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Rezension zu „Fuck the Police!“ von Guy Kiss

I kissed a cop …

Dann und wann stolpert ja der Rezensent beim Stöbern über so manchen ausgefallenen Buchtitel, gelegentlich kommt aber auch ein Buch zum Vorschein, das ein wenig – sagen wir mal – „reißerisch“ ausschaut. So auch hier: „Fuck the Police!“ heißt das Werk, das sich bei näherer Betrachtung als Anthologie herausstellt, die von den Mitgliedern einer BookRix-Gruppe zusammengestellt und herausgegeben worden ist. Da wird man neugierig und guckt mal hinein.

Das Buch besteht aus 14 Kurzgeschichten, vor denen jeweils eine knappe Inhaltsangabe zu finden ist, sodass man sich vorab schon grob orientieren kann, worum es im Folgenden geht. Dazu kommt noch ein Vorwort, das die Entstehungsgeschichte des Sammelbandes schildert. Darin erfahren wir, dass die 14 vertretenen Autorinnen allesamt Mitglieder der Gruppe „Gay Kiss“ auf BookRix sind und unter dem Pseudonym Guy Kiss diese Anthologie mit homoerotischen Texten veröffentlicht haben. Unter ihnen befinden sich solch wohlbekannte Namen wie Kooky Rooster oder Caro Sodar, von der auch das Cover stammt.

Inhaltlich dreht es sich stets um folgenschwere Begegnungen männlicher Protagonisten mit männlichen Polizeibeamten. Dabei geben sich die einzelnen Episoden recht unterschiedlich, mal gefühlvoll und leise, mal direkt und unverblümt. Besonders drollig finde ich den Text von Savannah Lichtenwald, in der es um Steffen, einen übermotivierten Ordnungshüter, geht, der schrecklich gerne Parksünder in seiner Nachbarschaft aufspürt. Praktischerweise wohnt seit Neusten schräg gegenüber ein Callboy, dessen motorisierte Kundschaft meistens im Parkverbot hält, ein Traum für Steffen. Doch die Dinge entwickeln sich dann nicht so, wie es gedacht war.

In eine ganz andere Richtung geht „Fuck the Demolition Master“ von Norma Banzi. Die Handlung spielt nämlich auf dem Bergbauplaneten Deidalus und hat außerdem Aliens als Protagonisten, was für einen homoerotischen Text doch ungewöhnlich wirkt. Aber auch die Außerirdischen haben Alltagssorgen und Liebeskummer. Auch der Alkohol darf bei ihnen nicht fehlen.

Insgesamt ist zu sagen, dass das Buch in einer sehr ordentlichen Form daherkommt. Fehler laufen einem beim Lesen fast nie über den Bildschirm und man wird überrascht sein, wie viel aus dem anfangs vielleicht etwas dürftig erscheinenden Leitmotiv herausgeholt werden kann. Das Zauberwort lautet hier „Vielfalt“. Die Autorinnen verfügen jeweils über eine unverwechselbare Handschrift, was Ausdruck und Handlung angeht. Dadurch wird das Lesen zu einem kurzweiligen Erlebnis.

Außerdem ist noch zu erwähnen, dass die Autorinnen den Erlös aus dem Verkauf des Sammelbandes an den Förderkreis Heartbreaker spenden möchten. Dieser Verein engagiert sich für AIDS-Projekte und einen tolerante(re)n Umgang mit Erkrankten. In Anbetracht dieses Umstandes sowie der guten Ausarbeitung des Buches hätte man gerne noch mehr dafür bezahlt.

Fuck the Police!“ ist eine Anthologie, die zeigt, was sich aus einem freundlichen und toleranten Miteinander entwickeln kann. Durch die 14 beteiligten Autorinnen wird das Buch abwechslungsreich und sehr kurzweilig. Nicht nur Polizisten werden es mögen und andere Berufsgruppen werden vermutlich schon jetzt auf eine weitere Ausgabe der Gay-Kiss-Gruppe warten, in der sie dann selber im Mittelpunkt stehen.

Rezension zum Selfpublishing-eBook „Rock me, Baby“ von C. Griethe

Romeo und … Noah!

Heute wenden wir uns der Gay-Romance zu, ein Genre, das bekanntlich reichlich Gefühl zu bieten hat. So ist „Rock me, Baby“ der Indie-Autorin C. Griethe denn auch ein Roman, der eine gleichgeschlechtliche Beziehung zum Thema hat, die sich in Musikerkreisen abspielt.

Buchcover C. Griethe "Rock me, Baby"Noah Mills ist der Sänger einer erst kürzlich entdeckten Band. Zusammen mit seinen drei Kollegen, von denen der eine, Jason, sein Stiefbruder ist, steht er am Anfang einer Bilderbuchkarriere in der Welt der Musik. Der äußere Schein ist also blendend, doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Von einer Internetseite hat Noah nämlich erfahren, dass er vor Kurzem eine Affäre mit einem weiblichen Fan gehabt hat. Selber weiß er davon allerdings nichts. Obwohl die Story also offenkundig frei erfunden ist, distanziert sich Jason merklich von ihm, was ihm schwer zu schaffen macht, da sein Stiefbruder ihm stets Halt gegeben hat. In einer Art Kurzschlussreaktion möchte sich Noah mit einem Callboy ablenken. Er kann nicht ahnen, welche ausufernden Verwicklungen er damit auslöst.

Außer ein paar Flüchtigkeitsversehen gibt es nichts Gravierendes festzustellen. Nur die Kommasetzung ist gelegentlich nicht ganz stimmig, da öfters mal keine Trennung zwischen Haupt- und Nebensatz erfolgt. Davon abgesehen, ist der Text stilistisch recht gut ausgefallen. Der Ausdruck ist eine gelungene Mischung aus angenehmer Schrift- und eher salopper, aber nie niveauloser Umgangssprache, was man sich durchaus für Unterhaltungen zwischen Bandmitgliedern vorstellen kann. Die Nutzung des Präsens’ in der gesamten Geschichte lässt die Handlung aufgelockert dahinschwirren. Man muss allerdings sagen, dass diese gelegentlich etwas vorhersehbar erscheint, weshalb sich die Spannung ein wenig in Grenzen hält. Romantisch ist sie allerdings trotzdem.

Der Preis für den kompletten Download beträgt 3,99€. Da der Text stilistisch in Ordnung ist und der sprachliche Ausdruck perfekt zum Setting passt, ist das angemessen. „Rock me, Baby“ ist gute Unterhaltung für sinnliche Momente, weniger ist es für Leser geeignet, die sehr Tiefsinniges oder Philosophisches erwarten. Stattdessen spricht es in erster Linie das Herz an und das tut es recht sympathisch.