Selfpublishing 3.0 – Die neue Art des Veröffentlichens

Der bekannte, englischsprachige Autor James Altucher veröffentlichte vor Kurzem einen Blogbeitrag mit dem Titel „How to Self-Publish a bestseller – Publishing 3.0“. Darin beschrieb er wichtige Aspekte aus der sich immer wandelnden Buchbranche. Die fleißigen Jungs von ebookmeter haben den Beitrag für den deutschen Markt ausgewertet und viele interessante Punkte aufgegriffen:

Wie man trotz größer werdender Konkurrenz als Selfpublisher Erfolge verzeichnet

Der Buchmarkt ist in Bewegung, gar kein Zweifel. Das eBook ist angekommen und erobert fleißig Marktanteile. Längst führen die elektronischen Bücher kein Schattendasein mehr und erfreuen sich wachsenden Zuspruch. Zur Freude der Autoren, die durch diese Entwicklung und die entsprechenden Angebote der Händler noch nie so einfach ein Buch veröffentlichen konnten wie heute. Doch der Markt ändert sich und Autoren sollten aufpassen. Der für seinen berüchtigten ‘Finger am Puls der Zeit’ bekannte Nachrichtendienst ‘Techcrunch’ veröffentlichte einen Beitrag zum Selfpublishing, der einen Trend aufzeigt, der ohne Zweifel auch nach Deutschland kommen und die Autoren dort betreffen wird. Aber auch die Chance eröffnet, sich als Autor deutlich abzugrenzen und einen wirklich qualifizierten ‘Bestseller’ zu veröffentlichen. Grund genug also, diese Meldung näher zu betrachten und zu versuchen, die dortigen Wege so anzupassen, dass sie auch auf den deutschen Markt anwendbar sind.

Sicher ist es vermessen, in einer Überschrift einen Wegweiser anzudeuten, wie man als Autor einen Bestseller veröffentlicht und selbst uns überraschte diese Überschrift der erwähnten Meldung. Doch befasst man sich näher damit kommt man zweifellos zu dem Entschluss, dass es am Ende gar nicht mehr so vermessen ist, sondern tatsächlich ein Weg sein kann, der in die Zukunft weist. Denn längst ist das Selfpublishing aus der Schmuddelecke herausgekommen und immer mehr Autoren entschließen sich dazu, ihr Buch in Eigenregie zu veröffentlichen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand:

  • Mehr Geld: Wenn man nicht gerade ein gestandener Bestsellerautor wie Stephen King, Joanne K. Rowling oder Dan Brown ist, winkt im Selfpublishing deutlich mehr Geld für einen Autor, als wenn er über einen Verlag veröffentlichen würde.
  • Kontrolle über das Design: Als Autor, der selbst veröffentlicht, behält man die Kontrolle über das Design oder das Layout des Buches.
  • Geschwindigkeit: Ein Buch selbst zu veröffentlichen beansprucht deutlich weniger Zeit, als die Veröffentlichung über einen Verlag.
  • Kontrolle des Inhalts: Als selbstveröffentlichender Autor behält man stets die Kontrolle über den Inhalt und kann die Botschaft, die das Buch an den Leser bringen will auch wirklich so veröffentlichen, wie sie geplant ist, während bei Verlagen Lektoren, Korrektoren und selbst die Marketing-Abeilung in der Regel versucht, den Inhalt so anzupassen, dass er eine möglichst weitgefächerte Zielgruppe anspricht.

Diese Vorteile erkennen auch immer mehr Autoren, die bislang bei Verlagen veröffentlichten und gehen den Schritt, ein neues Buch selbst zu veröffentlichen. Mehr und mehr Autoren wandern also von den Verlagen ab und beschreiten den Weg des unabhängigen Veröffentlichens. Doch hier liegen nicht nur Chancen, sondern auch Gefahren. Denn jeder neue Autor im Selfpublishing greift nach dem gleichen Kuchen, wie all die anderen, bereits längere Zeit auf diesem Weg veröffentlichenden Autoren. Es entsteht also ein vollkommen neuer Markt im Bereich der Buchveröffentlichung. Der Markt 3.0:

Als Markt 1.0 kann man jenen Markt bezeichnen, der traditionell lange Zeit vorherrschte. Jener Markt, in dem der Autor sein Buch über einen traditionellen Verlag veröffentlichte.

