Schlagwort-Archiv: Beziehung

Rezension zu „Atem auf deiner Haut“ von Ewa Aukett

Mut und Entschlossenheit …

Mal wieder hat die Autorin mit dem angenehm vielseitigen Schreibstil, Ewa Aukett, ein neues Werk verfasst. „Atem auf deiner Haut“ ist sein Titel, der bereits andeutet, wohin die Reise geht, nämlich ins Romantische. Doch auf dem Weg dahin gibt es einige Hindernisse zu überwinden. Die habe ich mir etwas genauer angesehen.

Doch fangen wir vorne an. Kirsten MacAllister, eine Frau im besten Alter, ist eine erfolgreiche Künstlerin. Ihre Bilder verkaufen sich gut, doch zu Hause läuft nicht alles so reibungslos, wie sie es gerne hätte. Sie ist mit Jeff verheiratet, die Beziehung ist glücklich, nur kann Kirsten selbst keine Kinder bekommen und mit Jeffs Tochter aus erster Ehe, der achtzehnjährigen Grace, versteht sie sich sehr schlecht. Außerdem benimmt sich Jeff in letzter Zeit etwas merkwürdig und hält sich bis spät am Abend im Büro auf, angeblich um an einem geheimen Projekt zu arbeiten. Wenn Kirsten nur wüsste, dass er dabei ist, eine Überraschungsparty zu ihrem 30. Geburtstag vorzubereiten.

Wie man es von Ewa Auketts bisherigen Büchern – z.B. das wundervoll komplexe „Crafael“ – schon gewöhnt ist, kommt auch der neue Roman in sehr ansprechender Form daher, was sowohl für die äußere Aufmachung mit einem von Sascha Pikkemaat eigens dafür illustrierten Cover wie auch für den Inhalt gilt. Hier bekommt man – mal wieder – ein Buch, das in puncto Ausarbeitung und Rechtschreibung keinen Grund zur Beanstandung bietet. Und die Geschichte, die hier erzählt wird, bahnt sich mühelos den Weg in die Herzen ihrer Leser. Kirstens Gefühlswelt wird nachvollziehbar und mitreißend geschildert. Man erlebt die Höhen und Tiefen ihres Lebens quasi hautnah mit und wird fast schon ein unsichtbarer Teil ihrer Familie. Von knisternder Erotik bis hin zu zwischenmenschlichen Desastern bekommt man alles geboten.

Dass die Geschichte um Kirsten so emotional und einfühlsam ausgefallen ist, kommt nicht von ungefähr, denn wie wir im Nachwort von der Autorin erfahren, hat auch ihre Schwester, der dieses Buch übrigens gewidmet ist, selbst einen Schicksalsschlag erfolgreich überwunden. Folglich steht auch Kirsten in ihrem fiktiven Leben oft an dem Punkt, an welchem sie der Mut verlässt und sie schon aufgeben möchte. Doch wie sich zeigt, kommt dann plötzlich wieder eine weitere Wendung im Weltenlauf und die Karten werden neu gemischt. Das erkennt Kisten schließlich und nutzt es für sich, indem sie wieder kämpft.

Atem auf deiner Haut“ ist also eine Geschichte, die Mut macht und zeigt, wie wichtig ein jeder Moment des Lebens doch ist. Anhand von Kirstens Beispiel stellen wir fest, dass selbst im tiefsten Jammertal noch eine Quelle für neue Hoffnung sprudelt.

Man kann daher mit Fug und Recht behaupten, dass „Atem auf deiner Haut“ das emotionsgeladenste und lebendigste Buch von Ewa Aukett ist. Es bietet ein Beziehungsdrama mit allen Facetten der Zweisamkeit und lässt auch dann und wann mal kräftig die Funken fliegen – im romantischen Sinne. Und das Ganze stellt sich in literarisch einwandfreier Form dar. Was will man mehr?

Rezension zu „Spiel, Satz, Unentschieden“ von Jacky Ried

„Torschusspanik – Chick-Lit mit Kick“

Nein, in der Überschrift zu dieser Rezension ist kein Fehler! Den Begriff habe ich im Roman „Spiel, Satz, Unentschieden“ von Indie-Autorin Jacky Ried entdeckt und dort trifft er genau ins Schwarze, denn die „Torschusspanik“ ist die Angst davor, einen Volltreffer zu erzielen. Bei so einem netten Wortspiel ist eine Rezension nicht weit.

