Schlagwort-Archiv: Erinnerung

Rezension zu „Du fehlst mir so sehr“ von Enya K.

„Deinen Namen werden die Wellen auslöschen, du aber bist mir eingebrannt.“

 

Buchcover Enya K. "Du fehlst mir so sehr"Es gibt Texte, die sind mehr als eine bloße Aneinanderreihung schöner Worte. Einen solchen Text möchte ich Euch heute vorstellen. Er heißt „Du fehlst mir so sehr“ und stammt von Enya K.

Das Buch ist in die Kategorie „Biographie“ eingeordnet und schildert eine wahre Begebenheit. Es handelt vom endgültigen Abschied, der durch eine Krankheit herbeigeführt wird. Eine Ich-Erzählerin berichtet von ihren Eindrücken in der Zeit vor dem Tode eines ihr sehr wichtigen Menschen, vom letzten gemeinsamen Urlaub und auch von der Unfähigkeit, über die aufziehenden Schatten zu sprechen. Der Text ist dabei aus mehreren Abschnitten zusammengestellt, die an Tagebucheinträge erinnern.

Stilistisch ist nichts zu beanstanden. Hier begegnen sich ausgezeichnete Wortwahl und hochgradig emotionaler Ausdruck, um eine Stimmung zu erzeugen, die das Erlebte beim Lesen fühlbar werden lässt. Man nimmt Schwere wahr und Sprachlosigkeit. Geradezu verblüffend ist dabei, wie Enya K. es schafft, die Abwesenheit von Worten mit Worten zu umschreiben. Aber auch die Intensität des Gefühlten ist überwältigend. Die Transformation von Empfindungen in Geschriebenes ist gelungen.

Auffällig sind die Wiederholungen des Titels im Text, die zwischen den einzelnen Abschnitten auftauchen. Bei diesen wird stets das letzte Wort ausgelassen, sodass sie mit jeder Wiederholung kürzer werden, bis schließlich nur noch das „Du“ übrig bleibt und zugleich das letzte Wort des Buches bildet. Dies verdeutlicht die Erinnerung an den geliebten Menschen, das Bleiben und Nicht-Verblassen des Du.

„Du fehlst mir so sehr“ ist ein Text, der in vielerlei Hinsicht beeindruckt. Das bloße Aneinanderreihen von Worten lässt er weit hinter sich.

Tag des freien Buches

„Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“ (Heinrich Heine 1820)

Der 10.05 ist ein schwarzer Tag in der deutschen Geschichte und das vor allem für Autoren, Intellektuelle und Buchliebhaber. Denn 1933 wurden an diesem Datum in Berlin tausende Bücher bedeutender Schriftsteller, die der damaligen NS-Regierung zuwider waren, verbrannt.

In Deutschland war zu Beginn des Krieges die „Aktion wider den undeutschen Geist“ gestartet worden. Bücher mit Inhalten, die von der NSDAP nicht geduldet wurden, wurden auf eine gefürchtete „schwarze Liste“ gesetzt und verschiedene Intellektuelle mussten mit Zensuren und Verfolgungen kämpfen.

Am 10.05.1933 schließlich gipfelte diese Aktion in einer öffentlichen Bücherverbrennung. Ein Exempel sollte statuiert werden und im Zuge dessen wurden 25000 Bücher im Zentrum Berlins unter den Augen von 70000 Schaulustigen verbrannt. Dabei wurden bedeutende Werke von mehr als 200 Autoren, unter anderem Franz Kafka, Thomas und Heinrich Mann, Sigmund Freud und Erich Kästner „den Flammen übergeben“. Da es ein regnerischer Tag war, musste dabei sogar mit Benzin nachgeholfen werden. Es folgte eine Welle der Vertreibung vieler Intellektueller aus Deutschland und zahlreiche der damals zerstörten Werke wurden auch nach dem Krieg nicht mehr neu verlegt. Ein wahrer Verlust für die Literaturwelt.

Seit 1983 feiert man nun am 10. Mai jährlich den Tag des freien Buches. Wir sollten uns gerade heute also vergegenwärtigen, dass das Recht, den Inhalt eines Buches frei und selbstständig zu bestimmen, keine Selbstverständlichkeit ist. Außerdem erinnern wir uns heute dieser sinnlosen Zerstörung und der Schriftsteller, die unter dem damaligen Regime zu leiden hatten.

Rezension zu „Die Sünden der Väter …“ von adorabelle

Die Erinnerung wird lebendig.

Die Autorin „adorabelle“ hat schon eine ganze Menge Literatur auf BookRix veröffentlicht. Aus diesem reichen Fundus möchte ich Euch eine Kurzgeschichte vorstellen, die sich „Die Sünden der Väter …“ nennt und etwas ganz Besonderes ist.

Wir lernen Shoram kennen, einen Jäger eines Naturvolkes, das in einer halb zerstörten Welt lebt. Die Zivilisation, wie wir sie kennen, ist seit Jahrhunderten untergegangen. Von ihr sind nur Geschichten geblieben, die von Generation zu Generation mündlich tradiert werden. Doch es gibt auch handfeste Beweise für die einstige Existenz großer Städte und überwältigender Technologien, sowie deren plötzliches Ende: Bestimmte Gebiete der Erde gelten als tot. Dort sollen sich merkwürdig verunstaltete Kreaturen aufhalten.

Eben eine solche Kreatur möchte Shoram erlegen, um sie als Jagdtrophäe für die Brautwerbung mitzunehmen. Also begibt sich der furchtlose Jäger nur mit seinem Speer bewaffnet in eine Ruinenstadt. Dort begegnet er tatsächlich dem, was er bisher nur in Erzählungen vernommen hat. Seine Eindrücke bewegen ihn schließlich dazu, dafür zu sorgen, dass die Erinnerung an die Fehler der früheren Erdbewohner wach gehalten wird.

Adorabelle verfügt über einen sehr guten sprachlichen Ausdruck. Es gibt so gut wie gar nichts zu bemängeln. Die Schilderungen von Shorams Erlebnissen sind flüssig und bildhaft, sodass man beim Lesen völlig in das Szenario eintauchen kann.

Die große Stärke dieser Geschichte liegt aber in der Botschaft. Shoram erkennt auf seiner Reise den Sinn des Wachhaltens der Erinnerung an die Fehler der untergegangenen Zivilisation. Dadurch unterstreicht die Autorin die Notwendigkeit des generellen Erinnerns begangener Fehler, erreicht dies aber, ohne ihrem Publikum die Moral der Geschichte aufzudiktieren. Vielmehr reift die Erkenntnis beim Lesen ganz von allein.

„Die Sünden der Väter …“ ist ein großartiger Text, ein geborgener Schatz, der es wert ist, gelesen zu werden.