Schlagwort-Archiv: Lyrik

Heinrich Heine

Herzlichen Glückwunsch

„Dort, wo Bücher verbrannt werden, verbrennt man am Ende auch Menschen.“

Dieses weltbekannte Zitat stammt von Heinrich Heine, einem der bedeutendsten deutschen Dichter, Schriftsteller und Journalisten. Genau heute vor 215 Jahren, am 13. Dezember 1797, wurde er in Düsseldorf geboren.

Heine wurde schon zu Lebzeiten von vielen Menschen sehr verehrt. Einer seiner größten Fans war Kaiserin Elisabeth von Österreich – besser bekannt als Sissi.

Vor allem seine ungekünstelte Art zu schreiben und seine Menschlichkeit, trugen zur großen Beliebtheit Heinrich Heines bei. Er gilt als „Letzter Dichter der Romantik“ und überwand diese Epoche, indem er die klassich, romantischen Stilmittel für das Überbringen politischer Äußerungen verwendete.

Sein bekanntestes, deutsches Werk ist die Loreley. Vor allem die erste Strophe dieses wunderbaren Gedichtes dürfte wohl sogut wie jedem durchaus bekannt sein.

Ich weiß nicht was soll es bedeuten,
Dass ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Das komplette Gedicht könnt ihr  hier lesen.

Alles Gute, Heinrich Heine!

Rainer Maria Rilke

Ein wahrer Poet hat Geburtstag

Allein sein Name klingt schon wie ein kleines Gedicht: René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke – besser bekannt als Rainer Maria Rilke. Ein Mensch mit einem solch poetischen Namen ist ja geradezu prädestiniert dazu, einmal ein bekannter Dichter zu werden, oder? 😉  Im Fall von Rainer Maria Rilke ist dies – wie wir alle wissen – der Fall, denn er entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten und beliebtesten Lyriker aller Zeiten. Genau heute vor 137 Jahren wurde er geboren.

Gerade passend zur Vorweihnachtszeit möchten wir euch gerne ein wunderschönes, kleines Gedicht mit dem Titel „Advent“ von ihm vorstellen.





Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird,
Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
Streckt sie die Zweige hin – bereit,
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke
(1875-1926)


Auch auf BookRix haben sich einige unserer Autoren mit der Adventszeit auseinandergesetzt. Während dieser vier Wochen gibt es auf der ganzen Welt unzählig viele Traditionen und Gebräche. Dazu gehört auch der allseits beliebte Adventskalender, der heutzutage in allerlei Formen die Herzen der Kinder und auch so manches Erwachsenen erfreut.

Doch wo kommt diese Tradition überhaupt her? Diese und andere weihnachtliche Fragen klärt der Autor Frank Wollweber in seinem Buch Adventskalender – 24 kleine Geschichten über Weihnachten. “ Interessantes zum Weihnachtsfest aus aller Welt kann in diesem Buch in kleinen Portionen gelernt werden. Ein tolles Buch für Groß und Klein.
Wir wünschen euch eine besinnliche Vorweihnachtszeit.
Viele Grüße,
Euer BookRix-Team

Rezension zu „Herbstgrüße“ von Hartmut Gelhaar

„Tage tröpfeln, Nebel wallen – Aktienkurs und Blätter fallen“

 

Buchcover Hartmut Gelhaar "Herbstgrüße"Passend zur Jahreszeit der kürzer werdenden Tage hat der Autor Hartmut Gelhaar – Benutzername „texter“ – mit seinen „Herbstgrüßen“ eine kleine Sammlung aufheiternder Verse zusammengestellt, die ein wenig über die sich allmählich zurückziehende Sonne hinwegtrösten möchten.

Das Buch besteht aus 21 Gedichten, die mal humorvoll, mal ein wenig nachdenklich die Besonderheiten des Herbstes schildern. Beschrieben werde dabei nicht nur buntes Laub und kühles Wetter, sondern oft auch die Herstellung verschiedener saisonaler Speisen und Getränke. Der sprachliche Ausdruck ist solide, die Strophen folgen zumeist einem klaren Versmaß und Reimschema. Dann und wann stößt man jedoch auf die eine oder andere Flexionsendung, die der Autor zur Wahrung des Endreims etwas zurechtgestutzt hat (z.B. „zwischen Apfelblätter“).

