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Klasse statt Masse

Hat der Online-Buchhandel Angst vor preiswerten eBooks?

blog ebooksWer sich das eBook-Angebot der großen Online-Händler mal genauer anschaut, dem bleibt nicht verborgen, dass in den dortigen Auflistungen der eBook-Bestseller und auch in den Empfehlungen der Shops häufig, zumindest für eBook-Verhältnisse, relativ teure Werke präsentiert werden. Das ist natürlich nicht bei allen Shops der Fall, bei einigen ist es aber schon sehr auffällig. Dabei verkaufen sich momentan doch preisgünstige eBooks angeblich besonders gut (häufig von Self-Publishern). Irgendwie widersprüchlich, oder?

Ich denke, dass viele Shops preiswerte eBooks ganz bewusst NICHT sichtbar auf ihren Seiten präsentieren und bewerben, sondern lieber hochpreisige eBooks. Ob in den „Bestseller-Listen“ mancher Shops wirklich diejenigen Bücher zu finden sind, die sich am besten verkaufen, wage ich zu bezweifeln. Das sieht eher danach aus, als ob man da die eBooks reinpackt, die man gerne verkaufen würde (ab 8,99 € und aufwärts). Dahinter steckt möglicherweise der Irrglaube, auf diese Weise mehr Umsatz generieren zu können. Oder besser gesagt: man möchte Umsatzeinbrüche vermeiden, die entstünden, wenn alle Leute auf einmal nur noch „billige“ eBooks kaufen würden. Dabei sollte eigentlich auch jeder Buchhändler/Shop-Betreiber, dem ein bisschen Geschäftssinn zu Eigen ist, das Gesetz kennen: „Lieber 100.000 eBooks a 2,99 € verkaufen als 10.000 für 9,99€.“ Um das mal sehr vereinfacht auszudrücken…

Neben der Angst vor Umsatzeinbußen, dürfte auch der ideologische Gedanke „Die Wertigkeit des Mediums Buch geht verloren“ eine Rolle spielen. Die Programm-Gestaltung ist ja eine der letzten Daseinsberechtigungen des klassischen Buchhandles, der nach dem Motto „Klasse statt Masse“ auswählt, was der Kunde kaufen kann und was nicht. Auf diese Aufgabe, die der Handel bisher inne hatte, stützt er sich zurzeit massivst. So nach dem Motto: „Man muss die Leser doch vor diesen Unmassen an billigen, minderwertigen Büchern schützen.“ Jemand müsse doch eine Vorauswahl treffen und somit ein bestimmtes Qualitäts-Level garantieren. Dass genau diese Rolle zunehmend von der Crowd im Web übernommen wird, will man jedoch noch nicht so richtig wahrhaben. Die Karten wurden aber nun mal komplett neu gemischt – durch Internet, eBooks und Self-Publishing.

Abschließend noch mal zurück zum Thema „Umsatz versus niedrige Preise“ – Leider weiß ich nicht mehr wo, aber irgendwo bin ich in den letzten Tagen im Netz über Zahlen gestolpert, nach denen Printbuch-Vielleser in den USA im Schnitt 15 Bücher im Jahr kaufen und eBook-Vielleser gar 40 eBooks im Jahr. Wie ist das jetzt aber zu interpretieren? Sind die Leute, die bereits jetzt schon voll auf eBooks umgestiegen sind, schlicht und einfach die kleine Gruppe der absoluten Hardcore-Leser vor dem Herren, die früher eben 40 Print-Bücher statt eBooks im Jahr gekauft haben, oder Lesen die Leute dank eBooks tatsächlich doppelt so viel wie vorher? Dann würden sie auch doppelt so viel kaufen und der Handel müsste somit gar keine Angst vor niedrigpreisigen eBooks haben.

Viele Fragen auf die es noch keine Antworten gibt. Es bleibt also spannend.

Wochenrückblick…

Neues aus der Buchwelt

eBook NewsEines der aktuellen „Lieblingsthemen“ der Netzgemeinde, aber auch von Autoren und Verlagen, ist das gute alte Urheberrecht. Diese Woche hat das Europäische Parlament nun doch das umstrittene „Acta“ (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) gekippt. Der Buchreport berichtete gestern über die unterschiedlichen Reaktionen von Für- und Widersprechern. Der Geschäftsführer des Börsenvereins Alexander Skipis ist erwartungsgemäß enttäuscht und spricht von „einem sehr gefährlichen Zeichen“. Die Piratenpartei und der netzpolitische Sprecher der Grünen dagegen sind natürlich happy. Egal auf welcher Seite man steht, dass das Urheberrecht überarbeitet und der heutigen Realität angepasst werden muss, steht außer Frage.

Ein weiteres Fundstück, das ich Euch nicht vorenthalten möchte, ist der englischsprachige Artikel „The Curious Case of eBook Sharing Sites“ von Alice Marwick. Wie der Titel schon verrät geht es um eBook-Sharing-Seiten und welche Möglichkeiten sie Autoren bieten, ohne Agenten oder Verleger eBooks preiwert und einfach zu veröffentlichen. Die Autorin beleuchtet u.a. auch welche Genres im Bereich Self-Publishing bzw. eBook-Sharing besonders gut laufen.

Zu guter Letzt kannst Du einen Blick auf die von Media Control ermittelten eBook-Belletristik-Bestseller im Mai 2012 werfen. Das Ranking wurde diese Woche veröffentlicht und spiegelt ganz klar wieder, was der „Mainstream“ momentan gerne auf seine eReader, Tablets und Smartphones lädt.