Geschichten streiften nur leicht das Thema Zeitreise, andere vollführten einen perfekten Looping in der Zeitschleife. Die schwere Entscheidung ist nun gefallen:

Wimpernschläge – Melpomene – Platz 1

Leonardo da Vinci und die Mona Lisa – wenn ich Drucke und Fotos von diesem Gemälde sehe, muss ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass dieses Gemälde gerade mal 77 mal 52 cm groß ist. Es ist winzig im Vergleich zu anderen Gemälden.
Was aber Melpomene noch aus diesem Gemälde und seine Geschichte herausgeholt hat, führt den Leser auf eine Zeitreise, die mit einem gehauchten „Und er bewegt sich doch“ beginnt.
In der Gegenwart, 2012, ist Claire dem Geheimnis des Bildes auf der Spur. Der schlaue Fuchs Leonardo hat etwas entdeckt und es in sein Meisterwerk hineingepackt. Im Laufe der Zeit erahnen es manche, aber niemand kann es fassen.
Melpomene hat ihre beiden Charaktere, Michel und Claire auf diese Reise durch die Zeit geschickt, sie hat gut recherchiert und alles in eine fesselnde Geschichte gepackt.
Weshalb der erste Platz? Weil das Thema Zeitreise perfekt umgesetzt wurde und ich während des Lesens in die Geschichte hineingefallen bin. Ich habe die Zeit vergessen während des Lesens und mich gefragt, ob etwas dran sein könnte. Schließlich war Leonardo ein anerkanntes Genie.

Animusa – Brigitta Wullenweber Platz 2

Das Ziel ist Glückseligkeit. Die Geschichte von Animusa hat mich vom ersten Satz gefesselt und ist mir wirklich unter die Haut gegangen. Sie beschreibt die ewige Reise des Lebens, Animusa wird geboren, lebt und stirbt, immer und immer wieder. Ihre Existenz ist ein einziger Kreislauf und das ist das Experiment. Animusa durchlebt alles, was die Menschheit durchlebt, Armut, Reichtum, Trauer, Glück, Leiden, und immer wieder der Tod, der bei ihr kein Ende, sondern ein neuer Anfang ist.
Wer uns von Animusa erzählt, bleibt im Dunkeln.
Die Geschichte ist perfekt erzählt, reißt den Leser mit, obwohl alles aus einer passiven Sicht erzählt wird. Wir bekommen Animusa weder zu Gesicht noch können wir sie wirklich kennenlernen.
Weshalb Platz 2? Brigitta hat das Thema Zeitreise sehr philosophisch umgesetzt und außergewöhnlich gut geschrieben, nachdenklich und heiter zugleich. Und allein das „Sand existiert auch nicht“ ließ mich noch lange später darüber nachdenken.

The Dreamers Inn – Lillekat, Robustus, Wolfseibert, Büchereimaus – Platz 3

Vier Autoren, die diese Geschichte mit voller Pulle durch den Unwahrscheinlichkeitsdrive gejagt haben. Es taucht Douglas Adams auf, nur mit einem Handtuch bekleidet (mit was sonst), sie erleben durchgeknallte Szenen in dem Dreamers Inn, das offensichtlich der Ableger des Restaurants am Ende der Galaxis ist.
Eine Geschichte, die einfach wahnsinnigen Spaß gemacht hat, sie zu lesen, und nachzusehen, wer welche Szene geschrieben hat, den kleinen Hyperlinks zu folgen, die Randnotizen zu bemerken.
Wie ein einem ordentlichen Traum, folgt diese Geschichte keinen Regeln, nur den eigenen, und man folgt ihr einfach.
Weshalb der dritte Platz? Das Dreamer’s Inn hat es gemacht, weil es konsequent durchgeknallt und von vier Autoren geschrieben wurde, die ihr Handwerk verstehen und offensichtlich einen Heidenspaß dabei hatten. Dieser Lesespaß zu einem gut umgesetzten Thema war ansteckend.