Was mir vor allem an den „Herbstgrüßen“ gefällt, ist die Aufmachung des Buches. Die Gedichte werden nämlich stets durch stimmungsvolle Impressionen aus der freien Natur und kleine Zeichnungen aufgelockert. Letztere finden sich ab und an auch mal neben den Fotos. Besonders nett finde ich den Kürbis auf Seite 13.

Zusammen ergeben Gedichte und Bilder einen sehr bunten Eindruck des Herbstes, der die Schönheit dieser Jahreszeit perfekt darstellt. Das Buch ist daher also einen Blick wert.

Rezension zu „Labyrinth des Lebens“ von Uwe Dollichon

„Schweigen und aneinander vorbeireden“

 

Buchcover Uwe Dollichon "Labyrinth des Lebens"Der Autor Uwe Dollichon – Nutzername „baucis.readers566“ – ist seit September 2012 Mitglied unserer Bookunity und hat zur Begrüßung einen Lyrikbank hochgeladen, der den vielversprechenden Titel „Labyrinth des Lebens“ trägt. Da bin ich neugierig geworden und habe reingeschaut.

Darin finden sich zwölf Gedichte, die verschiedene Themen behandeln. So geht es mal um Kommunikation, dann um die Frage nach der Bedeutung eines Individuums inmitten der Masse, schließlich um die Hingabe zum allgegenwärtigen Automobil.

In „Feigheit“ beschreibt der Autor die Empfindlichkeit von Menschen, die durch die Meinung Anderer über sie an den Rand gedrängt worden sind und dadurch noch hellhöriger auf deren Äußerungen reagieren. „Durch schlechte Sender ein guter Empfänger zu sein“, so lautet eine, wie ich finde, sehr beeindruckende Zeile aus diesem Gedicht. Die „schlechten Sender“ sorgen mit ihren abfälligen Bemerkungen also dafür, dass der „Empfänger“ mehr hört, weil er stets auf der Hut ist. Die Angst, etwas Verletzendes hören zu können, wird daher zum ständigen Begleiter des Empfängers. Der Text bringt dies eindrucksvoll auf den Punkt.

Bei „Persönlichkeitsverlust“ geht es um die – oftmals von der Masse erzwungene – Auflösung des Individuums durch Anpassung.

Stilistisch betrachtet, geben sich die einzelnen Gedichte recht unterschiedlich. In manchen finden sich Formulierungen, die technisch oder wissenschaftlich anmuten. Gelegentlich wirken diese ein wenig hölzern. Aber generell tragen sie zu einer vielseitigen Wortwahl und vor allem einer bunten Metaphorik bei. Starre Metrik oder erdrückenden Reimzwang findet man hier glücklicherweise nicht, auch wenn dann und wann mal ein Reimwortpaar beim Lesen an einem vorbeifliegt. Selten stößt man auf Flüchtigkeitsfehler, im Großen und Ganzen ist die Ausarbeitung der Texte als solide zu bezeichnen.

Etwas zerknirscht bin ich beim Preis. 5,49€ sind für ein eBook mit 22 Seiten ein wenig viel. Zweifellos haben Uwe Dollichons Gedichte eine Botschaft, die es wert ist, gehört – und auch gekauft – zu werden. Allerdings sind die Preise für elektronische Bücher in der Regel niedriger anzusetzen. Fazit: Teuer, aber gut!

ISBN: 978-3-95500-166-7

Rezension zu „Schicksals-Sport“ von Renate Zadro

„Sei offen für Neues und lebe lebendig.“

  

Buchcover Renate Zadro "Schicksals-Sport"Eine bezaubernde Gedichtesammlung verbirgt sich hinter dem Titel „Schicksals-Sport“, einem 48-seitigen, kaufbaren Buch von Renate Zadro, die erst kürzlich zu uns gestoßen ist und sich „nanakiko“ nennt. Die Texte habe ich mir gleich mal angeschaut.

Das Werk enthält insgesamt 24 Gedichte, die hinsichtlich ihres Metrums und der Zeilenzahl verschieden aufgebaut sind. Reime und straffes Versmaß sind dabei eher die Ausnahme, was ich aber nicht als nachteilhaft ansehe, da dies meist mehr Freiraum für die inhaltliche Aussage schafft. Thematisch befassen sich die einzelnen Texte hauptsächlich mit dem Seelenleben, mit verschiedenen Empfindungen und Emotionen und dem, was diese auslösen können. Es geht um das Miteinander und das Füreinander, manchmal aber auch um die schweigende Einsamkeit.