Buchcover Jacky Ried - "Spiel, Satz, Unentschieden"Die Heldin der Geschichte heißt Johanna. Sie steckt gerade mitten in den Vorbereitungen ihrer Hochzeit. Sie hat nämlich ihren „Topf“ gefunden, zu dem sie wie der „Deckel“ passt. Doch dann ergibt sich eine unerwartete Komplikation, als sie ihren Ex wiedertrifft, den sie bereits aus ihrem Gedächtnis verbannt hat. Ein einziges Lächeln genügt und die „Torschusspanik“ setzt ein. Johanna fragt sich, ob ihr „Topf“ wirklich der Richtige und weshalb die Beziehung mit dem Ex gescheitert ist. Da sind vielfältige Irrungen und Wirrungen natürlich schon vorprogrammiert.

Die Gedankenspiele der Hauptfigur werden in lässiger, eher umgangssprachlicher Art einem imaginären Zuhörer mitgeteilt, der ab und zu per „Du“ angeredet wird. Die Umsetzung in die Textform weist allerdings ein paar kleinere Mängel auf. So ist die Kommasetzung in vielen Fällen nicht stimmig und auch sonst finden sich Grammatikfehler. Was den Stil betrifft, ist zu sagen, dass er recht pfiffig und unterhaltsam rüberkommt. Immer wieder trifft man auf erheiternde Formulierungen. Jedoch hätte ich mich über ein Synonym für den „Topf“ gefreut. Der wird nämlich im ganzen Buch nur so genannt und nie anders.

Was mir gefallen hat, ist die erfrischende Natürlichkeit, die Johannas Charakter ausmacht. Sie hält sich weder für eine Schönheitskönigin, noch fliegt sie die Karriereleiter wie von selber hoch. Sie bleibt einfach sie selbst und weiß, dass nicht alles, was sie anstellt, unbedingt das Klügste sein muss. Das lässt sie einfach sympathisch wirken.

Mit 1,49€ ist „Spiel, Satz, Unentschieden“ äußerst günstig. Zu empfehlen ist es in erster Linie den Freunden von Liebesgeschichten, die sich bei der kurzweiligen Erzählweise sicher sehr wohlfühlen werden. Auch wer quirligen Lesespaß sucht, ist hier an der richtigen Adresse. Langeweile ist hier nämlich Fehlanzeige.

Rezension zu „Liebe auf leisen Sohlen“ von Emilia Licht

Von der hohen Kunst, aneinander vorbeizuleben …

Die Indie-Autorin Emilia Licht ist erst seit Kurzem auf der Selfpublishing-Plattform BookRix zu finden. Sie hat aber gleich einen ganzen Roman mitgebracht, der sich „Liebe auf leisen Sohlen“ nennt und vom Thema Beziehung handelt. Da sich die Autorin im Nachwort Rezensionen wünscht, habe ich mir die Lektüre gleich mal angeschaut.

Buchcover Emilia Licht - "Liebe auf leisen Sohlen"Die Hauptfigur der Geschichte heißt Josina Hollenstein. Sie ist seit 19 Jahren verheiratet, Mutter zweier Teenager und Chefin eines angesehenen Hotels in Dresden. Abgesehen von der Organisation des Betriebes muss sie sich auch noch mit ihrer Schwiegermutter Gisela herumärgern, die für Josinas Geschmack ein wenig zu neugierig ist. Soweit scheint sich also das Leben der Protagonistin nicht von demjenigen anderer Hotelbesitzerinnen zu unterscheiden, wenn da nicht das Wörtchen „wenn“ wäre. Insgeheim wünscht sich Josina nämlich etwas mehr Zuwendung von ihrem Gatten. Die Gewohnheit des Alltages hat sich in der Ehe breit gemacht. Auch die Kinder teilen immer öfter ihre Ansichten nicht, weshalb es hinter der noblen Fassade mehr und mehr zu kriseln beginnt. Josina holt sich Rat bei ihrer besten Freundin und kommt schließlich auf die Idee, ihrem Mann zum bevorstehenden runden Hochzeitstag eine ganz besondere Überraschung vorzubereiten. Doch dabei läuft etwas schief.

