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Rezension zu „Sehnsucht“ von Achatvenus

„Sie belogen ihn und lächelten dabei.“

 

Buchcover Achatvenus "Sehnsucht"Die Autorin Achatvenus ist seit Dezember 2011 bei uns und eines ihrer ersten Werke ist – zum Monat ihres Erscheinens passend – eine Weihnachtsgeschichte. „Sehnsucht“ heißt sie, aber sie erzählt nichts, was Gewöhnlich wäre.

„Sehnsucht“ ist nicht zuletzt wegen des recht guten Stils und der eindrücklich geschilderten Handlung ein Lesetipp. Wir erleben einen kurzen Moment im Leben des Jungen Lukas, der an das baldige Wiedersehen mit seiner Mutter denkt. Weihnachten steht vor der Tür und dann wird er wieder bei ihr sein. Seine momentane Lage ist wenig erfreulich, aber er selbst hat immer noch die Kraft, durchzuhalten. Auch hat er gelernt, die Lügen zu erkennen, die sein Umfeld ihm gegenüber äußert.

In zahlreichen kurzen Erinnerungen begibt sich Lukas daher zu seiner Mutter, bei der er Trost finden kann. Die geschilderten Begebenheiten gewähren einen flüchtigen Blick in das leidvolle Leben der beiden, ohne dabei in irgendeiner Weise klischeehaft zu wirken. Vielmehr erkennt man zwei ehrliche und umsichtige Charaktere, die sich mutig ihren Problemen stellen.

„Sehnsucht“ ist eine Kurzgeschichte, die stilistisch und inhaltlich überzeugt. Ich hoffe, dass wir von Achatvenus bald noch mehr Werke lesen können.

Rezension zu „Wo bist du“ von Corinna May

„Wie aus dem Nichts“

 

Corinna May "Wo bist du"Die Autorin Corinna May ist auf BookRix unter dem Namen „Regenwolke“ bekannt. Ihre Kurzgeschichte „Wo bist du“ ist heute Thema im Blog. Obwohl der Titel vielleicht etwas schlicht wirkt, verbirgt sich dahinter ein Werk von emotionaler Tiefe.

Wir erfahren, wie die Protagonistin Vera einen unerwarteten Anruf bekommt. Suse, ihre Tochter, meldet sich urplötzlich, nachdem sie zuvor ganze acht Jahre auf Achse gewesen ist und sich nicht hat blicken lassen. Nur Ansichtskarten hat sie geschickt, um zu vermelden, dass es ihr gut gehe. Doch der überraschende Anruf lässt etwas Anderes vermuten. Ihre Stimme klingt nicht wie früher und Vera ahnt nichts Gutes. Als sich die beiden dann tatsächlich begegnen, bestätigt sich der Verdacht der besorgten Mutter, denn Suse wirkt entkräftet und abgemagert. Im Laufe ihres Gesprächs kommen zahlreiche Erinnerungen wieder an die Oberfläche, einige offene Fragen werden beantwortet und schließlich erfährt Vera auch, was mit Suse geschehen ist.

Wo bist du“ lebt vor allem durch die Ungewissheit, mit der Vera in das Treffen geht. Durch die so erzeugte Erwartungshaltung wird die Geschichte spannend und fesselnd. Das Erzähltempo ist dabei ebenfalls recht gut ausgefallen. Auch stilistisch gibt es nur ganz wenig zu beanstanden. Einzig die Zeichensetzung weist dann und wann kleine Fehlerchen auf, die aber den positiven Gesamteindruck kaum zu trüben vermögen. Insgesamt überzeugt der Text nicht zuletzt wegen seiner emotionalen Wucht, mit der das unerwartete Wiedersehen geschildert wird. Man fragt sich zwangsläufig, wie man selbst in einer solchen Situation handeln würde. Würde man Ärgern empfinden, weil das eigene Kind sich so lange nicht hat blicken lassen? Oder würde die Fürsorge überwiegen und allen Frust im Keim ersticken? Vera findet jedoch schließlich eine Lösung für ihren Gefühlskonflikt, doch davon möchte ich jetzt nichts vorwegnehmen.

Wo bist du“ ist eine Geschichte, die nachdenklich stimmt, im negativen wie im positiven Sinne. Sie hat also durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient.