Schlagwort-Archive: S-Bahn

Rezension zu „Zwischenstopp“ von Jana Oltersdorff

„Keiner merkt was. Nicht mal deine eigene Armbanduhr.“

Buchcover Jana Oltersdorff "Zwischenstopp"Die Autorin Jana Oltersdorff – Benutzername „windjaeger“ – hat bereits mehrere Kurzgeschichten auf BookRix veröffentlicht. Von diesen möchte ich Euch heute „Zwischenstopp“ vorstellen, einen Text, der in die Kategorie „Horror“ eingestuft worden ist.

Sebastian, wohnhaft im Großraum Frankfurt, hat eine merkwürdige Entdeckung gemacht. Seit ein paar Tagen nimmt er regelmäßig eine spätere S-Bahn für die abendliche Heimfahrt und diese bleibt jedes Mal wieder an derselben Stelle mitten in einem abgelegenen Waldstück stehen. Doch damit nicht genug. Offenbar scheint Sebastian der einzige Fahrgast zu sein, dem dieses sonderbare Vorkommnis auffällt. Alle anderen Reisenden wirken während dieses außerplanmäßigen Halts nämlich wie weggetreten und bewegen sich nicht von ihren Plätzen. All diese Umstände wecken Sebastians Neugier und so verlässt er eines Abends seinen Sitz und versucht herauszufinden, was da vor sich geht. Allerdings hat dieser Erkundungsgang fatale Folgen.

Jana Oltersdorff beschreibt das seltsame Szenario recht lebhaft und plastisch, sodass man beim Lesen den wissbegierigen Protagonisten vor sich sieht und so wie er selbst wissen möchte, was es mit dem Zwischenstopp auf sich hat. Langeweile ist ein Fremdwort und hat gar keine Chance, auch nur ansatzweise aufzukommen, denn die Handlung fließt in einem adäquaten Tempo dahin. Die geschilderten Ereignisse sind ebenso ungewöhnlich wie der Halt auf freier Strecke und überraschen dadurch stets aufs Neue.

Was den sprachlichen Ausdruck angeht, kann gesagt werden, dass dieser stellenweise verbessert werden könnte. Dann und wann treten beispielsweise Wortwiederholung auf. Insgesamt wirkt der Text aber aufmerksam ausgearbeitet. Die Autorin verwendet einen eher modernen, direkten Stil, der sich sehr gut in das großstädtische Flair einfügt und auch den neugierigen, aufgeweckten Sebastian nachvollziehbar darstellt.

Mir hat an dieser Geschichte vor allem das mysteriöse Szenario gefallen: Eine S-Bahn bleibt jeden Abend am gleichen Ort stehen und niemand merkt etwas davon. Daraus ergibt sich natürlich viel Raum für gruselige Vorkommnisse, die dann auch prompt geschehen. Dabei wirkt der Text stets lebendig und impulsiv, was dann einen interessanten Gegensatz zur verharrenden S-Bahn bildet. Ebenfalls mag ich das Ende, aber das möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen.

Wer also das Unheimliche mag, der sollte hier mal reinlesen. Am besten konsumiert man die Geschichte in der S-Bahn auf dem Heimweg von der Arbeit. Dann sollte man sich aber davor hüten, bei einem außerplanmäßigen Zwischenstopp seinen Sitzplatz zu verlassen.