Emilia Licht hat hier ein Buch abgeliefert, das durch erfreulich fehlerfreie Orthographie und Grammatik glänzt. Es ist ein Vergnügen, so einen Text zu lesen. Was die Handlung angeht, muss ich aber anmerken, dass es eine ganze Weile dauert, bis sich mal endlich etwas Entscheidendes tut. Dieser Umstand lässt den Roman vor allem zu Beginn ein wenig langatmig erscheinen, was sich im weiteren Verlauf allerdings legt. Dann setzt Josinas Überraschungsaktion ein, die völlig aus dem Ruder läuft und wahrhaft groteske Auswirkungen auf ihre Ehe und ihr Vorstrafenregister hat. Turbulente Szenen sind da also vorhanden, die vorrangig dadurch entstehen, dass der Protagonistin immer wieder ein gewisses Feingefühl für Kommunikation zu fehlen scheint. Jedenfalls ist das mein Eindruck und ich habe Josinas Handlungsweise nicht immer ganz nachvollziehen können. Sehr hingerissen bin ich aber vom Schreibstil der Autorin. Das gesamte Buch ist ein Paradebeispiel für abwechslungsreichen, treffsicheren und flüssigen Ausdruck. Stilistisch ist der Text ebenso meisterhaft wie orthographisch.

Liebe auf leisen Sohlen“ ist ein Beziehungsroman, der sich durch hervorragendes Schreibhandwerk auszeichnet. Da ist der Preis von 2,99€ beinahe ein bisschen zu günstig. Der Roman spricht vor allem die Freunde des Genres Liebe an. Wer also ein handwerklich perfektes Buch mit diesem Thema sucht, sollte hier zugreifen.

Rezension zu „Bittersüße Sehnsucht“ von Tanja Rauch

Gefühlsachterbahn …

Die Indie-Autorin Tanja Rauch ist bereits seit einer ganzen Weile Mitglied auf der Selfpublishing-Plattform BookRix. Mit ihrem Roman „Bittersüße Sehnsucht“, den ich Euch heute vorstellen möchte, hat sie einen wahren Verkaufsschlager geschrieben.

Buchcover Tanja Rauch - "Bittersüße Sehnsucht"Mila, eine junge Frau, ist schon in der Schule eine Außenseiterin gewesen. Auch im weiteren Verlauf ihres Lebens klappt nicht alles reibungslos. Zwar hat sie einen guten Abschluss erzielt, aber eines Tages verhält sich ihr Chef plötzlich eindeutig zu aufdringlich. Erinnerungen an das Mobbing in der Schulzeit kommen hoch. Kurz darauf muss sie auch noch erkennen, dass ihr Freund eine Andere hat. Diese Ereignisse bringen sie dazu, das Thema Beziehung bis auf Weiteres auf Eis zu legen. Doch dann lernt sie Ryan kennen. Mit ihm kehrt die Sehnsucht in ihr Leben zurück. Doch sie ahnt nicht, was ihr bevorsteht, denn nicht alle gönnen ihr das Glück mit diesem Mann.

Stilistisch ist der Text sehr gut gelungen. Vor allem werden die Gefühle der Protagonistin sehr ausführlich und nachvollziehbar geschildert, wodurch der Roman eine mitreißende Wirkung erzielt. Man kann sich gut in Milas Lage hineinversetzen und leidet förmlich mit ihr mit. Die Handlung entwickelt sich in eine Richtung, die man am Anfang nicht unbedingt erwartet, und bis zum Ende hin wird reichlich Spannung aufgebaut, da die Auflösung buchstäblich in letzter Sekunde erfolgt. Orthographie und Grammatik machen ebenfalls einen äußerst erfreulichen Eindruck.

Bittersüße Sehnsucht“ spricht alle Freunde von anspruchsvollen Beziehungsromanen an, denen eine sorgsame und professionelle Ausarbeitung zugrunde liegt. Das Buch ist erst ab 18 Jahren freigegeben. Allerdings hätte auch eine Beschränkung ab 16 ausgereicht. Zu haben ist es für 1,99€, was angesichts der gebotenen Qualität und des reichlichen Umfangs sehr günstig erscheint. So ist „Bittersüße Sehnsucht“ eine sensibel erzählte Geschichte über eine liebenswerte Frau, die so einiges durchmachen muss, aber dennoch nicht den Mut verliert. Lesenwert!

