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Rezension zu „Um dich geweint…“ von Sarah Wand

„Ein einziges, weltbedeutendes Mal.“

Die Autorin Sarah Wand nennt sich auf BookRix „densetsu“. Ihre Kurzgeschichte „Um dich geweint…“ beschreibt den Versuch der Ich-Erzählerin, mit dem kürzlich erlittenen Verlust der besten Freundin durch einen Verkehrsunfall umzugehen. Dabei ist die Art und Weise, wie Sarah Wand das Thema aufarbeitet, sehr beeindruckend, weshalb ich Euch den Text anempfehlen möchte.
Die Ich-Erzählerin quält sich wegen der Frage, warum sie nicht um ihre verstorbene Freundin weinen kann. Wie im Rausch begibt sie sich in die Kirche, in welcher das Unfallopfer oft gebetet hat. Sieben Perlen aus dem zerrissenen Rosenkranz sind erhalten geblieben, doch schon als sich die Protagonistin dem bevorzugten Platz ihrer Freundin nähert, beginnen in ihr alle Dämme zu brechen. Es folgt eine Sturmflut der Emotionen, die alles mit sich fortreißt und schließlich auch die bisher vermissten Tränen hervorbringt.
Sarah Wands Schreibstil ist sehr gut. Nur ein paar vereinzelte Wortwiederholungen trüben dann und wann das Bild. Ansonsten überzeugt der sprachliche Ausdruck durch Präzision und Variantenreichtum. Die Beschreibung der verschiedenen Gefühlszustände gelingt ihr voll und ganz, sodass man beim Lesen selbst im Strom der Empfindungen davontreibt. Auch die Symbolsprache um die Perlen des Rosenkranzes, die am Schluss auf den Boden fallen, ist gekonnt eingesetzt.
Zwar ist die Geschichte recht traurig, aber angesichts der gelungenen Umsetzung kann sie empfohlen werden.

Zeit für Überraschungen:

Patricia & Joe.

Dies ist der Titel einer ganz besonderen Kurzgeschichte, die Saskia Schiffer alias speedygonzales auf BookRix veröffentlicht hat. Man mag ja angesichts der Überschrift etwas Bestimmtes erwarten, aber eines kann ich schon vorwegnehmen, der Text hat ein überraschendes Ende.

Zunächst lernen wir Patricia kennen, deren Leben sich durch eine niederschmetternde Diagnose komplett ändern wird. Wir teilen ihren Schmerz, die Leere, die sie ausfüllt und teilnahmslos zusammenbrechen läßt. Und inmitten dieses Niedergangs trifft Patricia auf Joe. Auch hier erwartet man einen ganz bestimmten Fortgang der Handlung, aber wieder wendet sich das Geschehen hin zu etwas Unerwartetem, das der Geschichte ein eindrucksvolles Ende beschert.

Saskias Schiffers Schreibstil wirkt flüssig und organisch; man stolpert nicht über zu komplizierte syntaktische Konstruktionen, vielgestaltiger Ausdruck und stimmige Grammatik machen die Geschichte zum Genuß. Flüchtigkeitsfehler gibt es in nur ganz geringer Zahl.

Ohnehin ist die Handlung des Textes dasjenige Element, das am Schluß am längsten im Gedächtnis bleibt, und man ist froh, diesen Text nicht übersehen zu haben. Meine Empfehlung lautet also: Nehmt Euch die Zeit, diese Geschichte zu lesen!