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Rezension zu „Jenseits“ von Fia-Lisa Espen

Von Dunkelheit und Licht …

Nach gar nicht allzu langer Zeit gibt es wieder eine neue Fortsetzung des Romans „Stationär“ von Fia-Lisa Espen, und zwar „Jenseits“. Es geht also weiter mit den vielschichtigen Charakteren Charlotte, Rebecca, Elias und Co. Da mir die beiden bisherigen Bücher dieser außergewöhnlichen Reihe schon extrem gut gefallen haben, ist es keine Frage, dass ich mir Teil 3 nun ebenfalls genauer angesehen habe.

Während Maja noch immer mit den Nachwirkungen zu kämpfen hat, die der „Zirkel“ in ihr hinterlassen hat, gibt es für Elias neue Herausforderungen. Er erhält eine Kiste von seiner verstorbenen Zwillingsschwester Laura, in der nicht nur Briefe stecken, sondern auch noch ganz andere Erinnerungsstücke, die Elias in einen Sog des Wiedererlebens reißen. Er geht auf Entdeckungsreise in die eigene Vergangenheit, in der es Licht, aber auch Dunkelheit gibt. Derweil plagen Mirjam ganz andere Sorgen. Wie lange kann sie noch verheimlichen, wer der Vater ihres Kindes ist? Während sich Rebecca wieder in der Klinik befindet, sucht Mirjam unerwartet Charlottes Nähe.

Wie schon angedeutet, sind in diesem Teil der Reihe Elias, Mirjam und Charlotte die Hauptfiguren, um die sich die Handlung vorrangig dreht. Maja und Rebecca kommen zum Teil vor, Julie und Fritzi hingegen nur ganz am Rande. Auch Elias‘ jüngere Schwester Mira tritt wieder auf und es gibt außerdem einige neue Gesichter wie etwa Ben, Elias‘ besten Freund aus Kindertagen. Obwohl man nach „Außerhalb“ zwar auf die Fortsetzung der Julie-Handlung gewartet hat, sind die in „Jenseits“ vorhandenen Stränge kein bisschen uninteressant, eher im Gegenteil, da sich gewisse neue Verflechtungen zwischen den Figuren ergeben, mit denen man so nicht unbedingt rechnen konnte. Man wird daher – wie bei den Vorgängern schon – von der Geschichte mitgerissen und kann kaum loslassen, was nicht zuletzt daran liegt, dass die einzelnen Charaktere in gewohnter Manier beschrieben werden.

Zur Ausarbeitung des Buches muss man kaum was sagen, wenn man weiß, wie gewissenhaft Fia-Lisa Espen darauf achtet. Stil, Rechtschreibung und Cover sind mal wieder perfekt. Hier gibt es absolut nichts zu meckern. Und der Inhalt der Geschichte spielt ohnehin in einer eigenen Liga. In „Jenseits“ werden neue Facetten zu Figuren hinzugefügt, die bereits sehr viele davon hatten, mehr als das in vielen anderen Romanen der Fall ist. Bei „Jenseits“ bekommt man eine Ahnung, was es bedeutet, einen Charakter wirklich zu kennen, seine Licht- und Schattenseiten zu entdecken, seine Hoffnungen und Ängste. Hier geht es um das reale Leben von Menschen, die mit ihren Problemen zurechtkommen müssen, auch wenn die Umstände widrig sind. Aber dennoch geben sie nicht auf, weil sie sich gegenseitig unterstützen und verstehen.

Jenseits“ überzeugt als Fortsetzung der beiden bisherigen Romane auf ganzer Linie. Nur gelegentlich stellt sich die Lektüre nicht ganz einfach dar, da etwas fachsprachlich-psychologisch, was hier jedoch nicht als Minuspunkt verstanden werden soll, denn der Markt hat schließlich schon genügend Bücher, die man, ohne viel nachzudenken, zwischendurch konsumieren kann. Bei „Jenseits“ hingegen sollte man sich Zeit nehmen, wird dafür aber belohnt mit einer aufregenden Handlung, einzigartigen Protagonisten und herausragendem Sprachgenuss.