Chick-Lit: Abwertender Begriff oder geniales Genre?

Ansichten aus der „Chick-Lit Szene“

Diese Genrebezeichnung liest man in letzter Zeit ausgesprochen häufig: Chick-Lit. Der Begriff setzt sich zusammen aus dem englischen Wort „chick“ (umgangssprachlich: Frau) und „Lit“ (Abkürzung für Literatur), bezeichnet also Bücher, die hauptsächlich das weibliche Geschlecht ansprechen sollen und sich mit Themen wie Beziehung, Sex, Problemen im Job und der Suche nach der großen Liebe beschäftigen. Einigen Frauen stößt die Bezeichnung Chick-Lit im Zusammenhang mit Büchern dieser Art sauer auf. Sie fühlen sich einem unmodernen Frauenbild und Vorurteilen ausgesetzt, mit dem sie sich nicht identifizieren können. Der etwas abwertende Begriff  „chick“ (Tussi, Hühnchen) tut sein Übriges.

Trotzdem feiern Chick-Lit-Bücher große Erfolge. Und das zu Recht, wie ich finde. Sie bieten einem leichte Unterhaltung, die einen nicht mehr an Alltagsprobleme denken lässt.

Zwei, die im Chick-Lit Universum quasi zu Hause sind, sind BookRix-Autorin Daniela Felbermayr, die mit Chick-Lit-Romanen wie „Bis wir uns wiedersehen“ (siehe Cover)  schon große Erfolge feiern konnte und die Blogbetreiberin Nici, die auf ihrer Seite www.chicklit-romance.de vorrangig Bücher dieses Genres rezensiert. Ihnen haben wir einige Fragen gestellt:

Was macht für Dich ein Chick-Lit-Buch aus?

Daniela:

„Die typische Chick-Lit ist für mich ein leicht zu lesender, flüssiger Roman, der sich hauptsächlich mit einer Protagonistin auszeichnet, mit der man sich identifizieren kann. Üblicherweise eine liebenswerte, gar nicht perfekte Chaotin, oftmals gerade vor den Trümmern ihrer Beziehung/Job usw. , ist fast immer ebenso ein Erfolgsgarant. Ganz wichtig ist auch ein charmanter Herzensbrecher. (…) Ein Buch, das zu Herzen geht, aber einem nicht Kopfzerbrechen bereitet. Ein Buch, das man mit einem Lächeln auf den Lippen liest und das, ist es einmal zu Ende gelesen, sofort den Drang nach neuer Chick-Lit auslöst!“

Glaubst Du, manche Frauen könnten sich durch den Begriff „Chick-Lit“ abgewertet fühlen?

Nici:

„Würde man den Begriff “Chick-Lit” eindeutschen, ergibt das ja so grob Tussi-Literatur, Mädchen Literatur. Ob man sich dadurch abgewertet fühlt, ich weiß es ehrlich nicht, denke aber es wird durchaus Frauen geben, denen es so geht. Aber es werden auch genau die sein, denen dieses Genre zu platt, oberflächlich und einfach ist. Ich denke, die meisten stört es nicht, denn ich glaube tatsächlich, dass die Romane sich besonders gut verkaufen, weil sie eine breite Masse ansprechen. Chick-Lit Romane kann jede Frau lesen, von Teenager Jahren an bis hin zur Seniorin. Und idealerweise werden auch die Protagonisten im Chick-Lit in alle Altersstufen gesteckt. Ich denke, der Begriff wird sich einfach zu einem Synonym für “Frauenliteratur” entwickeln. Denn letztendlich sprechen die Romane nun mal in erster Linie Frauen an.“

Bist Du der Meinung, dass auch ein Mann Freude an einem Chick-Lit-Buch haben könnte?

