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Rezension zu „Sonnensturm“ von Silvia Götschi

„Und wenn du alles niedergeschrieben hast, verbrenne das Buch!“

Im bunten Reigen der literarischen Genres ist heute mal wieder die Liebe Gegenstand der Betrachtung. „Sonnensturm“ nennt sich ein entsprechender Roman der Schweizer Autorin Silvia Götschi, der mich nicht nur wegen seines phänomenalen Coverfotos begeistert hat. Im Klappentext wird sogar „eine schaurig-schöne Erzählung voller Poesie und Philosophie“ angekündigt. Ich kann bereits jetzt verraten, dass dies kein bisschen zu hoch gegriffen ist.

Buchcover Silvia Götschi "Sonnensturm"Der Protagonist Ondrej ist Mikrobiologe und Mittvierziger. Seine Ehe ist gescheitert und er kämpft noch mit den vielen Erinnerungen, als er auf einer Vernissage in eine schicksalhafte Begegnung verwickelt wird. Er möchte sich dort nur kurz aufwärmen, trifft dann aber auf Gina, eine Journalisten der Wochenzeitung. Er ist auf Anhieb von ihr fasziniert. Sie ist so völlig anders als seine Frau, unkonventionell, widersprüchlich, unbeschwert, doch es dauert eine geraume Weile, bis sich die beiden wirklich näherkommen. Ondrej ist mit seinem seelischen Schmerz beschäftigt, den sie vorübergehend zu lindern vermag. Aber da ist auch noch die berufliche Karriere, die ihren Tribut einfordert, und das Leben hat ja bekanntlich immer seinen eigenen Plan.

Kann man denn zum Thema Liebe überhaupt noch etwas Neues schreiben? Nach dem Genuss dieses Buches muss ich diese Frage klar bejahen. Natürlich handelt „Sonnensturm“ von Beziehungen, aber da ist noch mehr, wesentlich mehr sogar. Der Umgang mit Erinnerungen, der Vergangenheit und dem Abschied steht im Mittelpunkt. So schenkt Gina Ondrej ein leeres Buch, in das er all seine Erlebnisse aufschreiben soll. Anschließend soll er es verbrennen, um somit endlich loslassen zu können. Dazu gehört das Zitat aus dem Text (Seite 14), das hier als Überschrift dieser Rezension dient.

Zu Ausdruck, Rechtschreibung und Grammatik kann ich nur eins sagen: Perfekt! Fehler sucht man hier wie die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen. Das kommt nicht von Ungefähr, denn der Text ist lektoriert worden, und das offenkundig sehr kompetent. Auch der Schreibstil überzeugt auf ganzer Linie. Wiederholungen sind nicht zu entdecken und die Ereignisse werden derart bildhaft geschildert, dass sich beim Lesen ein ganzes Fotoalbum im Geiste auftut, in welchem jedes einzelne Foto vor schillernden Farben nur so überquillt. Banale und allzu verbrauchte Szenenbeschreibungen gibt es hier nicht. Ein Kuss wird so zu einem „Konzentrat ungeheuren Fühlens“ (Seite 81). Überhaupt steckt das gesamte Buch voller verblüffend tiefsinniger Wendungen. Ein weiteres Beispiel ist dies: „Lange, bevor sich die Hände berühren, berühren sich die Herzen“ (Seite 27). Und als ob das nicht schon genug des Lobenswerten wäre, bestreiten die Figuren dann und wann auch noch eine philosophische Debatte über verschiedene Themen wie Malerei, Evolution oder das Leben nach dem Tode. Es gibt hier also viel zu entdecken und man wird bestimmt nicht unterfordert.

Mit 6,99€ für den Download bei 210 Seiten im BookRix-Format mag das Buch ein wenig teuer erscheinen, Dafür erhält man aber ein literarisches Werk, an dem praktisch nichts zu bemängeln ist. Wer gehaltvolle Geschichten mag, ist hiermit gut beraten. Trotzdem ist „Sonnensturm“ nicht zu kopflastig, sondern bietet auch reichlich Romantik. Das Buch empfiehlt sich für ruhige Stunden, die man nicht sinnlos verstreichen lassen möchte.

ISBN: 978-3-95500-403-3

Rezension zu „Cogito sum sum“ von Klaus Ky Kyde

„Ich denke, aber bin ich?“

Buch "Cogito sum sum" von Klaus Ky KydeDer Autor Klaus Ky Kyde – auf BookRix als „kykyde“ angemeldet – bearbeitet in seinen zahlreichen Texten ein weites Feld an Themen. Die Philosophie hat es ihm allerdings angetan. Daher möchte ich Euch heute auf „Cogito sum sum“ aufmerksam machen, einen kurzen Text, der Denken und Sein in eine neue Beziehung setzt.

Der Autor greift den berühmten Grundsatz „cogito ergo sum“ des Philosophen Descartes auf, um diesen zunächst zu hinterfragen. Ist man nur, wenn man denkt? Ist man mehr, wenn man denkt, als wenn man nicht denkt? Diese verschiedenen Sichtweisen verbindet er geschickt mit weiteren Grundsätzen, spielt mit diesen, dreht und wendet sie, bis es ihm gelingt, hieraus eine neue Erkenntnis zu gewinnen. Man ist alles, was man denkt und auch nicht denkt.

Sprachlich ist an diesem Text nichts zu bemängeln. Der Autor offenbart durch ihn seine Fähigkeiten, Einsichten über Sein und Denken zu gewinnen, die über das hinausgehen, was das oberflächliche Betrachten bietet. Dies gelingt ihm auf eine geradezu spielerisch einfache Weise, die einerseits verblüfft, andererseits aber auch beflügelt und zu eigenem Denken und Hinterfragen anregt.

„Cogito sum sum“ ist vielleicht keine leichte Lektüre. Man muss sie mehrmals lesen, gewinnt dabei aber stets etwas, das einen voranbringt. Somit hat Klaus Ky Kyde hier etwas abgeliefert, das dauerhaft im Geist verweilt.