Jenseits“ kann also fraglos empfohlen werden. Wer allerdings die beiden Vorgänger „Stationär“ und „Außerhalb“ noch nicht kennt, sollte erst diese lesen. Grandios sind sie alle drei und sollten daher gemeinsam sowieso in keiner Büchersammlung fehlen. Bleibt zu hoffen, dass die Geschichte auch noch eine vierte Episode bekommt, denn sie ist definitiv ein Gewinn für die Literatur. Unbedingt lesen!

Rezension zu „Stationär“ von Fia-Lisa Espen

„Sie musste sich festhalten gegen das Wegdriften der Zeit.“

Heute möchte ich euch einen Roman vorstellen, der mich ganz besonders beeindruckt hat. Er nennt sich „Stationär“ und ist von Indie-Autorin Fia-Lisa Espen geschrieben. Sie ist noch recht neu auf unserer Selfpublishing-Plattform BookRix, beweist aber mit dem hier vorgestellten Werk, dass sie die Kunst des Schreibens quasi im Schlaf beherrscht.

Buchcover Fia-Lisa Espen - "Stationär"Stationär“ ist eine fiktive Geschichte, die von psychischen Problemen und ihren Folgen handelt. Wir lernen nacheinander zwei junge Frauen kennen, Rebecca und Charlotte. Beide treffen in derselben psychosomatischen Klinik ein. Ihre Probleme sind verschieden: Rebecca leidet am Borderline-Syndrom, Charlotte ist magersüchtig. Obwohl sich ihre Lebensgeschichten nicht gerade ähneln, kommen sich die beiden langsam näher und es entwickelt sich eine zarte Beziehung zwischen ihnen. Doch ist diese nur ein Mittel, um sich vor ihren Krankheiten und Ängsten zu schützen, oder gibt es da etwas, das die beiden tief verbindet?

Die Handlung ist in mehrere Kapitel untergliedert, die jeweils die Geschehnisse eines ganzen Tages schildern. Die Perspektive wechselt häufig zwischen den beiden Protagonistinnen hin und her, wobei dann als kleine Orientierungshilfe der Anfangsbuchstabe des neuen Absatzes fett geschrieben ist. Man findet sich aber auch ohne diese Maßnahme gut zurecht, da die Figuren sehr ausführlich dargestellt und deshalb unverwechselbar erscheinen. Stilistisch ist der Text sehr ansprechend. Dann und wann kommt zwar eine Wortwiederholung vor, doch es gibt immer wieder überraschend kreative Formulierungen, die das Lesen zu einer unvergleichlichen Entdeckungsreise werden lassen. Zu beanstanden sind am ganzen Buch nur zusammengesetzte Verben, die nicht zusammengeschrieben sind. Ansonsten macht der Text einen perfekten Eindruck.

Sehr aussagekräftig sind vor allem die zahlreichen Rückblenden in die Vergangenheit der beiden Hauptfiguren, die durch konsequente Kursivschrift deutlich gekennzeichnet sind. Durch diese Erinnerungsbruchstücke kann das Leben und Erlebte der beiden nach und nach erschlossen und verstanden werden. Es macht betroffen und stimmt nachdenklich, doch es gibt auch immer wieder Hoffnungsschimmer, die sich am Horizont abzeichnen.

Mit gerade mal 0,99€ ist „Stationär“ sehr günstig zu haben, meiner Meinung nach sogar deutlich zu günstig, wenn man bedenkt, dass das Buch in fast allen Belangen sehr gelungen ist. Vor allem inhaltlich hat der Roman viel zu bieten, was nach dem Lesen noch lange in Erinnerung verbleibt. „Stationär“ ist sicherlich keine leichte Lektüre, die man beiläufig verschlingen kann. Vielmehr wird man selbst davon verschlungen, von den gewaltigen Emotionen, über die hier berichtet wird. Wer also ein Buch nicht nur lesen, sondern wahrlich erleben möchte, sollte dieses in einer ruhigen Stunde genießen. Es wird sich lohnen.