Besonders gefallen hat mir „Sehnsucht“. Es enthält nämlich einen sechszeiligen Kehrvers, der am Ende erneut, doch variiert auftaucht. Zunächst beschreibt er den Gewinn, den die Sehnsucht darstellt, dann aber den schmerzlichen Verlust und das Vermissen. Diese Gegenüberstellung ist gut getroffen.

Eine nicht alltägliche Metapher findet sich in „Faltenherz“. Hier wird ein Herz nämlich zu einem Papierflieger.

Der sprachliche Ausdruck ist bei sämtlichen Gedichten recht ordentlich ausgefallen. Allerdings kommen gelegentlich Rechtschreib- und Grammatikfehler vor, letztere vor allem bei der Kongruenz der Kategorie Genus, die vermeidbar gewesen wären. Den Lesefluss behindern sie allerdings nur selten. Ansonsten gefallen die Texte durch ihre abwechslungsreiche Ausgestaltung und rhythmische Leichtfüßigkeit. Letztere erscheint zwar dann und wann als Gegensatz zu dem teilweise eher trübsinnigen Inhalt, aber dies ist möglicherweise von der Autorin beabsichtigt, um damit auszudrücken, dass die Seele trotz Traurigkeit und Schmerz unbeschwert durchs Leben tanzen kann.

Der Preis von 2,99€ für das komplette Buch ist angesichts der erwähnten Grammatikfehler vielleicht ein wenig hoch. Andererseits bekommt man hier Texte geboten, die wegen ihrer unaufdringlichen und doch aussagekräftigen Erscheinung Beachtung verdient haben.

 

ISBN: 978-3-95500-171-1

Rezension zu „Tod“ von Patricia Radda

„Du liest nicht gerne Gedichte? Dann solltest du diese Gedichte lesen.“

 

Buchcover Patricia Radda "Tod"Das soeben genannt Zitat stammt aus dem Klappentext eines Gedichtbandes, der den Titel „Tod“ trägt und diesen in lyrischer Form behandelt. Er stammt aus der Feder einer Autorin, die heute hier im Blog für ein Novum sorgt: Patricia Radda – Nutzername trisha.books – ist nämlich die erste Autorin, von der zwei Werke im Rahmen dieser Rezensionsreihe vorgestellt worden sind. Diesen erfreulichen Umstand verdankt sie natürlich ihrer dichterischen Kreativität.

Aber fangen wir vorne an. „Tod“ ist ein kaufbare e-Book, das für 1,99 € herunterladbar ist. Es enthält insgesamt 13 Gedichte, wobei ich annehme, dass die Anzahl beabsichtigt sein dürfte. Die einzelnen Texte unterscheiden sich jeweils in Aufbau, Metrum und Inhalt; manche wirken recht bedrückend, andere hingegen weisen ein gewisses Maß an Humor oder Ironie auf. Alle sind ausdrucksstark und innovativ. Sie wirken eigenständig und eigenwillig, lösen sich ganz deutlich von vorhandenen Mustern und lassen einen offenen Geist erkennen, der für ihre Entstehung verantwortlich zeichnet. Gelegentlich haben sich allerdings ein paar Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen, die aber den Gesamteindruck nicht trüben.

Besonders gefallen hat mir „Der Kalender begeht Selbstmord“, eine Satire über unsere alltägliche Hektik, die das Verwalten unzähliger Termine verlangt. In diesem Gedicht spricht ein Kalender, der mit seiner Aufgabe allerdings ein wenig überfordert ist und daher schließlich den Freitod wählt. Sehr einfallsreich und humorvoll! Kurz und bündig gibt sich im Gegensatz dazu „Fragen“, das seinem Titel alle Ehre macht.

Das letzte Gedicht heißt „Leben“, womit also dem Gegenpart des Todes das Schlusswort gehört. Das drückt eine Hoffnung aus, bejaht die Existenz und rundet das Thema dadurch ab, denn ohne das Leben würde es auch den Tod nicht geben.

