Schlagwort-Archive: Silvia Götschi

Rezension zum Selfpublishing-eBook „Aschenputtel“ von Silvia Götschi

Konfetti, Guggenmusik und eine Leiche …

Vor einer Weile habe ich hier im Blog den Liebesroman „Sonnensturm“ der Indie-Autorin Silvia Götschi vorgestellt, der mich durch seine Mischung aus Romantik, Poesie und Philosophie auf ganzer Linie überzeugt hat. Nun hat Silvia noch mehr Bücher auf der Selfpublishing-Plattform BookRix veröffentlicht, was mich sehr freut. Deshalb habe ich mir ihren Krimiroman „Aschenputtel“ für eine Rezension vorgeknöpft.

Buchcover Silvia Götschi "Aschenputtel"Das eBook enthält insgesamt elf Kapitel plus Pro- und Epilog, sowie Informationen zur Autorin. Die elf Kapitel schildern jeweils die Ereignisse eines Arbeitstages von Kommissar Thomas Kramer. Sein Revier ist Luzern. Dort kommt es einmal im Jahr zum Ausnahmezustand, nämlich dann, wenn am „Schmotzige Donnschtig“ die Fasnet losbricht. Doch diesmal ist der Startschuss zum närrischen Treiben gleichzeitig das Ende eines Menschenlebens. Ein Maler aus dem Tessin wird im Trubel der Feiernden von hinten erschossen. Thomas Kramer und sein Kollege Armando Bartolini nehmen die Ermittlungen auf. Da das Opfer aus Ascona am Lago Maggiore stammt, begeben sich die beiden ebenfalls in die Südschweiz. Dort ticken die Uhren zwar etwas anders, aber die Fasnet mit ihrer Guggenmusik ist auch dort im Gange. So gelingt es den Polizisten nur mit Mühe, das Verbrechen zu untersuchen. Dabei gerät vor allem Thomas Kramer mitten hinein in die Wirrungen, die mit dem Fall zusammenhängen.

Wie schon beim vormals besprochenen Roman „Sonnensturm“ angemerkt, ist auch „Aschenputtel“ ein Meisterstück. Silvia Götschis Schreibkünste hinterlassen einen professionellen Eindruck, der das Lesen zu einem Vergnügen macht. Außer ein paar Flüchtigkeitsfehlern bei Zeichensetzung und Zusammenschreibung, die unbemerkt durch das akribische Lektorat geschlüpft sind, ist absolut nichts zu monieren. Die Detailbeschreibungen der Szenen, die akkurate Darstellung der verschiedenen Charaktere und die Verstrickungen der Handlung wirken wohldurchdacht und zudem auch sehr feinsinnig ausgestaltet. Auch die Konzeption des Tatherganges ist plausibel, was für einen Kriminalroman essenziell ist. Spannung ist reichlich vorhanden und wird bis ganz zum Schluss aufrechterhalten.

Aschenputtel“ ist für 7,99€ zu haben. Das mag im ersten Moment für eBook-Verhältnisse vergleichsweise hoch erscheinen. Man sollte jedoch bedenken, dass der Roman stilistisch wie inhaltlich aufwändig und gewissenhaft ausgearbeitet ist. Man bekommt also ein wertvolles Stück Literatur, das sich für Krimifans sicher als Schmankerl herausstellen wird. Generell wird hieran aber jeder Gefallen finden, der spannende und formvollendete Unterhaltung lieben. Außerdem hat „Aschenputtel“ einen beträchtlichen Seitenumfang. Das ist bei eBooks durchaus von Vorteil, da sich längere Bücher erfahrungsgemäß besser verkaufen als kurze.

