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Rezension zu „Drachenstaub“ von Paula Roose

Drachenblut und Sternenstaub …

Vor einer Weile hat uns Paula Roose schon mit ihrem wundervollen Roman „Drachentau“ in das beschauliche Bärendorf Mühlenau entführt und mit Rosa bekannt gemacht. Die schöne Bärin wird vom gierigen Drachen Tumaros geraubt und in dessen Höhle verschleppt. Die gefühlvolle, außergewöhnliche Geschichte um Rosas Leben und Flucht hat „Drachentau“ zu einem ganz besonderen literarischen Schatz werden lassen und nebenbei auch einen Riesenerfolg ermöglicht. Die Fans und Bewunderer von Paula Roose können sich nun freuen, denn mit „Drachenstaub“ liegt eine Fortsetzung der Saga vor, die genau wie der erste Band sowohl von innen wie auch von außen begeistern wird.

Viele Jahre sind vergangen, seit Rosa aus den Fängen des Ungeheuers Tumaros entkommen ist. Nun lebt sie zusammen mit ihren Nachfahren wieder in Mühlenau. Ihre Enkelin Patrizia macht eines Tages beim Pilzesammeln eine schauderhafte Entdeckung. Beim Auskundschaften eines Tunnels unweit des Drachenberges wird sie beinahe von gespenstischen Händen in den Erdboden gezogen. Eine unvorstellbare Kälte umgibt sie dabei. Doch Bernhard, ihr Vater und Rosas Sohn, kann sie retten. Was geht da vor sich? Kurz darauf bekommt Bernhard unerwarteten Besuch. Keine Geringere als Eschagunde, die königliche Waldfee, erscheint und erzählt ihm, was es mit dem Angriff auf Patrizia auf sich hat. Tumaros, der Drache von einst, ist zwar schon längst besiegt, doch hat er im Inneren des Berges ein noch viel bedrohlicheres Unheil eingesperrt, das nun mit aller Macht versucht, sich zu befreien. Eschagunde hat zwar einen Plan, was dagegen unternommen werden kann, aber leicht wird dieses Vorhaben nicht gerade.

Wir erleben dann eine gefährliche Reise in das Menschenland sowie durch einen toten Wald, aus dem noch nie jemand wieder herausgefunden hat.

So wie bei Band 1 der „Drachentau-Saga“ lädt auch hier bei „Drachenstaub“ das Cover zum Reinschnuppern ein. Und der Inhalt des Buches ist dann alles Andere als enttäuschend. Eine märchenhafte Geschichte entfaltet sich bildgewaltig, die weder an Gefühlen noch an Dramatik spart. Spannend ist es von Anfang an und einige geschickt eingestreute Perspektivwechsel lockern die Handlung gezielt auf. Bei einem kontinuierlich flüssigen Erzähltempo fühlt man sich wunderbar unterhalten.

Stilistisch und orthographisch gibt es fast nichts zu kritisieren. Nur gelegentlich stolpert man über die dann zu häufig benutzten Verben „sagen“ und „antworten“, aber bei dem durchweg gehobenen sprachlichen Niveau stolpern da bloß Pedanten wie ich. Jedenfalls gibt es nur wenige Bücher, die Sprache auf so eine angenehme und wohltuende Weise gebrauchen, wie es hier der Fall ist. Man kann die Wortwahl am besten als „bezaubernd“ bezeichnen.

Die Handlung enthält reichlich Motive aus dem Bereich der Märchen, geht aber darüber hinaus. Besonders gelungen finde ich, dass am Ende der gefährlichen Reise nicht gleichzeitig auch das Ende des Buches erreicht ist, sondern die Geschichte noch weiterläuft und etliche Aspekte wieder aufgreift und zusammenführt, die zuvor schon angesprochen worden sind. Man hat dadurch am Schluss den Eindruck, etwas Abgerundetes und sorgsam Konzipiertes gelesen zu haben.

Mit „Drachenstaub“ setzt Paula Roose ihre Saga über die sympathischen Bären aus dem Dorf Mühlenau ebenso fort, wie sie sie schon begonnen hat, nämlich spannend, romantisch, mitreißend und sprachlich perfekt. Fans von Fantasy-Abenteuern werden sich hier genauso wohlfühlen wie diejenigen Leser, die eine nicht alltägliche und gehobene Lektüre bevorzugen. Die Mischung aus liebevoll geschilderter Handlung und literarischer Eleganz ist bei „Drachenstaub“ mehr als geglückt. Unbedingt kaufen und lesen!