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Rezension zu „Flickenteppich“ von K.J. Weiss

„Schicksalsschläge zeigen dir deine wahren Freunde.“

Mit dem schwierigen Thema Schizophrenie befasst sich der Roman „Flickenteppich“ von K. J. Weiss. Es handelt sich dabei um eine fiktive Geschichte, die, wie wir im Vorwort erfahren, jedoch teilweise auf tatsächlich Erlebtem des Autors beruht. Das deutet auf ein Werk mit Tiefgang hin, weshalb ich es mir einmal genauer angesehen habe.

Gleich nach dem Vorwort befinden wir uns mitten in der Handlung. Wir erleben mit, wie eine Frau in der eisigen Kälte der Nacht vor einem Verfolger flieht. Sie hastet durch die Straßen einer erstarrten Stadt und versteckt sich schließlich in einem Müllcontainer vor ihm. Sie wartet und wartet, hört immer wieder verdächtige Geräusche, bis die Angst sie übermannt und sie aus dem Behälter zu springen versucht.

Dann befinden wir uns bei Nicole zu Hause. Sie bekommt an einem Sonntagmorgen einen Anruf einer Ärztin. Allem Anschein nach ist ihre Schwester Sarag verfogt und überfallen worden, weshalb sie jetzt auf der Intensivstation liegt. Nicole ist geschockt und begibt sich sofort ins Krankenhaus. Was ist bloß mit ihrer Schwester passiert? Beim Versuch, die Vorfälle der letzten Nacht aufzuklären, ergeben sich immer mehr Ungereimtheiten. Sollte Sarah nicht eigentlich im Urlaub in Spanien sein? Was hat sie in die garstige Kälte hinausgetrieben? Und wie geht es weiter?

Was sofort positiv auffällt, ist die unterschwellige Spannung, die der Autor von Beginn an erzeugt. Kaum hat man einen Absatz gelesen, möchte man unbedingt wissen, wie es weitergeht, und das, obwohl ja im Vorwort bereits angedeutet wird, was das eigentliche Thema des Buches ist. Die Schilderungen sind jedoch so plastisch und glaubwürdig, dass man stets bei der Stange gehalten wird. Auch der sehr ausführliche und vielseitige Schreibstil tragen zu diesem Eindruck bei.

Doch „Flickenteppich“ bietet mehr als nur Spannung. Wir erleben mit, wie Nicole durch das Schicksal ihrer Schwester Sarah mehr und mehr für das Leid Anderer sensibilisiert wird, wie sie Gegebenheiten hinterfragt und neu abwägt. Das gibt auch dem Leser zu denken. Und schließlich kommt dann auch die Beschäftigung mit der Diagnose Schizophrenie, dem Wechselbad der Gefühle, das dadurch bei den Betroffenen und Angehörigen entsteht. Dem Autor gelingt es auf eine sehr einfühlsame Weise, sein Publikum für die Problematik psychischer Erkrankungen zu sensibilisieren, denn letztlich stehen stets Einzelschicksale dahinter, unverwechselbare Menschen, die ihr Leben meistern müssen.

Flickenteppich“ ist ein Buch, das wärmstens empfohlen werden kann. Es bietet ein komplexes, wichtiges Thema, viel Spannung und Dramatik und noch mehr Stoff zum Nachdenken. Und das alles wird in sprachlich grandioser Form geschildert. Unbedingt lesen!