Rezension zu „Sonnensturm“ von Silvia Götschi

„Und wenn du alles niedergeschrieben hast, verbrenne das Buch!“

Im bunten Reigen der literarischen Genres ist heute mal wieder die Liebe Gegenstand der Betrachtung. „Sonnensturm“ nennt sich ein entsprechender Roman der Schweizer Autorin Silvia Götschi, der mich nicht nur wegen seines phänomenalen Coverfotos begeistert hat. Im Klappentext wird sogar „eine schaurig-schöne Erzählung voller Poesie und Philosophie“ angekündigt. Ich kann bereits jetzt verraten, dass dies kein bisschen zu hoch gegriffen ist.

Buchcover Silvia Götschi "Sonnensturm"Der Protagonist Ondrej ist Mikrobiologe und Mittvierziger. Seine Ehe ist gescheitert und er kämpft noch mit den vielen Erinnerungen, als er auf einer Vernissage in eine schicksalhafte Begegnung verwickelt wird. Er möchte sich dort nur kurz aufwärmen, trifft dann aber auf Gina, eine Journalisten der Wochenzeitung. Er ist auf Anhieb von ihr fasziniert. Sie ist so völlig anders als seine Frau, unkonventionell, widersprüchlich, unbeschwert, doch es dauert eine geraume Weile, bis sich die beiden wirklich näherkommen. Ondrej ist mit seinem seelischen Schmerz beschäftigt, den sie vorübergehend zu lindern vermag. Aber da ist auch noch die berufliche Karriere, die ihren Tribut einfordert, und das Leben hat ja bekanntlich immer seinen eigenen Plan.

Kann man denn zum Thema Liebe überhaupt noch etwas Neues schreiben? Nach dem Genuss dieses Buches muss ich diese Frage klar bejahen. Natürlich handelt „Sonnensturm“ von Beziehungen, aber da ist noch mehr, wesentlich mehr sogar. Der Umgang mit Erinnerungen, der Vergangenheit und dem Abschied steht im Mittelpunkt. So schenkt Gina Ondrej ein leeres Buch, in das er all seine Erlebnisse aufschreiben soll. Anschließend soll er es verbrennen, um somit endlich loslassen zu können. Dazu gehört das Zitat aus dem Text (Seite 14), das hier als Überschrift dieser Rezension dient.

Zu Ausdruck, Rechtschreibung und Grammatik kann ich nur eins sagen: Perfekt! Fehler sucht man hier wie die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen. Das kommt nicht von Ungefähr, denn der Text ist lektoriert worden, und das offenkundig sehr kompetent. Auch der Schreibstil überzeugt auf ganzer Linie. Wiederholungen sind nicht zu entdecken und die Ereignisse werden derart bildhaft geschildert, dass sich beim Lesen ein ganzes Fotoalbum im Geiste auftut, in welchem jedes einzelne Foto vor schillernden Farben nur so überquillt. Banale und allzu verbrauchte Szenenbeschreibungen gibt es hier nicht. Ein Kuss wird so zu einem „Konzentrat ungeheuren Fühlens“ (Seite 81). Überhaupt steckt das gesamte Buch voller verblüffend tiefsinniger Wendungen. Ein weiteres Beispiel ist dies: „Lange, bevor sich die Hände berühren, berühren sich die Herzen“ (Seite 27). Und als ob das nicht schon genug des Lobenswerten wäre, bestreiten die Figuren dann und wann auch noch eine philosophische Debatte über verschiedene Themen wie Malerei, Evolution oder das Leben nach dem Tode. Es gibt hier also viel zu entdecken und man wird bestimmt nicht unterfordert.

Mit 6,99€ für den Download bei 210 Seiten im BookRix-Format mag das Buch ein wenig teuer erscheinen, Dafür erhält man aber ein literarisches Werk, an dem praktisch nichts zu bemängeln ist. Wer gehaltvolle Geschichten mag, ist hiermit gut beraten. Trotzdem ist „Sonnensturm“ nicht zu kopflastig, sondern bietet auch reichlich Romantik. Das Buch empfiehlt sich für ruhige Stunden, die man nicht sinnlos verstreichen lassen möchte.

ISBN: 978-3-95500-403-3