Daniela:

„Wäre die Figur „Barney Stinson“ Aus „How I met your Mother“ real, so bin ich mir sicher, dass er Chick-Lit verschlingen würde. (…) Im Prinzip ist Chick-Lit doch ein Blick in unsere Herzen – Kerle, die Chick-Lit lesen, wissen, was wir Mädls wollen! 😉

Ganz abgesehen davon finde ich durchaus, dass auch ein Mann Chick-Lit-Leser sein kann. Die Stories sind witzig und romantisch, ehrlich und chaotisch – Dinge, die man an Männern doch mag, oder? Bislang habe ich persönlich zwar noch keinen Mann mit einem Chick-Lit-Buch vor der Nase entdeckt, dies ist aber definitiv ein Plädoyer für mehr Männer als Leser: Jungs, lest Chick-Lit! :)“

Nici:

„Vielleicht gibt es den einen oder anderen der es wagt ein solches Buch zu lesen, aber ich glaube wirklich begeistern können sie die meisten Männer nicht. Allenfalls die auch von Männern geschriebenen Bücher könnten den einen oder anderen Mann für sich gewinnen. Aber die fallen dann häufig eher unter Humor oder Satire und weniger unter Chick-Lit.“

Vielen Dank für euer Antworten, Daniela und Nici.

Was ist eure Meinung?

Wie stehst Du zu diesem Thema? Findest Du die Genrebezeichnung unglücklich gewählt? Liest Du selbst gerne Chick-Lit-Romane? Über eure Meinungen würde ich mich freuen.

Rezension zu „Sonnensturm“ von Silvia Götschi

„Und wenn du alles niedergeschrieben hast, verbrenne das Buch!“

Im bunten Reigen der literarischen Genres ist heute mal wieder die Liebe Gegenstand der Betrachtung. „Sonnensturm“ nennt sich ein entsprechender Roman der Schweizer Autorin Silvia Götschi, der mich nicht nur wegen seines phänomenalen Coverfotos begeistert hat. Im Klappentext wird sogar „eine schaurig-schöne Erzählung voller Poesie und Philosophie“ angekündigt. Ich kann bereits jetzt verraten, dass dies kein bisschen zu hoch gegriffen ist.

Buchcover Silvia Götschi "Sonnensturm"Der Protagonist Ondrej ist Mikrobiologe und Mittvierziger. Seine Ehe ist gescheitert und er kämpft noch mit den vielen Erinnerungen, als er auf einer Vernissage in eine schicksalhafte Begegnung verwickelt wird. Er möchte sich dort nur kurz aufwärmen, trifft dann aber auf Gina, eine Journalisten der Wochenzeitung. Er ist auf Anhieb von ihr fasziniert. Sie ist so völlig anders als seine Frau, unkonventionell, widersprüchlich, unbeschwert, doch es dauert eine geraume Weile, bis sich die beiden wirklich näherkommen. Ondrej ist mit seinem seelischen Schmerz beschäftigt, den sie vorübergehend zu lindern vermag. Aber da ist auch noch die berufliche Karriere, die ihren Tribut einfordert, und das Leben hat ja bekanntlich immer seinen eigenen Plan.

Kann man denn zum Thema Liebe überhaupt noch etwas Neues schreiben? Nach dem Genuss dieses Buches muss ich diese Frage klar bejahen. Natürlich handelt „Sonnensturm“ von Beziehungen, aber da ist noch mehr, wesentlich mehr sogar. Der Umgang mit Erinnerungen, der Vergangenheit und dem Abschied steht im Mittelpunkt. So schenkt Gina Ondrej ein leeres Buch, in das er all seine Erlebnisse aufschreiben soll. Anschließend soll er es verbrennen, um somit endlich loslassen zu können. Dazu gehört das Zitat aus dem Text (Seite 14), das hier als Überschrift dieser Rezension dient.

Zu Ausdruck, Rechtschreibung und Grammatik kann ich nur eins sagen: Perfekt! Fehler sucht man hier wie die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen. Das kommt nicht von Ungefähr, denn der Text ist lektoriert worden, und das offenkundig sehr kompetent. Auch der Schreibstil überzeugt auf ganzer Linie. Wiederholungen sind nicht zu entdecken und die Ereignisse werden derart bildhaft geschildert, dass sich beim Lesen ein ganzes Fotoalbum im Geiste auftut, in welchem jedes einzelne Foto vor schillernden Farben nur so überquillt. Banale und allzu verbrauchte Szenenbeschreibungen gibt es hier nicht. Ein Kuss wird so zu einem „Konzentrat ungeheuren Fühlens“ (Seite 81). Überhaupt steckt das gesamte Buch voller verblüffend tiefsinniger Wendungen. Ein weiteres Beispiel ist dies: „Lange, bevor sich die Hände berühren, berühren sich die Herzen“ (Seite 27). Und als ob das nicht schon genug des Lobenswerten wäre, bestreiten die Figuren dann und wann auch noch eine philosophische Debatte über verschiedene Themen wie Malerei, Evolution oder das Leben nach dem Tode. Es gibt hier also viel zu entdecken und man wird bestimmt nicht unterfordert.