Der Markt 2.0 entstand mit der Einführung der Möglichkeit des Selfpublishing. Autoren mussten nicht mehr den Weg über einen Verlag gehen, sondern konnten in freier Eigenverantwortung und Eigenregie ihr Buch dem Leser anbieten. Dieser Markt besteht neben dem Markt 1.0 und brachte nur zusätzliche Möglichkeiten für neue Autoren, während etablierte Autoren weiter über ihre Verlage veröffentlichten.

Der Markt 3.0 ist der Markt, der jetzt im Entstehen ist und in dem Autoren vom ersten Markt auf den zweiten strömen, also sich von den Verlagen abwenden und in Eigenregie veröffentlichen, weil sie die deutlichen Vorteile für sich erkennen.

(…)

Hier die Schritt-für-Schitt Anleitung, wie man als Self-Publisher auch in einem derart gewandelten Markt erfolgreiche Titel etablieren kann:

Bauen Sie frühzeitig Ihre Plattform: Starten Sie rechtzeitig damit, sich eine Plattform über Ihr geplantes Werk zu bauen. Facebook, Twitter, eine eigene Autorenwebseite sollten bereits frühzeitig etabliert werden, selbst wenn das Buch noch in Planung ist. So können Sie schrittweise schon zukünftige Leser darüber informieren, was sie später erwarten wird. Werden Sie für die Leser zu einer ‘lebenden Person’, also schreiben Sie auch darüber, wie Sie fühlen, wie es Ihnen beim Schreiben geht oder wenn Ihnen etwas beim Schreiben passiert ist, das die Leser schmunzeln oder mitfühlen lässt; Sie eben zum ‘Menschen’ macht, mit dem man sich identifizieren kann. Ein Blog kann dabei auch sehr hilfreich sein, in dem Sie regelmäßig über Ihre Erfahrungen berichten. Viele Autoren fangen erst nach der Veröffentlichung mit diesen Plattformen an und erwecken dann beim Leser den Eindruck, diese Netzwerke nur zu Werbezwecken zu nutzen, während die, die von vornherein die Leser auch schon am Schreiben teilhaben lassen, ein regelrechtes ‘Mitfiebern’ auf das neue Buch bei den Lesern erleben werden. Das führt zu hohen Verkaufszahlen am Veröffentlichungstag und zum Einzug in jene Listen bei amazon, die weitere Aufmerksamkeit und damit Leser bringen. Denn letztendlich ist der Schlüssel zum Erfolg, dass man sichtbar wird und die größte und erfolgreichste Sichtbarkeit bringen die Listen, in denen man als Buch auftaucht (Bestseller, Neuerscheinungen etc.).

Schreiben Sie: Das mag komisch klingen für einen Autor, ist aber einer der empfohlenen Schritte für Erfolg im Markt 3.0. Schreiben Sie jeden Tag mindestens 500 – 2000 Worte, um die Schreibfähigkeiten und Schreibroutine zu trainieren. Lesen Sie parallel dazu Bücher von guten Autoren und denken Sie gezielt darüber nach, wie diese Autoren es geschafft haben, bei Ihnen Aufmerksamkeit zu erzeugen.

(…)

Bearbeitung: Das ist vermutlich der wichtigste Punkt in dieser Liste. Machen Sie sich bitte klar, dass nicht nur Autoren die Verlage verlassen, sondern auch bisher dort arbeitende ‘Fachkräfte’ wie Lektoren, Grafiker oder Werbefachleute. Sie alle sind auch in zunehmender Zahl auf dem ‘freien Markt’ zu finden und bieten dort ihre Leistungen in Eigenregie an. Auch wenn man als Autor im Markt 2.0 bislang tatsächlich sagen konnte, dass die Arbeit mit dem Fertigstellen und dem letzten Wort am Buch beendet war, so wird dies in Zukunft nicht mehr ausreichend sein, um genügend Leser zu finden. Beauftragen Sie einen professionellen Lektor mit dem Lesen des Buches und lassen Sie es Korrekturlesen. Hier reichen Freunde oder Familie längst nicht mehr aus. Lassen Sie sich Antworten darauf geben, ob beim Lesen das gewünschte Gefühl beim Leser erzeugt wird, ob der Handlungsfaden logisch und zusammenhängend deutlich wird und nicht zuletzt, ob die Intention, die man als Autor mit dem Buch hat, auch am Ende beim Leser angekommen ist. Wird das erreicht, was erreicht werden sollte? Ist die Handlung logisch und schlüssig und nicht zuletzt, entsteht beim Lesen das Bedürfnis, weiterlesen zu müssen? Reagieren Sie auf diese Kritik und beheben Sie dann eventuelle Fehler und fertigen wenn nötig einen neuen Entwurf an. Ist das geschehen, geht es weiter. Denn nicht selten sind auch professionelle Lektoren leicht ‘betriebsblind’ (wobei das nicht negativ gemeint ist). Geben Sie jetzt diesen Entwurf an ‘echte’ Testleser heraus mit der Bitte, die selben Fragen zu beantworten. Hier eignen sich Blogger oder bekannte Vielleser, die man leicht mit etwas Rechercheaufwand (oder über die Plattform aus dem ersten Schritt) findet. Reagieren Sie wenn nötig auf diese Rückmeldungen und fertigen eine neuen Entwurf, bei dem Sie diese Rückmeldungen berücksichtigen. Natürlich kann das leicht zu fünf, sechs oder zehn Entwürfen führen, bis man wirklich ein Buch vor sich hat, das all das erfüllt, was Sie als Autor beabsichtigen. Der Autor des Beitrages bei ‘Techcrunch’ sagte dazu, dass er insgesamt bei seinem letzten Buch 15 Entwürfe fertigen musste, bis er schließlich veröffentlichte. Dabei formulierte er den Satz:

