Schlagwort-Archive: Abschied

Rezension zu „der weg in das morgen“ von Renate M. Kaufmann

„Leid ist nur ein Augenblick“

 

Buchcover Renate M. Kaufmann "der weg in das morgen"Mal wieder ist es an der Zeit, einen ganz besonderen Schatz zu heben. Der Gedichtband „der weg in das morgen“ hat mich sehr berührt, weil seine Autorin Renate M. Kaufmann – ihr Nutzername ist „renatekaufmannarts“ – ihn laut Klappentext nach dem Tode ihrer jüngsten Tochter geschrieben hat.

Das beinhaltet nicht nur neun Gedichte, sondern auch acht gemalte Bilder (das Cover mitgezählt), die die ausformulierte Botschaft anschaulich ergänzen und eine Tendenz erkennen lassen: Da wo man ein Schwarz als Farbe der Trauer erwarten würde, findet man ein warmes Bunt, das in verschiedenen Mustern sanft dahinfließt. Dieser Eindruck bestätigt sich dann auch beim Lesen der Texte. Diese beschäftigen sich zwar mit dem leidvollen und unvermeidbaren Abschied, den der Tod eines nahe stehenden Menschen darstellt, doch sie klingen weder bitter noch entmutigt. Stattdessen drücken sie Verständnis aus, das Erkennen des Neuen, das sich durch den Tod einstellt. Besonders deutlich wird dies in „vergänglichkeit“, in welchem das (physische) Nicht-Sein in einem anderen Licht betrachtet wird, das mehr erkennen lässt als die Augen zu sehen vermögen.

Die Gedichte unterliegen keinem strengen Metrum, auch wenn manchmal bestimmte Zeilen wiederholt werden, um den Text in Strophen zu gliedern. Auch ist kein Reim vorhanden. Diese beiden Umstände verdeutlichen aber nochmals die Grundstimmung des Loslassens, des Freilassens, dem allzu starre Formen nur im Wege stehen würden.

Renate M. Kaufmann hat in diesem Band etwas geschaffen, was durch so viel Liebe und künstlerischer Anmut fasziniert und zeigt, was man mit Worten erreichen kann. Dazu gesellen sich hier noch die Bilder mit ihren beruhigenden Farbspielen. Das Buch ist also etwas ganz Besonderes und ich bin froh, es gefunden zu haben.

Rezension zu „Du fehlst mir so sehr“ von Enya K.

„Deinen Namen werden die Wellen auslöschen, du aber bist mir eingebrannt.“

 

Buchcover Enya K. "Du fehlst mir so sehr"Es gibt Texte, die sind mehr als eine bloße Aneinanderreihung schöner Worte. Einen solchen Text möchte ich Euch heute vorstellen. Er heißt „Du fehlst mir so sehr“ und stammt von Enya K.

Das Buch ist in die Kategorie „Biographie“ eingeordnet und schildert eine wahre Begebenheit. Es handelt vom endgültigen Abschied, der durch eine Krankheit herbeigeführt wird. Eine Ich-Erzählerin berichtet von ihren Eindrücken in der Zeit vor dem Tode eines ihr sehr wichtigen Menschen, vom letzten gemeinsamen Urlaub und auch von der Unfähigkeit, über die aufziehenden Schatten zu sprechen. Der Text ist dabei aus mehreren Abschnitten zusammengestellt, die an Tagebucheinträge erinnern.

Stilistisch ist nichts zu beanstanden. Hier begegnen sich ausgezeichnete Wortwahl und hochgradig emotionaler Ausdruck, um eine Stimmung zu erzeugen, die das Erlebte beim Lesen fühlbar werden lässt. Man nimmt Schwere wahr und Sprachlosigkeit. Geradezu verblüffend ist dabei, wie Enya K. es schafft, die Abwesenheit von Worten mit Worten zu umschreiben. Aber auch die Intensität des Gefühlten ist überwältigend. Die Transformation von Empfindungen in Geschriebenes ist gelungen.

Auffällig sind die Wiederholungen des Titels im Text, die zwischen den einzelnen Abschnitten auftauchen. Bei diesen wird stets das letzte Wort ausgelassen, sodass sie mit jeder Wiederholung kürzer werden, bis schließlich nur noch das „Du“ übrig bleibt und zugleich das letzte Wort des Buches bildet. Dies verdeutlicht die Erinnerung an den geliebten Menschen, das Bleiben und Nicht-Verblassen des Du.

„Du fehlst mir so sehr“ ist ein Text, der in vielerlei Hinsicht beeindruckt. Das bloße Aneinanderreihen von Worten lässt er weit hinter sich.