Schlagwort-Archive: Fabel

Rezension zu „Sternchens Himmel“ von Aleksandra Regina

„Die Geheimnisse des Universums mit Kinderaugen betrachtet“

 

Buchcover Aleksandra Regina "Sternchens Himmel"Ein ganz besonderes Buch möchte ich Euch heute vorstellen. Es heißt „Sternchens Himmel“ und stammt aus der Feder der Autorin Aleksandra Regina, die erst seit Kurzem hier auf BookRix angemeldet ist.

Sternchens Himmel“ ist in die Kategorie „Fantasy“ eingegliedert. Tatsächlich geht sein Inhalt aber weit darüber hinaus. In mehreren Abschnitten birgt es eine Vielzahl an Lebensweisheiten und philosophischen Gedankengängen, die so unaufdringlich und liebevoll in verschiedene Märchen und Fabeln einfließen, dass man davon geradezu überwältigt wird. Meist geht es um existenzielle Fragen, den Sinn des Lebens, eine Aufgabe, eine Botschaft. Dabei versucht die Autorin auch, viele Weltanschauungen miteinander zu verbinden und in Einklang zu bringen.

Besonders berührend ist der Abschnitt „Briefe an Papa aus dem Himmel“. Hier wird einem kürzlich verstorbenen, sechsjährigen Mädchen, das „Sternchen“ genannt wird, ein einziger Tag geschenkt, an dem es seinem geliebten Papa seine Gedanken in Form von Briefen mitteilen kann. So schreibt „Sternchen“ all das auf, was ihm im Leben wichtig gewesen ist, und auch der Grund für seinen Tod, der tatsächlich das Wiedersehen mit Mama und Oma bedeutet, wird genannt.

Die Texte von Aleksandra Regina lesen sich angenehm flüssig und offenbaren viel Liebe zum erzählerischen Detail. Trotz des Inhalts, der bisweilen doch recht nachdenklich stimmt, erwecken sie einen erstaunlich leichtfüßigen, manchmal sogar beflügelten Eindruck. So wird „Sternchens“ Tod zu einem „Abschied ohne Abschied“, wie die Autorin schreibt, denn auch der Abschied hat einen tieferen Sinn.

Sternchens Himmel“ ist also ein ganz einzigartiges Leseerlebnis. Das Buch ist aber noch aus einem anderen Grund etwas Besonderes. Aus den Einnahmen des Werkes wird die Stiftung „Helfen aus Dank“ unterstützt. Diese Stiftung fördert u.a. das Kinderhospiz „Sternenbrücke“ in Hamburg. Nicht zuletzt dieser Umstand lässt den Kaufpreis von 2,99€ für das 326-seitige Werk überaus angebracht erscheinen.

 

ISBN: 978-3-95500-013-4

Rezension zu „Der Mäusesprecher“ von Fyona A. Hallé

„Käse… Käse! Käsekäsekäse!“

 

Buchcover Fyona A. Hallé "Der Mäusesprecher"In dieser Rezensionsreihe haben wir bereits Geschichten über heldenhafte Nudeln und abenteuerlustige Äpfel entdeckt. Nun wenden wir uns mutigen, kleinen Vierbeinern zu. „Der Mäusesprecher“ von Fyona A. Hallé – Benutzername „fahalle“ – steht heute auf dem Programm.

Wir begleiten hier die Maus Aischa auf einem Zug in eine Käserei. Dazu sind mehrere der flinken Nager aufgebrochen und Aischa vertritt ihren Bruder. Der hungrige Trupp hat einen Wagen im Schlepptau, in welchen ein Käselaib verladen werden soll. Auf dem Gefährt sitzt ein Mäusesprecher, der seine Artgenossen unterwegs mit allerlei Durchhalteparolen bei Laune hält. Natürlich stellt das größte Problem bei der Käsebeschaffung eine andere vierbeinige Spezies dar, und während sich Aischa noch fragt, warum nur Mäuse mit von der Partie sind, die schlechter riechen können als sie, steigt ihr auf einmal ein suspekter Duft in die Nase.

Die Fabel um den Mäusesprecher wird auf angenehmem sprachlichen Niveau erzählt. Ein paar Flüchtigkeitsfehler haben sich zwar eingeschlichen, gehen aber vor lauter Spannung unter. Die Tatsache, dass Aischa das erste Mal an einem solchen Beutezug teilnimmt, macht das Ganze sogar noch aufregender, da wir gemeinsam mit ihr völlig unbekanntes Terrain betreten, das nicht nur verheißungsvolle Nahrungsreserven, sondern auch so manche lauernde Gefahr in sich birgt. Aber Aischa soll noch mehr ergründen. Das Geheimnis des Mäusesprechers ist es, das sie schließlich am meisten interessiert.

Die Fabel ist ein recht ungewöhnlicher Text, da hier zwar Mäuse versuchen, an ihre Leibspeise zu gelangen, dafür aber ganz eigensinnige Mittel einsetzen. Die Autorin nutzt hier auch Motive einer erst kürzlich gestürzten Diktatur. Somit ist „Der Mäusesprecher“ also nicht nur Käseliebhabern zu empfehlen, sondern regt zum Nachdenken an.

Rezension zu „Blauer, blauer Himmel“ von Shay76

„Ich habe mein Blau zu pflegen, damit habe ich genug zu tun.“

Shay76 nennt sich ein/e Autor/in auf BookRix, über die/den wir ansonsten (leider) gar nichts wissen. Allerdings hat Shay76 eine Reihe von Büchern veröffentlicht, von denen ich mir „Blauer, blauer Himmel“ etwas näher angeschaut habe.
Es handelt sich hierbei um eine Fabel, in der aber nicht Tiere mit Sprechrollen bedacht werden, sondern Himmelsphänomene. So beobachtet ein Ich-Erzähler, der in seinem Garten auf der Wiese liegt, wie eine kleine, weiße Wolke über den Himmel zieht und mit diesem eine Unterhaltung beginnt. Später, als es zu dunkeln beginnt, findet die Wolke im Mond einen weiteren Gesprächspartner. Stets ist dabei die Traurigkeit der Menschen das Thema. Die Wolke nimmt diese Traurigkeit wahr, wohingegen sich Himmel und Mond dafür weniger sensitiv oder verständnisvoll zeigen. Der Himmel kümmert sich nämlich in erster Linie um sein schönes Blau und dem Mond liegt die Natur am Herzen, die er durch die Menschen bedroht sieht.
Shay76 schreibt solide, wobei an manchen Stellen kleine Verbesserungen möglich wären. So wird beispielsweise stets der Dativ mit der Präposition „wegen“ gebraucht, was das Bild ein wenig trübt. Entscheidend empfinde ich jedoch die Auswahl der Protagonisten für die Fabel. Himmel, Mond und Wolken kommen ja für gewöhnlich nicht in Fabeln vor und lassen daher keine Rückschlüsse auf die ihren Charakteren zugrunde liegende Symbolik zu. Ein Fuchs in einer Fabel ist beispielsweise immer schlau. Aber ein Himmel, was könnte der wohl sein? Der Text und die durch ihn erzielte Aussage wirken somit unverbraucht und innovativ und regen zum Nachdenken an.
Shay76 verlässt die gewohnten Pfade und schon alleine deshalb verdient die Fabel „Blauer, blauer Himmel“ näheres Hinsehen.