Nils und ich mussten immer wieder zurück gehen, um das Buch zu verändern. Doch der Unterschied zwischen dem ersten Entwurf (der eigentlich ursprünglich hochgeladen werden sollte) und dem dann fertigen Werk war in etwa so, wie der Unterschied zwischen Hühnerscheiße und Hühnchensalat.

Nils war in diesem Fall der Testleser und Lektor. Aber es wird deutlich: Um ein Buch zu schreiben und in Eigenregie zu veröffentlichen reicht es längst nicht mehr aus, nur die Worte zu tippen und dann das Buch hochzuladen. Dafür strömen immer mehr Profis und gestandene Autoren auf den Markt, neben denen es zu bestehen gilt.

Das Cover: Ist der Inhalt so, wie er sein soll und fertig zum Veröffentlichen, geht es um das Cover. Der erste Eindruck zählt und trägt nicht selten zu einem großen Teil dazu bei, ob ein Buch erfolgreich wird oder nicht. Bitte lesen Sie diesbezüglich auch unseren Beitrag, den wir speziell zum Thema Cover veröffentlichten:

Titel: Ebenso wichtig wie das Cover ist die Wahl des richtigen Titels. Nutzen Sie die Möglichkeit, einen Test zu machen. Machen Sie insgesamt fünf Vorschläge für den Buchtitel und fragen Sie dann das Netzwerk aus Schritt 1 und Blogger oder Vielleser, welcher Titel das Buch am ehesten trifft oder welcher Titel die Neugierde weckt. Wenn Sie Facebook nutzen, machen Sie dort eine Umfrage, die lässt sich leicht erstellen. Denn nur so erfahren Sie, wie der Leser wirklich tickt und welchen Titel er ansprechend findet. Sie sehen, dass alle schritte im Endeffekt ineinander greifen: Der Fan aus dem ersten Schritt, der sorgsam gepflegt und mit eingebunden wird, bis hin zum Blogger, der den Inhalt prüft. Letztendlich wird sich auch der Fan aus dem Schritt 1 dafür bedanken, mitwirken zu dürfen, in dem er das Buch später kaufen wird.

(…)

Wenn all diese Schritte befolgt und bedacht sind, dann kann das Buch wirklich neben den etablierten und neu auf den Markt strömenden professionellen Autoren bestehen und die Leser überzeugen. Natürlich ist es dann auch noch Glückssache, ob und wie oft sich ein Buch verkauft. Aber letztendlich wird es sich nicht verstecken müssen und es bleiben Bewertungen wie “Unlogische Handlung”, “Schlechte Formatierung”, “viele Fehler” oder “Abgehackte Schreibweise” erspart. Selbst wenn die genannten Schritte nicht alle kostenlos zu haben sind und Investitionen bedeuten, so wird das fertige Ergebnis hier deutlich mehr Chancen haben, sich erfolgreich zu verkaufen, als wenn der Autor mit dem Buch diese Schritte nicht befolgt hätte. Nicht zuletzt kann mit dieser Vorarbeit auch ein deutlich höherer Preis genommen werden und damit die Vorkosten um ein Vielfaches wieder einspielen. Der Markt verändert sich und in Zukunft wird der Indie-Autor auch große Namen neben sich haben. Rechtzeitig die Tendenz zu erkennen und die sich bietenden Chancen zu nutzen werden deshalb essentielle Zutaten für zukünftige Erfolge sein.

Wir bedanken uns bei Andy und Michi von www.ebookmeter.info

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