Mit 6,99€ für den Download bei 210 Seiten im BookRix-Format mag das Buch ein wenig teuer erscheinen, Dafür erhält man aber ein literarisches Werk, an dem praktisch nichts zu bemängeln ist. Wer gehaltvolle Geschichten mag, ist hiermit gut beraten. Trotzdem ist „Sonnensturm“ nicht zu kopflastig, sondern bietet auch reichlich Romantik. Das Buch empfiehlt sich für ruhige Stunden, die man nicht sinnlos verstreichen lassen möchte.

ISBN: 978-3-95500-403-3

Rezension

„Frühlingserwachen“ von Holger Kaufmann.

Der Autor Holger Kaufmann nennt sich BookRix „willy.van.zeven“. Seine Kurzgeschichte „Frühlingserwachen“ ist sein bisher einziges Buch auf unserer Plattform, ein Zustand, der zu bedauern ist, da Holger Kaufmann äußerst vielversprechend schreibt.

Sein Text macht uns mit einem nicht näher benannten Protagonisten bekannt, der die ersten Regungen des Frühlings beobachtet, während er auf einer Parkbank an der Alster sitzt. Im weiteren Verlauf erfahren wir dann, dass er nicht zufällig dort Platz genommen hat. Tatsächlich hat er in Bälde ein Date mit einer Dame, der er im Chat begegnet war. In den letzten drei Monaten waren sich die beiden immer näher gekommen, hatten Freud und Leid geteilt und letztlich beschlossen, diese Nähe in die reale Welt zu übertragen.

Holger Kaufmann verfügt über einen sehr soliden Schreibstil. Sein Ausdruck lässt kaum Wünsche offen, Rechtschreibung und Grammatik sind fehlerlos. Was will man mehr? Man bekommt aber mehr! Die Handlung vollzieht gegen Ende des Textes eines vielleicht nicht ganz unerwartete, aber recht drastische Wendung, die die Geschichte perfekt abrundet.

Es bleibt zu hoffen, dass uns Holger Kaufmann bald die Freude gönnt, weitere seiner Werke zu lesen.

„15 Minuten“ von Martina Osterndorff

Wenn die Seifenblase zerplatzt!

Die Autorin Martina Osterndorff nennt sich auf BookRix „inselkind“. Ihre Kurzgeschichte „15 Minuten“ stellt eine äußerst interessante Betrachtung des Vergehens einer Illusion dar. Die Protagonistin, in der Form einer Ich-Erzählerin auftretend, beschreibt ihre Wahrnehmungen und Empfindungen kurz nach dem Ende einer Partnerschaft. Sie vergleicht die Illusion der gemeinsamen Zukunft mit einer riesigen Seifenblase, die im Verlauf des Textes tatsächlich zerplatzt, als sie erkennt, daß er ihr allmählich fremd wird.
Die Metapher der Seifenblase ist zwar nicht unbedingt einzigartig, aber die Art, wie die Autorin mit ihr umgeht, beweist wahrhaftes Verständnis für das Medium Sprache. So tastet die Protagonistin etwa an der Wand der Blase, und als diese sich auflöst, platzt sie in ihre Augen, wobei sie Regenbogenschlieren auf ihrer Netzhaut hinterläßt. Der Vorgang der Auflösung wird gekonnt mit einem aufkommenden Wolkenbruch zu einem real wahrnehmbaren Ereignis verwoben, das die Überbleibsel der Blase in den Gullis verschwinden läßt..
Doch die Seifenblase ist nicht die einzige Metapher der Geschichte. Die Autorin versteht es, ihre Bilder in einer verblüffend greifbaren und außergewöhnlich vielseitigen Weise aufzufächern und bis in jede noch so tiefe Ebene zu durchleuchten. Hier zeigt sich anschaulich, auf welch hohem Niveau menschliche Sprache Gedanken in Worte fassen kann.
Man sollte also die 15 Minuten, die man zum Lesen benötigen wird, unbedingt in diesen Text investieren, denn ein seltener Genuß ist gewiß.