Ich finde diesen Gedichtband sehr erstaunlich, da die Art, wie die einzelnen Texte das Thema beleuchten, ehrlich, aufgeschlossen und unverbraucht erscheint. Man muss sich beim Lesen nicht ständig an irgendwelche Klassiker erinnert fühlen, sondern kann getrost gewohnte Pfade verlassen und sich für ganz neue Eindrücke öffnen. Daher ist auch der Kaufpreis mehr als gerechtfertigt.

  

ISBN 978-3-95500-016-5

Rezension zu „der weg in das morgen“ von Renate M. Kaufmann

„Leid ist nur ein Augenblick“

 

Buchcover Renate M. Kaufmann "der weg in das morgen"Mal wieder ist es an der Zeit, einen ganz besonderen Schatz zu heben. Der Gedichtband „der weg in das morgen“ hat mich sehr berührt, weil seine Autorin Renate M. Kaufmann – ihr Nutzername ist „renatekaufmannarts“ – ihn laut Klappentext nach dem Tode ihrer jüngsten Tochter geschrieben hat.

Das beinhaltet nicht nur neun Gedichte, sondern auch acht gemalte Bilder (das Cover mitgezählt), die die ausformulierte Botschaft anschaulich ergänzen und eine Tendenz erkennen lassen: Da wo man ein Schwarz als Farbe der Trauer erwarten würde, findet man ein warmes Bunt, das in verschiedenen Mustern sanft dahinfließt. Dieser Eindruck bestätigt sich dann auch beim Lesen der Texte. Diese beschäftigen sich zwar mit dem leidvollen und unvermeidbaren Abschied, den der Tod eines nahe stehenden Menschen darstellt, doch sie klingen weder bitter noch entmutigt. Stattdessen drücken sie Verständnis aus, das Erkennen des Neuen, das sich durch den Tod einstellt. Besonders deutlich wird dies in „vergänglichkeit“, in welchem das (physische) Nicht-Sein in einem anderen Licht betrachtet wird, das mehr erkennen lässt als die Augen zu sehen vermögen.

Die Gedichte unterliegen keinem strengen Metrum, auch wenn manchmal bestimmte Zeilen wiederholt werden, um den Text in Strophen zu gliedern. Auch ist kein Reim vorhanden. Diese beiden Umstände verdeutlichen aber nochmals die Grundstimmung des Loslassens, des Freilassens, dem allzu starre Formen nur im Wege stehen würden.

Renate M. Kaufmann hat in diesem Band etwas geschaffen, was durch so viel Liebe und künstlerischer Anmut fasziniert und zeigt, was man mit Worten erreichen kann. Dazu gesellen sich hier noch die Bilder mit ihren beruhigenden Farbspielen. Das Buch ist also etwas ganz Besonderes und ich bin froh, es gefunden zu haben.

Rezension zu „Tauchstation“ von Marvelous

Stationen des Erlebens

 

Buchcover Marvelous "Tauchstation"Heute geht es in dieser Vorstellungsreihe mal wieder um Lyrik. Und mal wieder gilt es, ein ganz besonderes Buch ans Licht zu fördern, das mehr Aufmerksamkeit verdient hat. „Tauchstation“ von der Autorin Marvelous ist schon seit über drei Jahren auf BookRix zu finden, sollte aber nicht in der Masse untergehen.

Das Buch enthält insgesamt acht Gedichte, die sich zumeist mit Emotionen und ihrer Wahrnehmung beschäftigen, manchmal auch mit dem Gegensatz von Traum und Wirklichkeit. Besonders stark finde ich „Gib mir Deine Hand“, in welchem die Ich-Erzählerin einem Freund Hilfe anbietet. Dabei fasziniert mich besonders die Offenheit und Ehrlichkeit, die man aus den Zeilen herauslesen kann. Sie möchte ihm beistehen, doch sie verheimlicht nicht die Tatsachen, die ihm auch weiterhin das Leben schwer machen werden. Ebenso klar gibt sich auch „Virtuell“, das die Vorstellung eines Wunschpartners zum Thema hat.

Die Gedichte sind unterschiedlich lang und folgen keinem durchgängigen Versmaß. Stattdessen liegt der Fokus auf der Ausdrucksstärke der verwendeten Worte, was der Autorin auch sehr gut gelungen ist. Man gewinnt beim Lesen den Eindruck, dass keine Zeile zufällig entstanden oder beiläufig eingefügt ist. Vielmehr hat eine jede ihren Sinn, bildet eine relevante Aussage, die jedes Gedicht zu einem eigenständigen Kunstwerk werden lassen, dem ein intelligenter Charakter innewohnt. Dann und wann fliegt auch mal ein Endreim ganz leichtfüßig vorbei und verleiht den Zeilen dann eine angedeutete imaginäre Melodie.

