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„Die Braut“ von Helena Scheiermann

„Erlösung, dachte er.“

Die Autorin Helena Scheiermann schreibt als seerose auf BookRix und bietet uns eine düstere und mysteriöse Kurzgeschichte dar. Wir erhalten einen kurzen Einblick in das Leben eines namenlosen Protagonisten, dessen Alltag durch bestimmte Umstände erschwert wird. In seinem Kopf toben sich fremde Stimmen aus, die er mit diversen Medikamenten zum Schweigen bringen muß, um nicht in ihnen unterzugehen. Eine dieser Stimmen, die ihm auch als Person im Traum begegnet, hat aber eine besondere Bedeutung, die er nicht vollständig ergründen kann.

Eines Nachts geschieht es, daß er eben dieser Stimme in der Realität begegnet. Sie befindet sich an einem für ihn markanten Ort, am Geländer einer Brücke, von der er bereits hatte in den erlösenden Tod springen wollen. Die Stimme trägt ein wallendes Brautkleid, und er beschließt, sie vor einem möglichen Suizid zu bewahren.

Der Schreibstil der Autorin ist durchaus gut. Stellenweise könnte die Wortwahl etwas differenzierter sein, und die Handlung hätte auch ausführlicher geschildert werden können. Doch was mich beim Lesen hier wirklich beeindruckt hat, sind zum einen das unerwartete Ende und zum anderen die Symbolsprache, mit der Helena Scheiermann so subtil und tiefsinnig die innere Zerrissenheit des Protagonisten darstellt. Die erschreckend nahe gehende Wirkung dieser bildhaften Ausdrucksform entfaltet sich allerdings erst, wenn man den Text eine Weile lang in sich arbeiten läßt.

„Die Braut“ von Helena Scheiermann ist auf jeden Fall einen Blick wert.