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Readfy. Eine Option für Autoren? Schau ma mal.

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Zeit wurde es, dass nun endlich auch eine unabhängige Plattform in Deutschland mit einem Abo-Flat-Rate-Modell an den Start gehen will. Bisher gab es mehr oder weniger nur Skoobe und die Onleihe, die aber aber auch nicht alles abdecken. Siehe Beitrag „ebook-flatrates im Vergleich“ auf Lesen.net

Abo-Flat-Rate-Dienste finde ich als User natürlich sympathisch und in gewisser Weise auch zukunftsweisend, halte aber den Vergleich mit Spotify für keinen sehr glücklichen Einstieg. Es gibt wenige Portale, die so viele negative Assoziationen bei Urhebern und Musikern auslösen wie Spotify. (siehe z.B. Beiträge mächtig rote Zahlen, oder Musiker klagen über niedrige Erlöse, oder werden von namhaften Musikern boykottiert oder Musiker wehren sich usw.)

Mich als Bookrix-ler interessiert im Zusammenhang mit Readfy natürlich besonders die Frage, wie die Abrechnung genau funktioniert und wie viel bei den Autoren hängenbleibt. Denn die Autoren sind schließlich diejenigen, die den Content überhaupt erst erschaffen, mit dem readfy Geld verdienen will. Daher wäre eine Spotify-Variante, die auf dem Rücken der Autoren realisiert wird, aus meiner Sicht keine Option. Bei ca. 0,4 cent pro Abruf eines Songs bei Spotify bekommt der Rechteinhaber (Musiker/Künstler, Produzent, Label) also ganze 4 Euro, wenn sein Song 1000 Mal abgerufen wird. Oder 400 Euro, wenn er 100.000 Mal abgerufen wurde. Und 100.000 Aufrufe sind eine stolze Zahl, die nicht so leicht zu erreichen ist! Nicht zu vergessen: diese 400 Euro müssen natürlich noch zwischen den Rechteinhabern aufgeilt werden. Da ist es also besser, gleich Hartz4 zu beantragen.

Daher hoffe ich, dass Readfy trotz des Namens nicht zu sehr auf Spotify schielt, sondern sich vielleicht zu etwas ähnlichem wie Oyster oder Scribd entwickelt. Die haben zum Beispiel ein Modell gefunden, was trotz eines relativ moderaten, monatlichen Abo-Preises zwischen 9-10 Dollar sowohl die Content-Lieferanten (also Autoren und Verlage) als auch die Leser zufriedenstellt. Kein Wunder, dass Smashwords als der größte unabhängige Selfpublisher in den Staaten bereits einen Deal mit beiden abgeschlossen hat. Auch wir werden früher oder später mit beiden Plattformen ins Geschäft kommen wollen, um die Reichweite für unsere Autoren auszubauen.

Bei Oyster bekommt z.B. ein Smashwords-Autor 60% des Listenpreises, also mehr oder weniger fast die gleiche Summe, die er auch beim Verkauf seines Ebooks erhalten hätte. Mark Coker (Gründer von Smashwords) „Ein smashwords Autor oder Herausgeber bekommt 60% ​​des Buchhandel-Listenpreises, wenn ein Oyster-Leser mehr als 10% seines Buches liest, beginnend am Anfang des Buches. Es ist ein Autoren-freundliches Modell.“  Mehr hierzu unter „Smashwords Illuminates Authors on Oyster eBook Royalties“ auf goodereader.com

Bei Scribd ist es ähnlich. Trip Adler , der CEO von Scribd : “ Wenn jemand bei uns ein Buch liest, bezahlen wir den Verlag, als ob er das Buch verkauft hätte. Die Höhe der Ausschüttung errechnet sich am Digitallistenpreis. Wir haben ein ziemlich kompliziertes System, um festzustellen, ob ein Verbraucher tatsächlich das Buch gelesen hat.“   Siehe Beitrag „Examining the business model of ebook subscription services“ auf blog.smahswords.com

In der Tat ist das Scribd-System komplizierter als das Oyster-System, aber beide Systeme funktionieren im Prinzip so, dass sobald ein Leser mehr als 10% des Buches gelesen hat, der vereinbarte Prozentsatz des Listenpreises fällig wird.  Die ersten 10% sind also die freie Leseprobe und danach geht es cäsh in die Täsch für die Autoren.

Selbst klassische Verlage, die grundsätzlich sehr vorsichtig und konservativ sind, was solche Flat-Rate-Angebote betrifft, beginnen sich mit diesen Szenarien nun zu beschäftigen. HarperCollins, einer der Big 5 in den Staaten, hat Ende letzten Jahres mit Scribd einen Vertrag geschlossen.  Brian Murray, der CEO von Harpercollins erwähnte explizit , „dass sie und ihre Autoren sich freuen würden, wenn dieser Weg im Buchgeschäft sich so weiterentwickeln würde, da er das genaue Gegenteil der Abo-Modelle der Musikindustrie darstellt und für ihre Autoren gut ist.“   Siehe Artikel „scribd moves beyond document sharing with $8.99 month ebook subscription service“ auf Gigaom.com

Zurück zu Readfy. Laut Frank Großklaus, einem der Gründer von Readfy wollen sie Verlage und Autoren pro gelesener Seite auszahlen. Wie viel genau bezahlt wird, lässt er offen. Vielleicht weiß er es selbst auch noch nicht, denn sie sind ja noch in der Betaphase. Im Gegensatz zu Spotify allerdings, die eine Art Gewichtung nach Marktbekanntheit vornehmen, sollen bei readfy alle die gleichen Konditionen bekommen. Hinzu kommen angeblich noch die Erlöse aus den Werbeeinnahmen, die sie zum größten Teil auch an die Verlage ausschütten wollen. Die Betaphase soll aber auch hierfür Erkenntnisse liefern.

Readfy-Gründer Bauchspiess sagt: „Der Verlag wird für jede gelesene Normseite bezahlt; durch diese Einnahmen, denken wir, lassen sich die Einbrüche der physischen Verkaufszahlen zumindest teilweise kompensieren.“  Siehe  „wir wollen die disruptive Kraft sein“ auf buchreport.de 

Konkreter wird es leider derzeit nicht, zumindest habe ich trotz einiger Recherche nichts gefunden. Vielleicht weiß jemand mehr? Was readfy also für Autoren bedeutet, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich abschätzen. Schauen wir also mal, welchen Weg sie einschlagen.