Tauchstation“ ist ein Buch, das es wert ist, beachtet zu werden. Hier begegnen sich gewichtige Aussage und ästhetisch ansprechende Form, um etwas Vollendetes entstehen zu lassen. Die graphische Gestaltung, die ebenfalls von Marvelous stammt, fügt sich wunderbar ein.

Rezension zu „Steinerne Zeugen“ von Wolfgang Häring

„Wissende Steine“

  

Buchcover Wolfgang Häring "Steinerne Zeugen"Der Autor Wolfgang Häring – Nutzername „alexanderwolle“ – lebt im Erzgebirge. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er sich auch literarisch mit hohen Bergen und schroffen Felsen auseinandersetzt. So ist unter anderem ein Gedicht namens „Steinerne Zeugen“ entstanden, dem sich dieser Blogbeitrag widmet.

Der Text besteht aus insgesamt 74 Zeilen, die in sieben Strophen unterschiedlicher Länge gegliedert sind. Es liegt kein durchgängiges Reimschema vor, doch erscheinen dann und wann Wortpaare mit gleich lautenden Silbenausgängen. Ebenfalls gibt es kein Versmaß. Dennoch ist das Gedicht recht flüssig zu lesen, da sich eine allzu enge Form ja oftmals eher kontraproduktiv auswirkt; hier erscheint eine geradezu leichtfüßige Folge von Satzgliedern, die wie ein kalter Gebirgswind vorüberrauscht.

Am besten gelungen ist aber die Umsetzung des Inhalts. Die wissenden Steine berichten eine grausige Begebenheit, die sich vor langer Zeit in ihrer Mitte abgespielt hat. Wir werden Zeuge eines jähen Todes, der einen Bergbewohner ereilt, über den wir nicht viel wissen. Zu erahnen ist, dass er kein schönes Leben geführt hat. Allerdings wird er von einer höheren Macht mit sich genommen.

Insgesamt ist „Steinerne Zeugen“ ein inspirierendes Gedicht. Die kurzen Zeilen passen sehr gut zu der Vorstellung der wissenden Steine, die sich die tragische Geschichte aus fernen Tagen mit knappen Worten erzählen. Die Stimmung wird dabei wie in einem Film festgehalten. Zwar löst sich am Ende nicht jedes Rätsel, aber das muss es auch nicht, denn die vielen Andeutungen sagen mehr als Worte.

Wer finstere Poesie mag, sollte sich Wolfgang Härings Werk also einmal anschauen.

Rezension zu „Winnifred & Kunigunde“ von Lakie

Um Mitternacht, zur Geisterstunde

Buchcover Lakie "Winnifred & Kunigunde"Die Autorin Lakie – Nutzername „lakiegitte“ – hat bereits eine ganze Menge eigener Werke zu verschiedenen Themen bei uns eingestellt. Hiervon ist mir das Gedicht „Winnifred & Kunigunde“ sofort aufgefallen, vermutlich wegen des Giftfläschchens auf der Titelseite. Das anschließende Lesen des Textes hat mir viel Freude bereitet, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Das Gedicht besteht aus 13 Strophen – die Anzahl ist sicherlich beabsichtigt – zu je vier Zeilen. Diese wiederum sind trochäisch mit Auftakt mit vier Hebungen. Der Endreim erfolgt jeweils paarweise. Versmaß und Reimschema werden größtenteils eingehalten, einige Zeilen sparen die letzte unbetonte Silbe aus. Dennoch ist die äußere Form als gelungen anzusehen.

Inhaltlich gibt sich der Text recht humorvoll und unterhaltsam. Die Kunigunde ist ihres Winnifreds sehr überdrüssig geworden und beschließt daher, ihn durch den Einsatz effektiver Chemikalien aus dem Weg zu räumen. Unglücklicherweise geht bei dem Vorhaben aber so einiges daneben.

Die vortrefflichen Formulierungen der Autorin machen das Gedicht zu einem echten Vergnügen. Auch die graphische Aufmachung der Buchseiten ist gelungen. Bleibt mir nur noch, Euch viel Spaß beim Genuss dieser Lektüre zu wünschen.