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Rezension zu „Glashausmenschen“ von Eva Russ

Phantastische Geschichten

 

Buchcover Eva Russ "Glashausmenschen"Mal wieder wird es Zeit, in dieser Rezensionsreihe ein kaufbares eBook vorzustellen. Dieses heißt „Glashausmenschen“ und stammt aus der Feder von Eva Russ, Benutzername eva.haring.kappel. Da der Klappentext „Spannung und schräge Unterhaltung“ verspricht, bin ich neugierig geworden und habe mal reingeschaut.

Das Buch beinhaltet insgesamt zehn Kurzgeschichten. Von der ersten hat es seinen Titel bekommen. Hier wird eine höchst merkwürdige Begebenheit geschildert. In einem kleinen Ort entsteht auf einer Wiese ein Haus, das ganz und gar aus Glas besteht und daher durchsichtig ist. Gleich nach seiner Fertigstellung erscheinen auch seine Bewohner. Ein Ehepaar zieht ein, das seinen Nachbarn alsbald ein atemberaubendes Schauspiel liefert. Der Mann schlägt nämlich regelmäßig die Frau. Manchmal greift er sogar nach Hilfsmitteln, um ihre Qualen noch zu vergrößern. Draußen bilden sich derweil große Menschenaufläufe, die still und gebannt die Ereignisse beobachten. Findige Unternehmer entdecken die Möglichkeiten dieses Glashauses. Der Platz davor wird sogar überdacht, damit keine Regentropfen dich Sicht trüben können.

Schließlich kommt das grausige Ende. Eines Tages stirbt die Frau durch die Schläge des Mannes, der dann kurz darauf selbst den Tod findet. Wie dies geschieht, möchte ich aber nicht vorwegnehmen.

Glashausmenschen“ ist eine Geschichte, die im wahrsten Sinne des Wortes hinter die Fassaden blicken lässt. Hier wird in einer knallharten Art und Weise vorgeführt, welche Abgründe sich in unserer scheinbar so modernen und zivilisierten Gesellschaft immer noch auftun. Die Gier nach der Sensation ist hier ebenso im Fokus wie auch mangelnde Hilfsbereitschaft. Und am Ende zeigt sich dann das ganze Ausmaß der Verlogenheit, das solche Geschehnisse überhaupt möglich macht. „Glashausmenschen“ rüttelt wach, ohne dass die darin verborgene Botschaft explizit ausformuliert wird.

Etwas origineller gibt sich die Geschichte „Zornröschen“, die eine moderne Form des bekannten Märchens darstellt. Es geht um Rosa Zorn, Tochter eines Textilfabrikanten, die an ihrem ersten Geburtstag von einer bösen Näherin verflucht wird. Die Geschehnisse aus „Dornröschen“ werden hier auf amüsante Weise in die Gegenwart und ihre Gegebenheiten verpflanzt, was einen sehr heiteren Text ergibt.

Dies sind zwei Kurzgeschichten der Sammlung, die insgesamt gut ausgearbeitet ist. Sprachlicher Ausdruck, Handlung und Aussage sind stets stimmig und kreativ ausgefallen. Nur selten findet sich mal ein Flüchtigkeitsfehler, der aber den positiven Eindruck nicht trügen kann. „Glashausmenschen“ gibt sich abwechslungsreich und gehaltvoll, vermeidet dabei ausgetretene Pfade. Die Sammlung ist also in jedem Fall empfehlenswert. Der Preis von 2,99 € ist daher keinesfalls unangebracht.

 

ISBN: 978-3-86479-703-3